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Angriff durch Hacker : Kann das Bundestagswahlergebnis manipuliert werden?

  • -Aktualisiert am

Das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik hat sehr intensiv nach Schwachstellen gesucht. Bild: ZB

Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt schon seit Monaten vor Hackerattacken zur Bundestagswahl. Könnten Kriminelle durch einen Angriff das Ergebnis verfälschen?

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          Wenn am 24. September die Wahllokale schließen, kann es kritisch werden. Denn dann werden die Stimmen der Bundestagswahl ausgezählt. Von der Ebene der Landeswahlleiter an wird es dabei digital. Und hier rechnen die Sicherheitsbehörden mit Hackerangriffen auf die Wahl-Server. Werner Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, warnt schon seit einigen Monaten vor Hackerattacken zur Bundestagswahl. Im Kanzleramt und beim Bundeswahlleiter werden diese Mahnungen auch sehr ernst genommen. „Wir haben gemeinsam mit den Mitarbeitern des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik sehr intensiv nach Schwachstellen gesucht und müssten gut vorbereitet sein“, sagt Klaus Pötzsch vom Büro des Bundeswahlleiters. So werden die Schnellmeldungen mit den ersten Auszählungsergebnissen in der Wahlnacht über das Telefon durchgegeben.

          E-Mail ist verboten. Sie ist Bundeswahlleiter Dieter Sarreither zu unsicher. Bei der Durchgabe der Wahlergebnisse von den Wahllokalen an die Kreiswahlleiter wird mit Netz und doppeltem Boden gearbeitet. Um Zahlendreher, Hörfehler und andere Missverständnisse zu vermeiden, werden die Ergebnisse als Zahl (etwa Dreihundertvierundsechzig) und als Ziffernfolge (Drei, Sechs, Vier) durchgegeben. Die Kreiswahlleiter geben die bei ihnen einlaufenden Ergebnisse nach einer ersten Prüfung dann an die Landeswahlleiter weiter. Dort werden die Ergebnisse digital erfasst und über das Verwaltungsnetz des Bundes per Dateitransfer an den Bundeswahlleiter geschickt.

          Mehrere Angriffsmöglichkeiten sind denkbar

          „Wir haben dafür drei Rechenzentren vorbereitet, eines in Berlin und zwei in Wiesbaden“, berichtet Pötzsch. Im Fall einer Hackerattacke auf eines der Rechenzentren würde dies sofort vom Netz genommen, die Server-Kapazität in den beiden anderen wäre ausreichend, um dennoch eine Auszählung für die Hochrechnungen sicherzustellen. An dieser Stelle sieht der Profi-Hacker Julian Totzek-Hallhuber vom Sicherheitsunternehmen Veracode allerdings mehrere Angriffsmöglichkeiten. „Auch wenn wir ein Verwaltungsnetz haben, werden öffentliche Leitungen genutzt, die angreifbar sind“, lautet das Fazit des Sicherheitsspezialisten.

          Die Planung eines möglichen Angriffs würde Totzek-Hallhuber davon abhängig machen, ob die Wahl einfach nur gestört werden soll oder manipuliert, also Wahlergebnisse verfälscht werden sollen. Im ersten Fall würde der Hacker einen Überlastangriff auf die Vermittlungsrechner der Telekommunikationsunternehmen starten, welche die Leitungen für das Verwaltungsnetz bereitstellen. Dabei werden viele Millionen Datenpäckchen auf die Vermittlungsrechner abgeschossen, bis sie in die Knie gehen. Die Auszählung würde sich in diesem Fall um viele Stunden verzögern.

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