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Bloggerkonferenz Re:publica : „Was ist los mit dem Internet?“

Trotz des schrecklichen Titels „Let’s streit: Wer darf mich wie tracken?“ verlief dieses „Streitgespräch“ für die Besucher recht geradlinig und war zudem informativ. Das lag unter anderem an Stephan Noller von Nugg.ad, einer Firma, die ihr Geld mit „Cookies“ verdient. Cookies sind kleine digitale Texthäppchen, die sich auf Computern einnisten, sobald der Nutzer mit dem Browser eine Webseite besucht. Sie speichern Informationen über das Surfverhalten des Nutzers, die Werbeunternehmen nutzen, um auf Webseiten zielgerichtet Werbung zu schalten. Es wurde endlich einmal wieder konkret in einer Veranstaltung. „Das Internet“ war in diesem Fall der Browser und das Problem schnell auf den Punkt gebracht: Dürfen Noller und seine Firma etwas auf Computern installieren, um Informationen zu sammeln und zu verwerten, ohne dass der Nutzer davon weiß? Ja, meinte Noller. Die Cookies zeichneten nur auf, was sich jemand beim Surfen anschaue, ohne dabei personenbezogene Daten zu sammeln. Das Internet – jetzt wurde es wieder etwas schwammiger – brauche solche Methoden der Werbeindustrie, weil sie viel Geld einbrächten. Nur dadurch könnten Webseiten ihre Angebote kostenlos ins Netz stellen. Zudem sei die Auswertung solcher Daten eine „riesige Innovationsquelle“ für die Forschung. Googles autonom fahrende Autos oder die bald kommende Übersetzungsmaschine seien durch die statistische Auswertung von Cookie-Daten entstanden. Die Gegenposition zu Nollers Position war zunächst eine ablehnende Haltung: Was interessiert uns das, wir wollen keine Cookies auf unseren Rechnern! Wie man diese verhindert oder im Nachhinein löscht, dürfte den meisten Leuten in diesem Saal bekannt gewesen sein.

Informationen sammeln ohne Grenzen

Selbst wenn man akzeptiert, dass Cookies auf dem Rechner Daten sammeln, zeigt dieser Fall eine gefährliche Entwicklung in der Vorgehensweise von Unternehmen. Auch Google, Facebook und Apple sammeln Daten, ohne dass wir es wissen. Und diese Informationen beinhalten zudem persönliche Daten. Nutzer stimmen zwar den AGB zu, wenn eines der Unternehmen ein neues Update einer Software anbietet. Aber wer liest diese wirklich durch? Und falls man etwas dagegen hätte: Was mache ich mit meiner Musiksammlung in iTunes, die ich bereits bei Apple gekauft habe? Was mache ich mit all den Bildern und Texten, die ich bei Google und in Facebook liegen habe? Auch das war ein Topos der Re:publica: Google, Facebook und Apple sind das Internet. In nahezu jedem Vortrag wurden diese Unternehmen kritisiert für ihre Monopolstellung, ihren Umgang mit den AGB und das Sammeln von persönlichen Daten. Schon am ersten Tag der Konferenz sah der amerikanische Historiker Eben Moglen die demokratische Freiheit in Gefahr, weil gerade Unternehmen wie Apple das Recht auf offene Software unterdrücken.

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