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Computer und Smartphone : In der Update-Falle

Wer kennt das nicht: Nach dem Update geht plötzlich nichts mehr. Bild: Mart Klein und Miriam Migliazzi

Ob PC oder Smartphone: Nach dem Update funktioniert häufig nichts mehr. Nicht nur die Software streikt. Auch die Nutzer sträuben sich immer öfter gegen das erzwungene Neue. Ist es aber klug, Updates einfach sein zu lassen?

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          Dieses Update schreibt Geschichte: Mitte September stellten viele HP-Tintendrucker von einem auf den anderen Tag ihre Tätigkeit mit der Fehlermeldung ein, es sei eine falsche oder defekte Patrone eingesetzt. Die Ursache für den plötzlichen Druckerstreik war jedoch eine andere, denn die Geräte hatten bislang mit einer Nachbau- oder Nachfüllpatrone einwandfrei funktioniert. Vielmehr hatte HP heimlich den mit dem Internet verbundenen Druckern und Multifunktionsgeräten aus der Officejet- und Pro-X-Modellreihe ein Update der Betriebssoftware geschickt, das automatisch empfangen und installiert wurde. Und diese Aktualisierung sorgte dafür, dass plötzlich Patronen anderer Hersteller mit den HP-Druckern nicht mehr liefen. HP räumte den Sachverhalt umgehend ein: Um die Kunden bestmöglich zu unterstützen, hieß es süffisant, verbessere HP die Sicherheit seiner Produkte und habe neue „Features“ im Rahmen eines Firmware-Updates installiert.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Mit dem „neuen Feature“ wurde gleich doppelt in das Eigentum der Kunden eingegriffen. Nicht nur die Drucker, auch die Patronen waren von ihnen bezahlt. Eine „neue Form der Selbstjustiz per Firmware-Update“, schrieb die Computerzeitschrift „c’t“ und verwies darauf, dass das vorsätzliche Ändern eines EDV-Systems als Computersabotage strafbar sein kann. Die Eigentümer der Patronen hätten keine Einwilligung zu deren immaterieller Vernichtung gegeben. Ende September musste sich HP dem Druck der Öffentlichkeit beugen und zurückrudern; ein weiteres Update stellte den vorherigen Zustand wieder her.

          HP legt Drucker lahm: Selbstjustiz per Firmware-Update?

          Das Update hat in der Tat seine Unschuld verloren. In den Anfangszeiten der Computerei wartete man sehnsüchtig auf jede Aktualisierung von Hard- und Software. Es wurde alles besser, leistungsfähiger, schneller. Der Fortschritt war mit Händen greifbar. Endlich hatte das Textprogramm eine Silbentrennung, sogar für die deutsche Sprache, endlich bot das Betriebssystem eine Spiele- und Multimediaschnittstelle. Für die Jüngeren ist die damalige Update-Begeisterung schwer nachvollziehbar. Aber zum Start von Windows 95 beispielsweise versammelten sich im August 1995 die Menschen in langen Schlangen vor den Computerläden der Großstädte: „Die halbe Welt steht kopf“, resümierten selbst nüchterne Fachjournalisten.

          Heute ärgert sich die halbe Welt darüber, mit welchen Tricks Microsoft sein Update auf Windows 10 an den Mann zu bringen versuchte. Bis Ende Juli konnte man unentgeltlich von Windows 7 oder Windows 8 umsatteln, und vor Fristablauf wurde für den Wechsel gehörig Druck gemacht: mit aufploppenden Fenstern und dem hinterhältigen Trick, dass eine weggeklickte Werbeschaltfläche als Zustimmung zur Installation des Updates gewertet wurde.

          Negative Erfahrungen mit Updates

          Man will nicht ohne weiteres wechseln, die Erfahrungen mit Updates sind negativ geworden. Wenn Rechner, Smartphones, Haushaltsgeräte oder sogar Autos ihre Betriebssoftware aktualisieren, droht manches Ungemach: etwa der Verlust eigener Dateien, Fotos, Dokumente, Videos. Oder es werden die persönlichen Einstellungen geändert, bisweilen gar zurückgesetzt. Funktionen ändern sich oder verschwinden; unerwünschte und bereits gelöschte Werbe-Apps werden aufs Neue wieder eingespielt und so weiter.

          Ein Update bedeutet Aufwand und Unsicherheit, man muss sein gesamtes System prüfen, geht Risiken ein, manches Gerät überlebt gar den Aktualisierungsvorgang nicht. Vor allen Dingen Microsoft kann es nicht lassen: Nervkram und Werbung kommen immer wieder, und was man schon mehrfach deinstalliert hat, wird einem zum wiederholten Mal untergeschoben. Fast alle Hersteller von Navigations-Apps fürs Smartphone haben in den vergangenen Monaten per Update die Funktionalität ihrer Routenführer abgewertet: Aus erworbenen Vollversionen mit uneingeschränkter Nutzungsmöglichkeit wurden Mietmodelle mit Abo-Angebot. Das war kein Update, sondern ein Downgrade; wie bei HP quasi eine Enteignung durch die Hintertür.

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