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Messenger-Dienste : Das sind die Alternativen zu Whatsapp

Es gibt gute Alternativen zu Whatsapp. Bild: dpa

Wer sich von Facebook trennen will, muss sich auch von Whatsapp verabschieden. Das fällt nicht leicht. Aber es gibt sie, die sichere und leistungsfähige Alternative.

          Fast alle haben Whatsapp, ohne diesen Messenger ist man von der Kommunikation beinahe ausgeschlossen. Gleichzeitig wächst das Unbehagen: Whatsapp gehört seit 2014 zu Facebook, die Gründer haben das Unternehmen verlassen, und Whatsapp gibt entgegen ursprünglicher Beteuerungen private Nutzerdaten an Facebook weiter. Nicht zuletzt sollen künftig sämtliche zu Facebook gehörenden Messenger einen gemeinsamen Unterbau bekommen, Whatsapp, Instagram und Facebook Messenger werden noch in diesem Jahr verzahnt. Wer sich an Zuckerbergs Datensammeldreistigkeit stört, muss Whatsapp verlassen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das ist zumindest mit einem Blick auf die Alternativen einfacher, als man denkt. Denn ungeachtet der starken Stellung auf dem Markt gibt es etliche Programme, die sogar besser als Whatsapp sind. Sie bieten mehr Funktionen, gehen sparsamer mit Daten um, und ihre Sicherheit ist belegbar.

          Um gleich hier zu beginnen: Was ein Messenger in jedem Fall bieten muss, ist eine sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Bei einer schlichten Transportverschlüsselung werden die Daten auf dem Transportweg verschlüsselt. Aber sie können auf dem Server des Diensteanbieters gelesen, kopiert oder sogar verändert werden. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sorgt dafür, dass auch der Betreiber eines Messaging-Dienstes nicht mitlesen kann, sofern die geheimen Schlüssel sicher aufbewahrt werden. Deshalb wird in der Regel der Schlüssel auf dem Endgerät des Nutzers erzeugt und verlässt ihn nicht. Eine Lücke könnte darin bestehen, dass der Hersteller des Messengers die geheimen Schlüssel über eine Hintertür abgreift. Ein Grundvertrauen in die Anbieter ist deshalb unabdingbar – oder besser: Die Messenger-Software ist Open Source und erlaubt damit die Prüfung auf Hintertürchen durch Einsichtnahme des Codes.

          Um alle diese Apps mache man einen großen Bogen

          Ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in der Standardeinstellung arbeiten Google-Chatprogramme wie der unlängst eingestellte Allo, der Facebook Messenger, Kik und das in Russland beliebte Telegram. Um alle diese Apps mache man also einen großen Bogen. Sucht man einen Messenger, der für beide mobile Plattformen, für Android und Apples iOS, erhältlich ist, bleiben unter den namhaften Anbietern: Line, Signal, Threema, Viber und Wire.

          Line wurde von einem japanischen Unternehmen entwickelt und hat ungefähr 80 Millionen Nutzer, überwiegend im asiatischen Raum. Verglichen mit den 1,3 Milliarden von Whatsapp ist das nicht viel. Signal wird von der gemeinnützigen amerikanischen Signal-Stiftung entwickelt, die sich aus Spendengeldern finanziert. Unter anderem spendete Whatsapp-Mitgründer Brian Acton im vergangenen Jahr 50 Millionen Dollar. Signal propagiert das Prinzip der Datensparsamkeit mit dem Ziel, dass der Betreiber keine Informationen hat, wer wann mit wem worüber redet. Threema wird von einer gleichnamigen GmbH in der Schweiz als kommerzielles Produkt vertrieben, ist in Deutschland beliebt, hat aber insgesamt nur fünf Millionen Nutzer.

          „Ein Messenger für den Mülleimer“

          Viber wurde in Israel entwickelt und 2014 vom japanischen Unternehmen Rakuten übernommen. In der Vergangenheit stand Viber immer wieder in der Kritik, weil es massenhaft Daten über seine Nutzer sammelte und zugleich möglichst wenig von sich selbst verriet. In den Geschäftsbedingungen nimmt sich Viber Rechte heraus, die mit dem Prinzip der Datensparsamkeit nicht zu vereinbaren sind. In der Zusammenfassung des Sicherheitsforschers Mike Kuketz: „Ein Messenger für den Mülleimer.“ Wire gehört einem Unternehmen in Luxemburg, hat gute Kritiken von Datenschützern erhalten, leidet aber wie Threema unter der sehr kleinen Nutzerzahl.

          Alle fünf Programme können mehr als das Versenden von Textnachrichten. Messenger werden zu Kommunikationszentralen, die auch den Versand von Sprachnachrichten, Fotos, Videos und anderem erlauben. Verschlüsselt telefonieren kann man ebenfalls mit allen fünf Kandidaten, das erspart einem die Roaming-Gebühren beim Einsatz in Ländern außerhalb Europas. Die Messenger lassen sich auch am Rechner nutzen, entweder installiert man dazu eine eigene Software, oder man nutzt ein Browser-Fenster, um schnell sämtliche Nachrichten zu überblicken und vor allem mit Maus und Tastatur flink eigene zu schreiben.

          Bei ähnlicher Leistungsfähigkeit sollte man das Programm vorziehen, welches am sparsamsten mit Daten arbeitet und zudem unabhängigen Sicherheitsforschern Einblick in den Code bietet, so dass alle Versprechungen der Programmierer geprüft werden können. Hier steht auf dem zweiten Platz und mit vielen Einschränkungen Threema, das zumindest sein Verschlüsselungsverfahren für unabhängige Prüfungen geöffnet hat. Der Rest bleibt geheim – und letztlich eine Frage des Vertrauens.

          Der klare Sieger mit uneingeschränkter Transparenz ist Signal. Der Quellcode der Apps und des Servers ist komplett öffentlich verfügbar und erlaubt jedem eine intensive Untersuchung. In den vergangenen Jahren haben verschiedene universitäre Forscher immer wieder kleinere Problemstellen entdeckt, aber im Ergebnis die Sicherheit des Systems bescheinigt. Signal ist der Messenger, den Edward Snowden wiederholt empfohlen hat und der Favorit der Netzelite. Wenn Open Whisper Systems gezwungen wird, Daten von Nutzern und ihrer Kommunikation herauszugeben, kann das Unternehmen nur deren Registrierungsdatum sowie den Zeitpunkt des letzten Einloggens liefern. Alles andere wird nicht gespeichert oder ist wie die Inhalte von Nachrichten verschlüsselt und damit nicht einsehbar.

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