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Chromebook Pixel im Test : Googles goldener Käfig

Der Bildschirm hat ein 3:2-Format Bild: Hersteller

Googles Chromebook ist ein Notebook der Sonderklasse: Es hat einen Browser als Betriebssystem, ist bestens verarbeitet, macht Spaß - und kostet viel Geld.

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          Eigentlich hat die Sache nur einen Haken. Doch dazu später. Fangen wir mit dem Auspacken an. Wer das Chromebook Pixel in den Händen hält, streichelt unweigerlich mit seinen Fingern über den in einem Stück gefrästen Alublock. Es ist nicht Liebe, aber Begierde auf den ersten Blick. Das mattsilbrige Gehäuse liegt mit seinen eineinhalb Kilo angenehm in den Händen und macht einen stabilen Eindruck.

          Lediglich der hinten herausragende Akku unterbricht die strenge geometrische Form. Beim Öffnen zeigt das Chromebook sein funktionalistisches Gesicht. An das obere Ende der Tastatur, die bei Dunkelheit im Hintergrund leuchtet, hat Google eine Tastenreihe gesetzt, die konsequent auf die Nutzung des Browsers zugeschnitten ist. Die Feststelltaste wurde durch die Suchfunktion belegt.

          Das Chromebook hat unter anderem zwei USB-Anschlüsse
          Das Chromebook hat unter anderem zwei USB-Anschlüsse : Bild: Hersteller

          Bevor man lange darüber nachdenken kann, was das Außergewöhnliche an der Software ist, hat sich diese schon automatisch gestartet und verlangt vom Nutzer sogleich den Clubausweis. Spätestens hier sollte man erwähnen, warum Googles Geräte Fluch und Segen zugleich sein können und die Sache einen Haken hat. Mit dem Kauf eines solchen Notebooks entscheidet man sich auch für das Betriebssystem Chrome und damit für Googles Welt.

          Das Unternehmen entscheidet, welche Anwendungen installiert werden können - und in manchen Fällen muss man die Kreditkartendaten herausrücken, ohne dass man etwas bezahlen will. Apple gibt sich ebenfalls seit Jahren die größte Mühe, seine Nutzer in einem geschlossenen System zu halten. Doch im Vergleich zu Google ist das Unternehmen aus Cupertino liberaler. Die Idee ist bei beiden die gleiche: Entscheide dich nur für mich, und du wirst glücklich. Googles goldener Käfig hat keine offenen Stellen. Die freiwillige Gefangenschaft erfordert ein Google-Konto.

          „Web-Apps“ und „Apps“ sind in einem Menü gesammelt
          „Web-Apps“ und „Apps“ sind in einem Menü gesammelt : Bild: Dettweiler

          Grundlage und innovativer Ansatz dieses geschlossenen Systems ist der Einsatz des Browsers Chrome als Betriebssystem. Nahezu jegliche Aktivität in Chrome OS spielt sich auf Websites ab. Man benutzt also nicht Programme zum Schreiben, Mailen, Surfen oder Sichern von Daten. Man öffnet stattdessen Websites. Die Seite „drive.google.com“ (früher Google Docs) übernimmt als Office-Alternative Aufgaben wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation oder Folienpräsentation. Daten lassen sich dort ebenso sichern. Mit Gmail (mail.google.com) verwaltet man Mails, und unter www.google.com/calendar organisiert man Termine.

          Im Chrome Web Store bieten Entwickler viele weitere Produkte an. Auf dem Bildschirm sieht man all diese Apps zwar in der unteren linken Ecke als Symbole, die wie Apps oder Programme erscheinen. Doch es sind meist bloße Verknüpfungen zu einer Website. Google nennt diese „Web-Apps“. Echte Apps, also eigenständige Anwendungen, wie der Rechner oder die Kamera, gibt es nur wenige. Die Symbole dienen vielmehr dazu, schneller zwischen den Tabs im Browser zu wechseln.

          Der Unterschied zu Betriebssystemen wie Mac OS oder Windows wird klar: Chromebooks sollten am besten immer online sein. Google hat zwar für Zeiten ohne Netzverbindung vorgesorgt und bietet für die Drive-Anwendungen einen Offline-Modus an. Die Daten werden dann lokal zwischengespeichert, bis wieder eine Internetverbindung zur Verfügung steht. Diese Systematik funktioniert schon nicht mehr mit der Dropbox. Weil sie nur als aktive Website integriert werden kann, gibt es ohne Internet keinen Zugriff auf die eigenen Dateien.

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