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Biohacking : Diese Technik geht unter die Haut

NFC in der Hand: Zwei Implantate,in der Röntgenaufnahme der Hände jeweils zwischen Zeigefinger und Daumen von Aral Graafstra, dessen Unternehmen „Dangerous Things“ solche NFC-Produkte vertreibt. Bild: Aral Graafstra

Elektronische Implantate im Körper: Biohacker lassen sich Sensoren einsetzen. Sie wollen experimentieren, Daten wie Blutzucker und Herzfrequenz erfassen. Noch hat die Technik etliche Grenzen.

          Mit kybernetischen Gliedmaßen sind sie stark: Robocop und Darth Vader aus der Welt des Films werden als Erstes genannt, wenn von Cyborgs die Rede ist. Cyborgs sind Menschen, deren Körper durch künstliche Bauteile ergänzt wurden. Man verwechsle sie nicht mit Androiden. Das sind Roboter, die einem Menschen nur täuschend ähnlich sehen und menschenähnlich handeln. Cyborgs sind jedoch nicht länger ein Zukunftsthema, sondern näher, als man denkt.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Technik unter der Haut erweitert den Menschen. Herzschrittmacher helfen dem Herzmuskel bei der Kontraktion. Cochlea-Implantate stellen die Hörfähigkeit wieder her, wenn die Hörschnecke im Innnenohr, lateinisch Cochlea, beschädigt ist. Cochlea-Träger können ihr Implantat abschalten und auf diese Weise für Ruhe sorgen. Oder sie schicken sich ein Audiosignal direkt ins Implantat, das Smartphone übernimmt die Regie. Diabetiker tragen Sensoren zur Messung des Zuckerspiegels in der Unterhaut.

          Technikerweiterungen des Körpers, die mit dem Handy gesteuert werden, sind der nächste Schritt einer längeren Entwicklung: Nachdem Sportarmbänder und Wearables viele Körperdaten wie Herzfrequenz, zurückgelegte Schritte und anderes erfassen, wandern jetzt die Sensoren direkt in den Körper, man spricht von Biohacking.

          Eines der spektakulärsten Implantate ließ sich Tim Cannon vor einigen Jahren in den Arm einsetzen. Der amerikanische Hacker ist ein Mitgründer von Grindhouse Wetware, einem Zusammenschluss von Bio-Programmierern, die von der Verschmelzung von Mensch und Technik sprechen. Das Circadia genannte Bio-Sensorimplantat hatte die Größe einer Kreditkarte, war einige Millimeter dick und mit Silikon verkapselt. Es wurde in den Arm von Cannon eingesetzt. Unter der Haut maß das Gerät die Körpertemperatur und andere Daten, diese wurden gesammelt und mit einer Bluetooth-Verbindung abgerufen. Mit drei grünen LEDs konnte das Implantat Signale durch die Haut weitergeben. Der Akku wurde induktiv geladen, wie ein Smartphone.

          Es gab Probleme mit dem Akku

          Das Experiment wurde nach einigen Monaten beendet, es gab Probleme mit dem Akku, und Cannon hatte Angst, dass dessen Chemikalien in den Körper austreten könnten. Doch nun wird ein Circadia 2.0 entwickelt: Das neue Gadget soll etliche Biometriedaten erfassen, darunter Herzfrequenz, Blutdruck, Blutzucker und anderes. Es soll kleiner und sicherer sein, sich als Stressmesser eignen und einen Hinweis geben, wenn der Träger dringend Erholungszeit benötigt.

          Deutlich weiter geht die Idee, dass Implantate den Menschen quasi mit neuen Sinnen ausstatten. Der Hersteller Cyborg Nest will nicht Wahrnehmbares erfahrbar machen. Ein erstes Tool ist North Sense, das vibriert, sobald man in Richtung des magnetischen Nordpols zeigt. Der Gewinn wird von Unternehmensgründer Liviu Babitz ein wenig mystisch formuliert, dass sich das Gehirn daran gewöhne, das Magnetfeld der Erde bewusst wahrzunehmen. North Sense lässt sich mit einer App verknüpfen, sie erlaubt das Einstellen der Vibrationsstärke und -dauer. Derzeit ist das Gerät ausverkauft, es kostete zuletzt 425 Dollar.

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