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Daten an die Kette : So verschlüsseln Sie Ihre Festplatte

Sicher ist sicher, man muss es allerdings nicht übertreiben, wenn es um den Schutz der Privatsphäre geht Bild: istock

Wer seine Festplatte schützen will, muss sie verschlüsseln. Das wird besonders dann wichtig, wenn etwa das Notebook gestohlen wurde. So funktioniert es.

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          Das Notebook wurde gestohlen. Im ersten Moment wird der Diebstahl an sich bedauert. Das Gerät war zwar nicht neu, hat aber doch mehr als 1000 Euro gekostet. Wird die Versicherung einspringen? Dann kommen weitere Gedanken, und plötzlich geht es nicht mehr um die Hardware oder Probleme, die mit Geld leicht aus der Welt zu schaffen wären. Denn auf dem Rechner befand sich Unbezahlbares aller Art. Zum Beispiel die Urlaubsfotos, die nun auf Nimmerwiedersehen verschwunden sind.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Verlust anderer Dokumente wird den Notebook-Besitzer noch monatelang beschäftigen. Denn was man fein säuberlich in Ordnern und Unterordnern sortiert hat, ist für den neugierigen Täter geradezu ein Daten-Eldorado. Über die digitalen, als PDF abgelegten Rechnungen stößt er schnell auf die bevorzugten Einkaufsorte im Netz. Da der Kennwortschutz von Windows umgehbar ist und das Mail-Programm noch arbeitet, kann der Dieb in aller Ruhe nicht nur das Facebook-Konto des Opfers kapern, sondern auch mit wenigen Mausklicks das von Amazon und anderer Versandhändler. Fehlen fortgeschrittene Windows-Kenntnisse, gelingt der Datenklau nach dem Ausbau der Festplatte und Anschluss an einen zweiten Rechner.

          Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt

          Die weitere digitale Eroberung von Einkaufs- und anderen Konten geht blitzschnell: Mit angeblich vergessenem Kennwort einen Anmeldeversuch starten, das Passwort via E-Mail zurücksetzen und die Postanschrift für Lieferungen zu einer Packstation im Hauptbahnhof ändern. Auch mit Konto- und Depotauszügen lässt sich Missbrauch treiben, der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Wer zudem auf der Festplatte alle seine Kennworte in einer Word- oder Excel-Datei gesammelt abgelegt hat, kann sich auf weitere Abenteuer einstellen. Selbst dann, wenn die Datei mit einem Kennwort geschützt wurde. Denn dieser Schutz ist ebenso löchrig wie der Anmeldeschutz von Windows.

          Die beste Möglichkeit, unliebsame Überraschungen nach dem Rechner-Klau abzuwehren, besteht darin, die gesamte Festplatte zu verschlüsseln. Man verhalte sich so konsequent wie möglich. Ein nur teilweiser Schutz, etwa bestimmter Partitionen oder eigener Dateien, ist nicht ratsam. Denn man weiß in der Regel nicht, wohin Anwendungsprogramme wie Word ihre temporären und die Sicherungsdateien schreiben. Liegt die vorletzte Version einer wichtigen Datei in einem ungeschützten Bereich, mag dies dem Angreifer ausreichen. Auch die Auslagerungsdateien des Betriebssystems können eine Gefahrenquelle für die Ausspähung sein, wenn sie Passwörter oder Festplattenschlüssel im Klartext enthalten. Für höchste Sicherheit verschlüssele man also die komplette Festplatte inklusive Betriebssystem.

          Durch den Krypto-Algorithmus schleusen

          Früher kam sofort ein wichtiger Einwand gegen diese radikale Maßnahme: Die Komplettverschlüsselung galt als Systembremse, weil der Prozessor alle Informationen auf dem Weg von und zum Datenträger durch den Krypto-Algorithmus schleusen muss. Nicht nur der Datentransfer selbst wird verzögert, sondern die Prozedur beansprucht zudem kostbare Rechenzeit. Die gute Nachricht: Mit aktueller Hardware fallen diese Verzögerungen nicht mehr ins Gewicht, so dass man getrost dazu raten kann, sofern der Rechner nicht als Server eingesetzt wird.

          Jede Verschlüsselung der Festplatte nimmt eine gewisse Zeit in Anspruch, und man vergibt ein Kennwort. Geht das Kennwort verloren, lässt sich mit einem Wiederherstellungsschlüssel, der nicht identisch mit dem Kennwort ist, die Verschlüsselung deaktivieren und die Festplatte entsperren. Während der Chiffrierung der Festplatte kann man mit seinem Rechner wie gehabt weiterarbeiten und ihn sogar herunterfahren. Die Verschlüsselung setzt automatisch nach dem nächsten Systemstart wieder ein.

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