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Blackberry Keyone im Test : Die Produktivitäts-Maschine

Blackberry Keyone Bild: Hersteller

Er will an gute alte Zeiten erinnern: Keyone heißt der erste Blackberry von TCL aus China. 600 Euro sind aber zu viel Geld.

          2 Min.

          Nach dem letzten Blackberry aus Kanada kommt jetzt der erste, der nur den berühmten Namen trägt. Blackberry hat sich aus dem Geschäft mit Hardware zurückgezogen, die Sparte übernahm das chinesische Unternehmen TCL, das zwar wenig bekannt ist, indes mehr als 50.000 Mitarbeiter hat und seit 2004 zusammen mit dem französischen Partner Alcatel auch Mobiltelefone herstellt. Nichtsdestotrotz: Es ist der Name Blackberry, der hier zieht, TCL und Alcatel sind bedeutungslos, jedenfalls in dem Segment, das Blackberry bislang besetzte: sichere Geräte der oberen Mittel- und Oberklasse für Geschäftskunden.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der neue Keyone kommt wie die letzten echten Blackberrys mit Android-Betriebssystem. Dazu gibt es drei Versprechen: Das unsichere Google-Betriebssystem soll mit verschiedenen Maßnahmen gegen Angriffe gehärtet worden sein. Zweitens kann man jenseits von Android mit vielen bewährten Blackberry-Funktionen weiterarbeiten, etwa dem Hub. Schließlich gibt es drittens endlich wieder einen Blackberry mit physischer Mini-Tastatur, das ist für die Freunde der Marke die wahrscheinlich wichtigste Nachricht.

          15 × 7,2 × 0,9 Zentimeter sind die Maße, es wiegt 180 Gramm

          In den guten alten Blackberry-Zeiten erlaubte die kleine Tastatur in Verbindung mit der besonders angepassten Software eine unglaublich schnelle E-Mail-Bearbeitung und Texterstellung. Wer es draufhatte, arbeitete mit seinem Blackberry produktiver als mit jedem anderen Smartphone. Nur sind diese Zeiten vorbei. Flottes Tippen am Handy ist nicht mehr gefragt, denn Diktieren geht noch schneller. Das Keyone wirft jedoch viele starke Argumente in den Ring, wenn man die älteren Techniken weiter nutzen will: Die Mini-Tastatur überzeugt nicht nur hinsichtlich Haptik und Präzision. Sie ist zugleich auch ein Touchpad zur Cursorsteuerung, dafür reichen leichte Fingerstreiche über die Tastenoberfläche. Auch die von alten Blackberrys bekannte Option, Vorschläge der Wortrate-Funktion mit einem Fingerwisch auszuwählen, funktioniert wie früher. Wem also die Blackberry-Arbeitstechniken in Fleisch und Blut übergegangen sind, der kommt mit diesem Modell sofort zurecht. Neu ist eine weitere Finesse: der Fingerabdruck-Scanner in der Leertaste, er funktioniert bestens.

          Ob der Rückblick auf alte Tugenden und Techniken für eine neue Blüte der Marke ausreicht, sei dahingestellt. Die Verarbeitungsqualität des Keyone überzeugt, die Anmutung stimmt, sein nicht wechselbarer Akku hält rund anderthalb Tage durch. Man hält ein sehr robustes Gerät in der Hand, das groß erscheint, obwohl es das gar nicht ist: 15 × 7,2 × 0,9 Zentimeter sind die Maße, es wiegt 180 Gramm. Wegen der Tastatur gerät der Bildschirm ungewöhnlich: Auf einer Diagonale von nur 4,5 Zoll (11,4 Zentimeter) zeigt er 1620 × 1080 Pixel, also ein Hochkant-Format, das gut zum Lesen längerer Texte geeignet ist.

          Eine 12-Megapixel-Kamera auf der Rückseite

          Die übrige Ausstattung ist Mittelklasse: Snapdragon-Prozessor 625, drei Gigabyte RAM und 32 Gigabyte Flashspeicher, erweiterbar mit Micro-SD-Karten, USB-C-Anschluss, Android 7.1 und eine 12-Megapixel-Kamera auf der Rückseite, deren Qualität mittelmäßig ist; es fehlt eine optische Bildstabilisierung. Android kommt ohne Verbastelungen, eine Wohltat. Die von Blackberry mitgelieferten Apps sollen für E-Mail, Kalender, Kontakte und Aufgaben abermals an frühere Pluspunkte erinnern, viele Details sind in der Tat sehr überzeugend. Wer den Hub nicht kennt, lasse sich überraschen und probiere ihn aus: Die Bündelung aller Meldungen, Nachrichten und Hinweise in einer App ist pfiffig. Manches funktioniert aber nicht, etwa das Zusammenspiel mehrerer Kalender.

          Auch für diesen Blackberry mit Android muss man Zeit investieren, bis man den besten Workflow gefunden hat. Sein ungewöhnliches Konzept mit Tastatur und vielen eigenen Apps macht ihn zu einem interessanten Außenseiter, der sich vom typischen Android-Einerlei wohltuend abhebt. Die derzeitige Preisempfehlung liegt bei 600 Euro, das ist ein wenig überzogen. Wenn der Preis schon in wenigen Wochen deutlich gefallen sein wird, kann man getrost zuschlagen.

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