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Böse Falle : Mobilfunk wie in der Kölsch-Kneipe

Der Köbes bringt ungefragt immer wieder Bier in der Stange, die traditionell 0,2 Liter hat Bild: Wonge Bergmann

Kaum ist das Datenvolumen weg, wird es automatisch wieder nachgebucht. Das wirkt auf den ersten Blick kundenorientiert, ist aber eine böse Falle.

          Wie viel Datenvolumen im Mobilfunk darf es denn sein? Neuerdings muss man um Bits und Bytes kämpfen. Denn selbst die als „Flatrate“ für unbegrenzten Surfgenuss angepriesenen Verträge enthalten meist eine feste Volumengrenze, die nicht überschritten werden darf. Von einer Flatrate kann also gar keine Rede sein. Ist das Volumen erschöpft, wird das Tempo drastisch gedrosselt. Doch manche Mobilfunker greifen zu einem Trick. Man werfe einen Blick etwa auf den Blue-Smart-Tarif von Telefónica O2. Für 18 Euro im Monat erhält man ein Datenvolumen von 500 Megabyte. Viel ist das nicht. Aber nun preist O2 seine Datenautomatik an: Mit ihr gebe es „immer genug Datenvolumen“, weil automatisch bis zu drei Mal im Monat nachgebucht werde. Wie das leere Bierglas in mancher Kölner Kneipe ohne Zutun des Gastes durch ein volles ersetzt wird, erhält der O2-Kunde zu Preisen zwischen zwei und fünf Euro ein Extrakontingent von 100 bis 750 Megabyte.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Monatsgebühr steigt demnach um Beträge zwischen sechs und 15 Euro. Den erhöhten Datenhunger spüren Smartphone-Nutzer immer öfter. Vor zehn Jahren galt die Faustregel, dass der typische mobile Surfer zwischen 30 und 100 Megabyte im Monat benötigt. Diese Werte kann man heute getrost mit dem Faktor Zehn multiplizieren: 300 Megabyte bis ein Gigabyte sind angesagt. Wer unterwegs oft auf Facebook ist, Twitter nutzt oder gar Fotos mit Instagram hochlädt, schöpft sein Volumen schnell aus. Bilder und Videos sind Datenfresser, für den Live-Stream einer Fußballübertragung rechne man mit 35 Megabyte in der Minute. Nach einer Viertelstunde sind also 500 Megabyte verbraucht. Youtube-Videos sind etwas schlanker, aber 5 Megabyte je Minute in der geringsten Auflösung gelten als Untergrenze.

          Hört man Musik im Streaming-Verfahren direkt über die Mobilfunkverbindung, sollte man beim Einsatz von Spotify oder Apple Music mit einem Megabyte je Minute rechnen. Internettelefonate, zum Beispiel mit Skype oder Apples Facetime, schlagen ebenfalls auf das Datenvolumen durch, abermals mit rund einem Megabyte je Minute; tendenziell weniger, wenn nur gesprochen wird, und mehr, wenn die Kamera dazukommt. Whatsapp und andere Messenger sind von Hause aus bescheiden. Kurze Nachrichten kosten nur wenige Kilobyte, es sei denn, dass man Fotos oder Videos mitsendet. Weitere Fallstricke für Fotos und Videos suche man in den eingebauten Cloud-Diensten des Smartphones und den nachträglich installierten. Fast alle Apps wie Dropbox oder Onedrive von Microsoft wollen den Benutzer zum automatischen Foto-Upload verleiten.

          Ist ungeachtet aller Knausrigkeit das gebuchte Datenvolumen verbraucht, setzte früher unerbittlich die Drossel ein. Nach dem Überschreiten des Limits wird das Tempo so weit reduziert, dass man sein Smartphone kaum sinnvoll nutzen kann. Die unbeliebte Drossel gibt es noch immer. Aber mit der Nachlieferung weiterer Datenhäppchen beginnt die Surf-Bremse deutlich später. Das hört sich zunächst kundenfreundlich an. Indes geht es den Mobilfunkern natürlich darum, mehr Umsatz zu generieren, obwohl in den Flatrate-Tarifen eigentlich alle Leistungen enthalten sein sollten.

          Fortwährend das Smartphone überwachen

          E-Plus und Base hatten im vergangenen Jahr eine eigenmächtige Vertragsänderung dahingehend formuliert, dass sich der Kunde nicht gegen weitere Datenkontingente entscheiden konnte und sogar automatisch nach mehreren Zubuchungen in den nächsthöheren Tarif eingestuft wurde. Wer höchstens so viel bezahlen wollte, wie ursprünglich im Vertrag vorgesehen war, musste fortwährend sein Smartphone überwachen und darauf achten, nur das erworbene Volumen auszuschöpfen. Anschließend waren auf dem Smartphone alle Datenverbindungen bis zum Ende des Abrechnungszeitraums zu kappen. Anders hätte man den Vertrag nicht einhalten können.

          Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ging gegen diese Datenautomatik vor; sie hatte keinen juristischen Bestand, über die Kundenbetreuung kann man sie jetzt dauerhaft deaktivieren lassen. Ähnlich verfährt O2.

          Permanent abschalten lassen

          In den Vodafone-Red-Tarifen wird derzeit ein Datenvolumen automatisch nachgebucht, wenn 90 Prozent des Inklusivvolumens verbraucht sind. Der Kunde kann die Nachbuchung des 250-Megabyte-Pakets für 3 Euro verhindern, wenn er auf die zugesandte Info-SMS antwortet. Reagiert er nicht, erfolgen bis zu drei Bestellungen im Abrechnungszeitraum. Um den möglichen Extra-Kosten dauerhaft aus dem Weg zu gehen, kann man versuchen, über die Kundenbetreuung die Funktion permanent abschalten zu lassen. Offiziell wird dieser Weg indes nicht angeboten.

          Bedenklich erscheint, dass sich der Verbraucher in diesen Fällen nicht bewusst für eine Automatik entscheiden kann, sondern gegebenenfalls mit Zusatzkosten belastet wird, ohne dass die zugehörigen Vorgänge von ihm veranlasst wurden. Der Datenverbrauch in den Mobilfunknetzen lässt sich vom Laien kaum abschätzen und nur schlecht berechnen. Juristen sprechen von einer „überraschenden Klausel“ in entsprechenden Verträgen. Der Verbraucher werde unverhältnismäßig benachteiligt, weil er bei Abschluss des Vertrags nicht absehen könne, welche Kosten ihn erwarten und wie er die Kosten kontrollieren könne. Dass er dem Nachladen aktiv widersprechen muss (Opt out), kann man als Kostenfalle verstehen.

          Sinnvoll für den Vielnutzer ist also nur eine Datenautomatik, die vom Kunden bewusst als „Opt in“ gewählt wird. So verfährt beispielsweise die Telekom, wo man nach dem Erreichen des Datenlimits selbst tätig werden muss, um mit einer „Speed on“ genannten Option weiterhin schnell surfen zu können. Das Verfahren ist transparent: Nach Verbrauch des Volumens erhält man eine SMS mit dem Hinweis, dass die Geschwindigkeit gedrosselt wurde. In der Kurznachricht befindet sich ein Link, dessen zugehörige Seite unentgeltlich aufrufbar ist. Hier lässt sich dann das Datenvolumen kontrollieren und neues nachkaufen.

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