https://www.faz.net/-gy9-98i53

Smartphone P20 Pro ausprobiert : Huawei holt das Triple

Huawei stellte in Paris nicht nur das P20 vor ... Bild: Dettweiler

Mit dieser Smartphone-Kamera deklassiert Huawei die Konkurrenz. Das P20 Pro schafft eine Auflösung von 40 Megapixel und einen dreifachen optischen Zoom. Auch ansonsten setzt das neue Flaggschiff Maßstäbe.

          Es war dann doch ganz clever von Huawei, ihr neuestes Smartphone auf einer Veranstaltung jenseits des Mobile World Congress (MWC) zu präsentieren. Weil Hersteller wie Samsung und Sony dort in Barcelona schon vor einem Monat ihre Flaggschiffe dem Publikum zeigten, hatten die Chinesen an diesem Dienstag in Paris die ganze Show und Aufmerksamkeit für sich. Dass man sich dabei auch etwas blamieren kann, wenn das Vorzeigeprodukt nicht mit der Konkurrenz mithalten kann, weiß natürlich Huawei-Chef Richard Yu. Deswegen musste das neue Flaggschiff, das er wie üblich mit einem breiten Grinsen auf der Bühne in der Hand hielt, der Konkurrenz aus Cupertino und Seoul mindestens ebenbürtig sein. Und das P20 Pro ist mehr als das.

          Huawei hat in Paris zwei Versionen seines High-End-Smartphones vorgestellt. Apple und Samsung fügen dem Namen der besseren und größeren Variante ein „Plus“ oder „+“ hinzu, die Chinesen haben sich für ein „Pro“ entschieden. Und das P20 Pro ist der Star, der neue Maßstäbe auf dem Markt setzt. Das fängt bei der Ausstattung an. Mit 6 Gigabyte Arbeitsspeicher und 128 Gigabyte internem Speicher spendieren sie ihrem Smartphone mehr Bytes als es die direkte Konkurrenz bei ihren Geräten tut. Das Display hat üppige 6,1 Zoll und der Akku 4000 mAh, der somit für die meisten Nutzer zwei Tage Energie liefern dürfte. Huaweis eigener Prozessor Kirin 970 ist nicht brandneu, die Chinesen haben ihn schon im Mate 10 Pro eingebaut. Die CPU kommt mit einem eigenen KI-Prozessor, dessen Dienste momentan im Wesentlichen von der Kamera genutzt werden.

          Da nahezu alle Hersteller die Kamera ihrer Smartphones in den Fokus rücken, setzt auch Huawei weiterhin auf seine Kooperation mit Leica und hat in Paris eine Weltpremiere vorgeführt: die Triple-Kamera. Schaut man auf die Rückseite wird klar, dass es eine Dual-Kamera plus dritter Linse ist. Letztere ist ausschließlich für Monochrom-Aufgaben zuständig. Huawei hält also an dieser Besonderheit fest, die das Unternehmen vor zwei Jahren mit dem P9 eingeführt hat. Der Monochrom-Sensor erreicht eine Auflösung von 20 Megapixel und hat eine Blende von f/1.6, sodass Nutzer anspruchsvolle Schwarz-weiß-Fotos gerade bei wenig Licht machen können.

          ... sondern auch das P20 Pro mit neuer Kamera und in neuer Farbe. Bilderstrecke

          Die Dual-Kamera für farbige Bilder hat es in sich: Die obere Linse ist ein Teleobjektiv mit 80 Millimeter Brennweite. Mit ihr gelingt ein dreifacher optischer Zoom. Die Auflösung ist dann auf 10 Megapixel limitiert. Die Blende von f/2.4 ist für diese Optik Standard und fängt viel, aber nicht übermäßig viel Licht ein. In dunklen Räumen sollte man das Zoomen lassen und sich auf die Fähigkeiten der zweiten Linse verlassen (die Dualkamera arbeitet letztlich als Einheit, der Nutzer kann sich nicht für eine Optik entscheiden). Der „RGB-Sensor“ schafft rekordverdächtige 40 Megapixel, die Blende von f/1.8 ist sehr lichtstark, auch wenn sie nicht ganz an die von Samsung S9+ heranreicht. Huawei verspricht einer bessere Farbwiedergabe wegen des „speziellen“ ISP-Bildprozessors und des Farbtemperatursensors. Wie sich dies im Bild zeigt, wird der ausführliche Test beweisen müssen.

          Seit der Einführung des Kirin 970 legt Huawei sehr viel Wert auf den Teil der CPU, die für Anwendungen künstlicher Intelligenz abgestellt ist. Neben dem Haupt- und Grafikprozessor übernimmt eine Recheneinheit Aufgaben, die momentan noch im Wesentlichen der Kamera zugutekommen. So kann die Kamera 19 verschiedene Motive erkennen, um dann automatisch die Einstellungen anzupassen. Weiterentwickelt haben die Ingenieure auch den sogenannten „4K-Fokus“. Dabei analysiert die Software die Szene, um für die beweglichen Objekte deren weiteren Weg zu berechnen und sie im Fokus zu behalten. Schafft sie das zuverlässig, bleiben die Objekte im Fokus und im Moment des Auslösens scharf.

          Die KI-Recheneinheit hilft auch dabei, das Bild zu stabilisieren. Es ist also letztlich ein elektronischer Bildstabilisator mit KI-Unterstützung. Normalerweise legen die Hersteller von Smartphones viel Wert darauf, dass ihre Geräte einen optischen Bildstabilisator haben. Ob deshalb Aufnahmen in der Nacht mit einer langen Belichtungszeit von bis zu acht Sekunden gelingen können, wie Huawei verspricht, muss ebenfalls im ausführlichen Test überprüft werden.

          Was auch bei Huawei nicht fehlen darf: die Superzeitlupe. Sony hatte diese Funktion vor einem Jahr mit dem Xperia XZ Premium eingeführt, Samsung Ende Februar im S9 übernommen und nun lassen sich auch mit dem P20 solche Aufnahmen machen. Dabei nimmt die Kamera für eine Dauer von 0,2 Sekunden 192 Bilder auf, die das Smartphone dann in der Wiedergabe auf sechs Sekunden verteilt. Auch für dieses Gerät gilt: Es bleibt schwierig, die Objekte zum richtigen Zeitpunkt zu erwischen, damit die Superzeitlupe gelingt.

          Die Kamera-App wurde etwas modifiziert. Langjährige Huawei-Nutzer dürften überrascht sein, dass nun nicht mehr durch Wischen von links oder rechts die Funktionen aufgerufen werden können. In Emui 8.1 befinden sich die meisten Einstellungen horizontal am unteren Ende angeordnet. Dort dürfte iPhone-Fans eine Funktion bekannt vorkommen. Im 3D-Porträt lässt sich der Hintergrund bis zu kompletten Schwarz so verändern, dass das Gesicht wie freigestellt erscheint. Ein erster Eindruck: Sieht gut, aber erwartbar auch etwas künstlich aus.

          Warum nicht das günstigere P20?

          Um das „kleine“ P20 nicht zu ignorieren: Wem die 899 Euro für das Pro zuviel sind und wer die Triple-Kamera nicht braucht, könnte an dem Modell für 649 Euro gefallen finden. Der Monochrom-Sensor ist der gleiche, der Sensor für die farbigen Bilder löst mit 12 Megapixel auf, was die meisten Smartphones der Konkurrenz auch tun. Im P20 werkelt ebenfalls der Kirin 970, der Bildschirm ist mit 5,8 Zoll hinreichend groß und der Akku mit 3400 mAh immer noch üppig. Die 4 Gigabyte Arbeitsspeicher reichen völlig. Auch auf diesem Gerät läuft das aktuelle Android 8.1 mit Huaweis Emui 8.1 als Oberfläche. Das P20 liegt mit einer Breite von 70,8 Millimeter sehr angenehm in der Hand.

          Normalerweise verlieren wir keine Wort über die Vorbestelleraktionen von Smartphone-Herstellern. Doch in diesem Fall sei es kurz erwähnt, weil wir das Goodie kennen und getestet haben. Wer das Huawei P20 Pro vorbestellt, erhält gratis den Kopfhörer Bose QuietComfort 35 II dazu. Wenn diese Aktion ohne weitere Bedingungen so gilt, ist das ein attraktives Angebot, da der Bose-Kopfhörer sehr gut ist und mehr als 300 Euro kostet.

          Technische Daten und Preis

          Bildschirm: 5,8 Zoll mit 2240 x 1080 Pixel und einer Pixeldichte von 428 ppi

          Pro: 6,1 Zoll mit 2240 x 1080 Pixel und einer Pixeldichte von 408 ppi

          Prozessor: Huawei Kirin 970

          Pro: Huawei Kirin 970 mit AI-Prozessor (NPU)

          Arbeitsspeicher: 4 Gigabyte

          Pro: 6 Gigabyte

          Datenspeicher: 128 Gigabyte

          Kamera hinten: Dual-Kamera 12 Megapixel und 20 MP (monochrom),

          Pro: Triple-Kamera mit 40 Megapixel, 8 Megapixel und 20 Megapixel (monochrom), Blenden: f/1.8, f/2.4 und 1.6

          Kamera vorne: 24 Megapixel

          Schnittstellen: Bluetooth 4.2 BLE, NFC, W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac, GPS

          Akku: 3400 mAh,

          Pro: 4000 mAh

          Maße: 149,1 x 70,8 x 7,65 Millimeter,

          Pro: 155 x 73,88 x 7,65 Millimeter

          Gewicht: 165 Gramm,

          Pro: 174 Gramm

          Betriebssystem: Android 8.1 mit Emui 8.1

          Preise: 649 Euro

          Pro: 899 Euro

          Weitere Themen

          Dacia Duster Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : Dacia Duster

          Kein SUV bietet mehr fürs Geld. Das merken immer mehr Kunden, und mit dem neuen Turbo-Benziner ist der Dacia Duster sogar richtig flott.

          Topmeldungen

          Rechtsextreme Netzwerke : Wie stoppt man den Hass?

          Rechtsextreme Netzwerke stiften im Internet immer wieder zu blutigen Taten an. In einer neuen Studie untersuchen Physiker die Dynamiken des Hasses – und entwickeln vier Strategien dagegen.
          Justin Trudeau im September in Truro

          Wahlkampf in Kanada : Der Politik-Star stellt sich den Wählern

          Ende Oktober wird in Kanada gewählt. Premierminister Justin Trudeau, der seiner liberalen Partei vor vier Jahren einen Rekordsieg einbrachte, führt einen Wahlkampf mit Startschwierigkeiten.
          Argentinische Weinbauern in der Region Mendoza.

          Freihandelsabkommen : „Das Mercosur-Abkommen ist Geschichte“

          In der EU kommt es zu einem weiteren Streit um Freihandelsabkommen. Österreich wird mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen den Vertragsschluss mit den Mercosur-Staaten stimmen. Vieles erinnert an einen früheren Konflikt mit Kanada.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.