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Datenverschlüsselung : Der Spion, der mich liest

Für den privaten Einsatz wird von Netzaktivisten ganz überwiegend Gnu PG empfohlen, das mit der offenen E-Mail-Software Thunderbird gut zusammenarbeitet. Man achte nur darauf, nicht das fertig kompilierte Paket Gpg 4 Win zu verwenden, denn diese Zusammenstellung wurde im Auftrag des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) entwickelt, möglicherweise mit Hintertürchen.

Smartphone-Messenger mit schweren Sicherheitslücken

Der Nachteil von PGP ist nicht allein seine überaus komplizierte Einrichtung und aufwendige Handhabung im Alltag. Es muss auch jeder Kommunikationspartner mitspielen. Eine offene Flanke sind abermals die Metadaten. Also die Informationen, wie groß eine E-Mail ist, von welchem Server und welcher IP-Adresse sie wann an wen geschickt wurde. Diese Metadaten sind nicht verschlüsselt, und wie bei den Telefongesprächen gilt, dass ihr Informationsgehalt für die Nachrichtendienste fast genauso interessant ist wie der Text selbst.

Kein Wunder also, dass angesichts des Aufwands und der Komplexität von PGP der Griff zum Smartphone naheliegt. Was ist mit populären Chat-Systemen wie Whats App, die ohne Anmeldung, Registrierung oder „Klarnamenspflicht“ die Kommunikation mit jedermann erlauben? Keine gute Idee, denn alle beliebten Messenger fürs iPhone und Android fallen immer wieder mit schweren Sicherheitslücken auf - und sind auch insofern abzulehnen, als sie das Adressbuch des Nutzers auf ihre Server hochladen. Whats App wird von einem kleinen Unternehmen in Kalifornien betrieben, über das man so gut wie nichts weiß und das seine Sicherheitsrichtlinien nicht kommuniziert. „Wenn man Revue passieren lässt, wie Whats App bislang mit dem Thema Sicherheit umgegangen ist, kann man eigentlich nur noch von der Nutzung des Dienstes abraten“, schreibt Heise Security.

Verschlüsselung ist keine Lösung des politischen Problems

Eine Messaging-Software fürs Smartphone mitsamt kryptographischer Verschlüsselung will Peter Sunde, der skandinavische Mitgründer und Sprecher von Pirate Bay, unter dem Namen Hemlis entwickeln. Noch ist das Projekt in der Planung. Bereits erhältlich ist indes Threema für Android und iOS, das wie PGP einen privaten und einen öffentlichen Schlüssel erzeugt. Den öffentlichen zeigt es als QR-Code an, das Gegenüber kann ihn mit der Smartphone-Kamera einlesen. Nur wenn man sich bereits persönlich getroffen und gegenseitig verifiziert hat, ist also die höchste Sicherheitsstufe zu erreichen. Den Status zeigt die Software, die eine durchgängige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung einsetzt, mit Symbolen an. Da Threema zudem sehr einfach zu bedienen ist, könnten solche Smartphone-Programme langfristig erfolgreicher sein als die Umstellung herkömmlicher E-Mail-Systeme auf PGP.

Für Geheimes also nur das Handy? Insgesamt bleibt der Blick auf die Technik unbefriedigend. Was die Netzaktivisten für den Privatgebrauch vorschlagen, bewegt sich zwischen Beruhigungspille und Beschäftigungstherapie. Selbst wenn man gewillt ist, seine Internetgewohnheiten grundlegend zu ändern, sind viele Maßnahmen mit immensem Aufwand verbunden, und einhundertprozentige Sicherheit ist nicht immer garantiert. „Wer Verschlüsselung als Mittel gegen „Prism“ und andere propagiert, kann auch gleich zu Clownsmasken gegen Videoüberwachung raten“, brachte der Journalist Mario Sixtus die Kritik auf den Punkt.

Verschlüsselung und Anonymisierung sind technische Verfahren, und natürlich wird man sie im unternehmerischen Umfeld einsetzen. Aber sie sind keine Lösung des umfassenderen politischen Problems, dass die Geheimdienste offenbar rechtsstaatliche Prinzipien bei der Internet- und Telefonkommunikation aushebeln. So ist es nicht zuletzt dieser Hilflosigkeit geschuldet, dass Politiker, die sonst die lautesten Befürworter staatlicher Überwachung wie beispielsweise der Vorratsdatenspeicherung sind, nun zur Selbsthilfe mit Kryptographie und Ähnlichem raten.

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