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Biohacking : Diese Technik geht unter die Haut

Wer sich ungeachtet der beschränkten Funktionalität ein Implantat einsetzen lassen will, erhält dieses im Internet mitsamt Injektionsvorrichtung zu Preisen zwischen 60 und 100 Euro. Das Einsetzen des Implantats wird kein Arzt übernehmen, man muss also einen Piercer bemühen, der die Glaskapsel mit einer Kanüle einbringt. Auf eine medizinische Betäubung der Einstichstelle muss man ebenfalls verzichten. Mit dem Implantat im Körper kann man nicht geortet werden, wie viele Menschen und insbesondere Haustierbesitzer glauben. Es gibt keine GPS-Funktion und keine Batterie, weil der Chip passiv arbeitet und induktiv nur für die Dauer einer Datenübertragung aktiviert wird. Auf dem Chip befinden sich nach dem Einsetzen auch keine Daten. Je nach Modell hat man einen kleinen Speicher von wenigen Byte oder Kilobyte, der selbst beschrieben werden kann.

Was kann man damit machen? Das Öffnen von Autotüren oder das Bezahlen im Supermarkt funktioniert nicht. Wenn der Arbeitgeber es zulässt, kann man vielleicht sein Implantat für das Schließsystem im Büro nutzen. Wer daheim ein elektronisches NFC-Türschloss mit dem Implantat steuern will, prüfe vorab die Kompatibilität. Weitere Anwendungen bestehen zum Beispiel darin, im beschreibbaren Speicherbereich des Chips seine elektronische Visitenkarte abzulegen. Will man sie jemanden übergeben, reicht das Handauflegen auf sein Smartphone. Ebenso einfach kann man zum Beispiel ein W-Lan-Kennwort an Dritte überreichen.

Man beachte allerdings, dass die meisten dieser Spielereien nur mit einem Android-Smartphone funktionieren. In der Google-Welt stehen Dutzende von Apps zur Verfügung, mit denen man unzählige NFC-Experimente starten kann, auch mit externen NFC-Chips, die nicht implantiert werden. Man kann mit NFC bestimmte Trigger auslösen, zum Beispiel W-Lan oder Bluetooth einschalten oder beim Nachhausekommen die Feierabendbeleuchtung mitsamt Lieblingsmusik aktivieren.

Derzeit hält sich also der Nutzwert Smartphone-gesteuerter Implantate in engen Grenzen. Von einer sinnvollen Erweiterung des Körpers sollte man noch nicht sprechen, und erst recht sind die „Maschinengötter“ der Science-Fiction-Literatur weit entfernt. Diese wollen ihren Körper optimieren, Schnittstellen zwischen Gehirn und Computer bauen und auf diese Weise unsterblich werden. Erst medizinische Anwendungen dürften den Durchbruch der Cyborg-Idee bringen. Google und Novartis arbeiten an Kontaktlinsen zur Blutzuckerspiegel-Messung. Gehirnimplantate warnen Epilepsie-Patienten rechtzeitig vor einem Anfall. Auch bei der Erkennung von Krankheiten sind die Möglichkeiten künftiger Technik kaum absehbar. Der amerikanische Autor Raymond Kurzweil, der seit 2012 in den Diensten von Google steht, prognostiziert gar Nano-Roboter in der Blutbahn, programmierbare Gene gegen Krankheiten und Software-Kopien für das menschliche Gehirn. Manchem reicht es bereits, dass der Mensch immer stärker mit seinem Smartphone verwachsen ist. Technik in den Körper zu implantieren könnte dann schon wieder anachronistisch sein.

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