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Chromebook 714 von Acer : Sie haben Google satt

Schwer: Acer fürs Business. Bild: Hersteller

Jenseits von Windows und Mac gibt es eine nahezu unbekannte Alternative: Chromebooks mit Betriebssystem von Google. Wie gut sind solche Geräte?

          Chromebook statt Notebook? Die meisten Menschen wissen mit dem Begriff Chromebook nichts anzufangen. Dahinter steckt die Idee, das Google-Betriebssystem Chrome OS mit den Google-Diensten, dem Google-Konto und der Google Cloud zu verbinden. Die geballte Packung Google landet in der Hardware eines Notebooks, das sich auf den ersten Blick kaum von einem herkömmlichen Windows-Gerät unterscheidet. Ohne Google geht es also nicht. Indes sind Chromebooks zu kleinen Preisen erhältlich, weil das Betriebssystem genügsam mit vorhandenen Ressourcen umgeht und alle Daten ohnehin in der Cloud landen. Die meisten Programme laufen als Web-Anwendung im Browser, es muss keine Software installiert werden. Updates erfolgen automatisch, und das Anlegen von Sicherheitskopien entfällt, weil eben alles in den Google-Wolken schwebt. Man muss Google vertrauen, sie haben die totale Kontrolle über jedes einzelne Chromebook.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Seit einigen Jahren laufen sogar Android-Apps auf den Chromebooks, aber sie sind weit davon entfernt, alle nur denkbaren Anwendungsszenarien abzudecken, und viel Freude kommt bei der Skalierung der Apps auf einen großen Monitor nicht auf. Zu den weiteren Vorteilen wiederum gehören die kurze Hochfahrzeit des Chromebooks von meist nur zehn Sekunden und die lange Akkulaufzeit von zehn Stunden und mehr.

          Am Chromebook meldet man sich mit seinem Google-Konto an und findet gleich die komplette Arbeitsumgebung inklusive der Google-Textverarbeitung Docs und der Tabellen vor. Jenseits der im Google-Konto angelegten Dateien in Google Drive gibt es auf dem Gerät selbst kein zusätzliches Dateisystem, wenngleich man auf externe Speichermedien durchaus zugreifen kann. Das alles hört sich nachteilig an, hat aber den Vorteil, dass man sein komplettes Google-Ökosystem mit der Anmeldung sofort vorfindet und den Rechner nach dem Abmelden problemlos an jemand anders weitergeben kann.

          Chromebooks sind zwar nicht die Zukunft, wohl aber eine interessante Nische. Derzeit tummeln sich in ihr einige Dutzend Geräte. Leider sind die Referenzgeräte von Google, Pixelbook genannt, in Deutschland nicht erhältlich. Aber HP, Lenovo, Acer und andere liefern zu Preisen von 150 Euro an. Für 400 Euro bewegt man sich bereits in der guten Mittelklasse, und wir haben nun ein Chromebook ausprobiert, das in der Premium-Liga spielt, sich an Geschäftsleute richtet und 650 Euro kostet: Das Chromebook 714 von Acer hat ein Aluminiumgehäuse, das besonders robust sein soll und nach Angaben des Herstellers sogar Stürze aus einer Höhe bis 1,20 Meter sowie Druckbelastungen bis 60 Kilogramm übersteht. Es ist zudem das erste Chromebook mit integriertem Fingerabdruckleser zur biometrischen Identifizierung des Nutzers.

          Auf den ersten Blick sieht der Acer-Rechner wie ein normaler 14-Zöller aus, auch die Maße von 32 × 24 × 1,8 Zentimeter und das recht hohe Gewicht von 1,5 Kilogramm tragen zu dem Eindruck eines unspektakulären Mittelklassegeräts bei. Erst bei genauem Hinsehen stößt man dann auf Details wie die ungewöhnliche Tastatur ohne Start- oder Windows-Taste und die fehlenden numerischen Funktionstasten. Das Display löst trotz der Größe von 14 Zoll nur mit Full HD und 1920 × 1080 Pixel auf. Indes ist die Anzeige berührungsempfindlich und lässt sich komplett nach hinten klappen. Schade, dass durch die breiten Ränder oben und unten viel Platz verschwendet wird.

          Der Umgang mit Chrome OS ist nahezu selbsterklärend

          Was Prozessor und Speicher betrifft, stellt Chrome OS nur bescheidene Ansprüche, und die wurden bei unserem Testgerät mit Core-i5-Prozesor der achten Generation, 16 Gigabyte RAM und 128 Gigabyte SSD durchaus erfüllt. Mit allen getesteten Apps gab es nicht die kleinste Kritik am Arbeitstempo. Auf der linken Seite findet man einen klassischen USB-Anschluss sowie USB Typ C zur Datenübertragung und zum Laden des Akkus vor, rechts ein weiterer USB Typ C sowie ein Schacht für Micro-SD-Speicherkarten, auf die mit der „Dateien“-App zugegriffen werden kann. Über der Anzeige ist eine Webcam eingelassen.

          Der Umgang mit Chrome OS ist nahezu selbsterklärend, das Betriebssystem kann nicht viel, und jenseits der gewohnten Funktionen im Chrome-Browser kommen nur wenige neue hinzu. Statt eines Windows-Startmenüs unten links gibt es nur einen Launcher, der alle installierten Apps zum Vorschein bringt. Unten rechts sind Informationen zum Akkustand und W-Lan eingeblendet, und man kann das Einstellungen-Menü aufrufen. Es gleicht jenem von Google Chrome, enthält aber zusätzliche Elemente, etwa zur Anpassung des Touchpads und der Energieverwaltung.

          Die Tastenbelegung lässt sich individuell anpassen, man kann zum Beispiel die Tasten in der oberen Reihe zu Funktionstasten umprogrammieren. Die Mechanik der Tastatur gefällt, indes reagieren die Tasten ein wenig weich, und der Hub ist sehr klein. Hauptkritikpunkt ist das Touchpad, welches zwar hinreichend groß ist, aber nicht genügend Präzision bietet. Das Chromebook hat Lüftungsauslässe an der Unterseite, arbeitete bei uns indes durchgängig lautlos. Spektakulär ist die Akkulaufzeit von mehr als zwölf Stunden, hier spielt das aufs Wesentliche reduzierte Betriebssystem seine Pluspunkte aus. Insgesamt ist dieses Gerät von Acer sehr empfehlenswert, wenn man sich auf ein Chromebook einlassen kann und will. Dass man für diesen Preis auch ein gutes Windows-Notebook erhält, bleibe nicht unerwähnt.

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