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Comand-System Mercedes S-Klasse : Der große Luxus des feinen Fahrens

Spracherkennung Linguatronic

Wer seine Beifahrer verwöhnen will, sollte das „Entertainment-Paket vorn“ mit Harman-Kardon-Surroundanlage sowie einem Splitview-Monitor wählen (2100 Euro). Der Bildschirm liefert dann zwei Anzeigen. Eine für den Fahrer, der beispielsweise die Karte der Navigation eingeblendet bekommt, und eine zweite für den Beifahrer, der gleichzeitig eine DVD oder das TV-Programm sehen kann. Allein der Blickwinkel entscheidet. Bei allem Luxus fehlt indes ein wichtiges Detail: die drahtlose Musikübertragung vom Smartphone mit dem Bluetooth-Protokoll A2DP. Diese Technik ist mittlerweile selbst in vielen Kleinwagen selbstverständlich.

Bei der Ankopplung eines Bluetooth-Telefons an Comand ist eine Besonderheit zu beachten. Ist die „Komforttelefonie“ mit Ladeschale (für 470 Euro) eingebaut, muss man sich bei der Blauzahn-Anbindung mit einer Umstandskrämerei herumplagen: Mit jedem Start sucht Comand zunächst das fest eingebaute Telefon und bietet erst nach einigen Minuten und nur kurz den Wechsel zu Bluetooth an. Ein Trick, um diese lästige Prozedur abzukürzen, besteht darin, die Schale in der Mittelarmlehne mechanisch zu entfernen. Anschließend funktionierte bei uns alles einwandfrei, mit dem besagten iPhone und mit einem Androiden. Nicht nur der Zugriff auf Telefonbuch und Anruflisten gelingt prima. Mit der Spracherkennung Linguatronic gibt es eine Namenswahl, was will man mehr? Vieltelefonierern empfehlen wir allerdings das Telefonmodul mit Sim-Access (420 Euro), das eine Mobilfunkeinheit mitbringt und das Handy während der Fahrt in einen Tiefschlaf legt. Denn die hervorragend gedämmte Karosserie der S-Klasse schottet auch die Mobilfunksignale ab. Mit Sim-Access (das leider von den meisten Oberklasse-Smartphones nicht unterstützt wird), telefoniert man in Regionen mit schwacher Funkversorgung deutlich besser.

Dynamische Navigation „um den Stau herum“

Die Linguatronic bewährt sich auch bei der Eingabe des Navigationsziels. Nun geschieht das, wie bei der Konkurrenz, in einem Rutsch mit der „One shot entry“-Technik, die hervorragend funktioniert, allerdings etwas schneller zur Sache kommen könnte. „Navigation wird aktiviert“ sieht man ein, zwei Minuten zu Beginn der Fahrt, da sind andere flotter. Während der Routenführung ist das Gebotene überragend, die Ansagen kommen klar und präzise, es gibt einen Kreuzungszoom und Fahrspurempfehlungen.

Was wir vor einem Jahr in der E-Klasse beklagten, hat Mercedes-Benz hier verbessert: Die kameragestützte Erkennung der Verkehrszeichen mit Geschwindigkeitsbegrenzungen arbeitet nun sehr ordentlich. Sowohl die bedingten Tempolimits (bei nasser Fahrbahn oder zu bestimmten Uhrzeiten) wie auch die Anzeigen der dynamischen Geschwindigkeitsregelungsanlagen auf Autobahnen wurden fast immer richtig erkannt. Zudem wird der Hinweis jetzt auch permanent auf der Navi-Karte einblendet und nicht nur einige Sekunden im Tachometer-Innenring wie in der E-Klasse.

Unser Fahrzeug hatte ferner „TMC Pro“ zur dynamischen Navigation „um den Stau herum“ eingebaut. Diesen Premium-Dienst haben wir oft gelobt, aber in den zwei Wochen mit der S-Klasse waren wir nicht immer zufrieden: Auf unseren längeren Fahrten war rund jeder zweite gemeldete und tiefrot in der Karte hervorgehobene Stau entweder beim Eintreffen schon aufgelöst oder nicht so gravierend, dass sich eine Ausweichstrecke gelohnt hätte. Andere Quellen für hochwertige Verkehrsinformationen, etwa mit Floating Car Data, stehen nicht zur Verfügung, denn Mercedes bietet einen Internetzugang erst in der neuen C-Klasse an, das Stichwort lautet „Comand online“. Auch ein Head-up-Display, das Navi- und andere Hinweise in die Frontscheibe einspielt, ist nicht lieferbar.

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