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Computerspiel-Profi Lagerberg : „Was wir machen ist Sport“

  • Aktualisiert am

Niklas Lagerberg Bild: Sebastian Balzter / F.A.Z.

Niklas Lagerberg ist Schwedens bester virtueller Streetfighter, ein Computerspiel-Profi. Wie ist er dazu gekommen? Wieviel muss man dafür trainieren? Und ist das ein Vollzeitjob? Ein Gespräch auf dem Weg zur LAN-Party Dreamhack.

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          Niklas Lagerberg ist Schwedens bester Streetfighter - besser gesagt, Schwedens bester virtueller Streetfighter. Wie ist er dazu gekommen? Wieviel muss man dafür trainieren? Und ist das ein Vollzeitjob? Ein Gespräch auf dem Weg zur LAN-Party Dreamhack.

          Rund 15.000 Computerspiel-Begeisterte machen Dreamhack zur größten LAN-Party der Welt. Ist das Wochenende auch für dich nur ein großer Spaß?

          Nein. Dreamhack ist auch eines der wichtigsten Turniere für e-Sport, elektronischen Sport also, in Europa. Das sieht man zum Beispiel am Preisgeld: Wer den „Streetfighter“-Wettbewerb gewinnt, bekommt 30.000 Kronen, das sind gut 3000 Euro. Für den zweiten Platz gibt es 15.000 Kronen, für den dritten 5000. Aber die Konkurrenz ist groß, vor allem aus den Vereinigten Staaten kommen viele gute Spieler nach Jönköping.

          Mit welchem Recht kann man eigentlich von Sport sprechen, wenn die Sportler während des Turniers ausschließlich vor ihren Bildschirmen sitzen?

          Was wir machen, ist auf jeden Fall ein Sport. Man muss ja auch körperlich in guter Form sein, sonst hat man keine Chance. Ich zum Beispiel halte mich mit Kung-Fu und Tae-kwon-do fit. Denn wer müde ist, kann bei der Dreamhack nichts gewinnen.

          Also ist der elektronische Sport eine Vollzeitbeschäftigung für dich?

          Das kann man so sagen. Früher habe ich bis zu sechs Stunden am Tag gespielt. Wenn man ein gewisses Niveau erreicht hat, ist so viel Training nicht mehr nötig. Stattdessen lese ich viel über die Techniken anderer Spieler in den einschlägigen Internetforen, und schaue mir aufgezeichnete Turniere an, um die Tricks meiner kommenden Gegner kennenzulernen. Zum Spielen dagegen komme ich nur noch ungefähr zweimal in der Woche fünf Stunden lang. Mehr hätte keinen Sinn, weil es in Schweden nicht so viele gute Spieler gibt. Das ist in Japan und Amerika anders, dort sind die Trainingsvoraussetzungen deshalb viel besser.

          Wann hast du mit „Streetfighter“ angefangen?

          Das ist noch gar nicht so lange her, vor drei Jahren.

          Inzwischen giltst du unter dem Spitznamen „Skatan“, zu deutsch „Elster“, als einer der besten Spieler in Schweden. Kannst du von den Preisgeldern und der Unterstützung der Sponsoren leben?

          Meine Sponsoren zahlen nur die Reisekosten, damit ich an solchen Turnieren überhaupt teilnehmen kann. Und die Preisgelder sind meistens nicht so hoch. Nein, zum Leben reicht das nicht. Aber Zeit für einen Job habe ich auch nicht, ich bin zurzeit arbeitslos.

          Im Spiel trittst du mit der Kämpferin Chun-Li auf. Warum hast du sie gewählt?

          Sie hat sehr viele verschiedene Angriffsvarianten. Dafür aber nicht so viel Energie, was im Turnier ein Nachteil sein könnte. Aber sie passt gut zu mir, finde ich.

          Und welche Chancen rechnest du dir für Dreamhack aus?

          Ein paar Spieler aus Amerika haben abgesagt, das ist gut für mich. Favoriten sind aber trotzdem zwei Amerikaner, Ryan Hart und Gooteks. Auch Zak aus Schweden hat ganz gute Chancen. Ich hoffe, dass ich ins Finale komme.

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