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Dashcam von Nextbase im Test : Trickfilmer in der Windschutzscheibe

Die 422 GW genannte Dashcam von Nextbase kostet 200 Euro. Bild: Hersteller

Filmaufnahmen mit einer Videokamera im Auto sind juristisch umstritten. Eine Dashcam von Nextbase will mit pfiffigen Details den Datenschutz wahren.

          Filmaufnahmen mit einer Videokamera im Auto, die das Geschehen vor der Windschutzscheibe aufzeichnet, sind juristisch umstritten. Nichtsdestotrotz sieht man diese Dashcams immer öfter, zumal der Bundesgerichtshof im Mai vergangenen Jahres entschieden hat, dass die Aufnahmen einer solchen Kamera im Falle eines Unfalls als Beweis herangezogen und verwertet werden dürfen. Dennoch verstößt das Anfertigen solcher Videos regelmäßig gegen die Datenschutzbestimmungen. Wer andere Verkehrsteilnehmer filmt und die Aufnahmen sichert, ohne dass die Betroffenen informiert werden, handelt rechtswidrig. Der Einzelne hat das Recht, sich in der Öffentlichkeit frei zu bewegen, ohne befürchten zu müssen, ungewollt und anlasslos gefilmt zu werden. Datenschützer weisen auch darauf hin, dass Videoaufnahmen zur Strafverfolgung nur der Polizei erlaubt sind. Wer mit der Dashcam Verstöße anderer aufnehmen und zur Anzeige bringen will, verstößt selbst gegen geltendes Recht.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          In dieser Grauzone sollen einige technische Finessen dazu beitragen, dass man eine Autokamera dennoch verwenden kann, weil sie nämlich nur für kurze, anlassbezogene Aufnahmen zur Klärung der Schuldfrage bei Unfällen dient. Der erste Trick besteht darin, dass die Kamera eine Loop-Funktion hat und in einer Endlosschleife nur die letzten Videosequenzen speichert und gleichzeitig die ältesten selbsttätig löscht. Es gibt also keine permanente Aufzeichnung.

          Damit das vor einem Unfall aufgezeichnete Material nicht überschrieben wird, hat die ideale Dashcam einen Beschleunigungssensor eingebaut, der die Kollision und die damit einhergehende Verzögerung erkennt und die entsprechende Videosequenz vor dem Überschreiben schützt. Der Vorgang lässt sich meist auch manuell mit einer Taste auslösen, um den laufenden Filmschnipsel zu archivieren.

          An der Dashcam lassen sich mit Hilfe des berührungsempfindlichen Displays einige Einstellungen vornehmen. Bilderstrecke

          Wir haben einige Zeit die 422 GW genannte Dashcam von Nextbase ausprobiert, die 200 Euro kostet und als interessante Finesse die Option bietet, nicht nur das Geschehen vorn aufzuzeichnen, sondern auch das Andocken von weiteren Zusatzkameras erlaubt, etwa für den Blick nach hinten. Das zweite Auge kostet weitere 70 Euro. Die in China hergestellte Basiseinheit misst 8 × 4,5 × 2,2 Zentimeter, dazu kommt allerdings das Kameraauge, das ausschaut wie jenes einer Zoomkamera. An der Oberseite liegt der Anschluss zum Betanken des Akkus, interessanterweise ein historischer Mini-USB-Anschluss und nicht etwa Micro USB oder USB Typ C. Eine zweite Kameraoptik wird mit HDMI angeschlossen, und auf der linken Seite befindet sich ein Schacht für Micro-SD-Speicherkarten zum Speichern der Videos.

          Zur Anbringung an der Windschutzscheibe ist ein wenig Bastelarbeit angesagt: die Abdeckung neben dem Kameraauge entfernen und dann die Saugnapfhalterung dort anstecken, Magnete halten beide Komponenten fest zusammen. Die Stromversorgung übernimmt ein beiliegendes Kabel für den Zigarettenanzünder, abermals kommt ein antiquierter Mini-USB-Anschluss auf der anderen Seite des Kabels zum Einsatz.

          An der Dashcam lassen sich mit Hilfe des berührungsempfindlichen Displays einige Einstellungen vornehmen, etwa zur Videoauflösung, die man umschalten kann zwischen Full HD mit 60 Aufnahmen in der Sekunde oder 1440p mit 30 Aufnahmen in der Sekunde. Der Sichtwinkel der Kamera beträgt 140 Grad, das komplette Geschehen vorn wird also aufgenommen. Im Einsatz über mehrere Tage hinweg erledigte die 422 GW ihren Job einwandfrei. Mit einer Taste unterhalb der Anzeige kann man einzelne Videoschnipsel, deren Länge einstellbar eine, zwei oder drei Minuten beträgt, vor dem Überschreiben schützen. Um den Akku und das Ein- und Ausschalten der Kamera muss man sich nicht kümmern, die Kamera ist nach dem Losfahren automatisch aktiv. Die Qualität der Videos war ordentlich, und natürlich sind die eigene Geschwindigkeit, Datum und Uhrzeit sowie der mit GPS ermittelte Standort permanent im Video eingeblendet.

          Dass man zusätzlich mit Bluetooth und W-Lan ein Smartphone mit Nextbase-App anbinden kann, ist Spielerei. Man soll die Videos dann direkt auf dem Handy sehen können, was aber bei uns so wenig funktionierte wie die Inbetriebnahme einer SOS-Funktion. Man möge auf eine künftige Version der App warten, hieß die Fehlermeldung für den Notruf, und beim Abruf der Videos blieb es bei fortwährendem „Verbindungsaufbau“. Auch die Idee, Amazons Alexa in die Dashcam zu bringen, halten wir für wenig sinnvoll. Eher gefällt der Parkmodus, der die Kamera im stehenden Fahrzeug aktiviert, wenn die Beschleunigungssensoren ansprechen oder eine Bewegung vor der Windschutzscheibe erkannt wird. Ob man diesen Modus einschalten darf, ist jedoch rechtlich ebenso unklar wie der Einsatz einer solchen Kamera. Dass Mitbewerber wie Garmin und andere mit kleineren Preisen vorfahren, darauf sei ebenfalls hingewiesen.

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