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Das neue iPad im Test : Mehr Evolution als Revolution

Screenshot in iPhoto: Die Lupe der App zeigt messerscharf jedes Detail Bild: Michael Spehr

Das neue iPad ist da und besticht durch eine sichtbar schärfere Darstellung. Wenn es um Fotos, Videos und Spiele geht, tut sich eine andere Welt auf: Man kommt ins Schwärmen.

          Das neue iPad ist da, und es heißt auch genau so. Nicht „iPad 3“ oder „iPad HD“, wie die überbordende Gerüchteküche des Internet seit Wochen behauptet hatte. Der Hype vor der offiziellen Präsentation in der vergangenen Woche war riesig und die erste Lieferung bereits am Wochenende ausverkauft. Wer im Internet bestellt, muss derzeit zwei bis drei Wochen warten, und am ersten Verkaufstag, am Freitag, werden sich gewiss wieder lange Schlangen vor den Apple-Läden in aller Welt bilden. Warum dieser Kult um das iPad? Eine ganz knappe Antwort: Es gibt keine rundum empfehlenswerte Alternative. Der Android-Plattform fehlen – noch? – hochwertige Apps, und die Geräte haben weder die schöne Anmutung noch die herausragende Verarbeitungsqualität eines iPad. Apple verkauft Tablet PCs erfolgreich, alle anderen nicht.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nun also das iPad der dritten Generation: Braucht man das, soll man sich schleunigst ein neues kaufen, auch wenn man derzeit ein iPad 1 oder 2 hat? Welche besonderen Vorzüge hat das neue, in den Maßen und der Bauform ist es doch praktisch nicht vom iPad 2 zu unterscheiden? Apple stellt vor allem das neue Display heraus. Seine Auflösung wurde in der Horizontalen und in der Vertikalen verdoppelt, es hat nun 2048 x 1536 Pixel. Da können nur wenige Desktop-Monitore mithalten. Der Gewinn besteht jedoch nicht darin, dass man bei der E-Mail oder dem Surfen im Internet mehr Information sieht. Gezeigte Inhalte bleiben völlig die gleichen, einziger Pluspunkt ist eine sichtbar schärfere Darstellung.

          Fotogalerie: iPhoto gruppiert nach Alben

          Apple spricht von einem „Retina“-Display, weil mehr Pixel dargestellt werden als das Auge bei normalem Betrachtungsabstand erkennen kann. Das mag man goutieren, aber der Vorteil hält sich bei textlastigen Anwendungen in Grenzen. Wer auf dem iPad seine Bücher liest, sieht sicherlich knackscharfe Buchstaben. Draußen bei hellem Sonnenschein ist die Anzeige jedoch wie gehabt schlecht ablesbar. Ein E-Book-Reader mit elektronischer Tinte ist für Sonne, Urlaub und Strand die bessere Lösung. Und meist auch die leichtere: Denn mit 652 oder 662 Gramm (in der Mobilfunk-Variante) ist das jüngste iPad 50 Gramm schwerer als das iPad 2, und das spürt man schon bei längerem Lesen. Dass das Display nach unseren subjektiven Eindrücken etwas stärker spiegelt als beim iPad 2 und schlechter gegen Fingerfett geschützt ist, sei nur am Rande angemerkt. Auffallend: Man regelt die Helligkeit öfter nach als bei den Vorgängerversionen.

          Bildbearbeitung mit Pfiff: Werkzeuge in iPhoto, gemalt wird allerdings mit dem Finger.

          Wenn es um Fotos, Videos und Spiele geht, tut sich eine andere Welt auf. Da entfaltet das neue Display seine Stärken, es ist schlicht eine Wucht, man kann nicht anders: Man kommt ins Schwärmen. Zumal auch die visuell orientierten Apps von der verbesserten Hardware unmittelbar profitieren. Etwa die Bildbearbeitung mit iPhoto (das bereits auf dem iPad 2 läuft). Hier wird alles einfacher -- und intuitiv in der Handhabung. Mit Fingerbewegungen auf dem Bildschirm erledigt man in nie gesehener Leichtigkeit anspruchsvolle Aufgaben, die am PC mehr Fachkenntnis, mehr Maus-Akrobatik und deutlich mehr Zeitaufwand erfordern. Der Amateur darf sich darüber freuen, und er wird hochzufrieden mit den Resultaten sein. Gleiches gilt für den Videoschnitt mit iMovie. Geht es um professionelle Ansprüche, ist allerdings das Potential beider Apps schnell erschöpft, ganz davon abgesehen, dass man sich vielleicht nicht mit jeder Faser seines digitalen Workflows in die Apple-Welt begeben möchte. Schließlich, aber nicht als Unwesentlichstes: die Welt der Spiele. Was wir in ersten Demos gesehen haben, ist atemraubend, vor allem auf einer großen Leinwand oder hochaufgelöst auf dem HDTV-Bildschirm. Hier jagt Apple die Konsolen – und wird damit erfolgreich sein.

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