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Biohacking : Diese Technik geht unter die Haut

Ähnlich arbeiten Magnet-Implantate. Sie sitzen meist in einem Finger und reagieren auf magnetische Felder. Man kann damit Magnetfelder wahrnehmen, und angeblich stellt sich nach einigen Wochen des Tragens der Effekt ein, dass die Vibration im Finger wie ein sechster Sinn arbeitet. Auch die Ausrichtung des Magnetfelds lässt sich fühlen. Die Implantate mit Neodym-Eisen-Borg-Legierung sind in der Regel nur zwei Millimeter dick und enthalten eine Schutzschicht aus Silikon oder Titan-Nitrit, so dass sie nicht mit dem Körper verwachsen. Vor einer MRT-Untersuchung müssen sie entfernt werden, weil Magnete überaus heftig auf die elektromagnetischen Felder reagieren, die im Tomographen entstehen.

Die Größe eines Reiskorns

Diese Probleme hat man mit den wohl gebräuchlichsten Implantaten nicht: RFID und NFC-Etiketten, die in einer reiskorngroßen Glaskapsel unter die obersten Hautschichten verpflanzt werden. Die ältere RFID-Technik („Radio Frequency Identification“) ist ein Sender-Empfänger-System zur automatischen und berührungslosen Datenübertragung. Ein Transponder befindet sich am oder im Gegenstand oder Lebewesen und kann die Größe eines Reiskorns haben oder flach ausgedruckt sein, wie etwa im Personalausweis. Das Lesegerät erzeugt ein magnetisches Wechselfeld mit geringer Reichweite und übernimmt damit die Energieversorgung des Transponders. RFID wird zur Kennzeichnung von Nutzvieh und Haustieren verwendet, im Straßenverkehr für Mautsysteme, für Zutrittskontrollen, Tankkarten und vieles mehr.

NFC („Near Field Communication“) steht für Nahfeldkommunikation, für den kontaktlosen Austausch von Daten mit elektromagnetischer Induktion über kurze Strecken. Die Technik kommt zum Einsatz im bargeldlosen Zahlungsverkehr, bei Eintritts- und Fahrkarten, zur Entriegelung von Autotüren und zur Koppelung von Geräten, etwa Lautsprechern oder Kopfhörern. Bis 2020 sollen alle Kassenterminals in Europa NFC unterstützen. NFC ist ein Sonderfall von RFID und funktioniert ebenfalls mit einem magnetischen Wechselfeld, das den Kontakt zu einem passiven Transponder aufnimmt. Nur hat NFC neben der Aktiv-Passiv-Kommunikation einen sehr sicheren zweiten Aktiv-Aktiv-Modus, etwa für das Bezahlen mit dem Smartphone an der Supermarkt-Kasse.

NFC arbeitet immer auf einer Frequenz von 13,56 Megahertz, und die Reichweite liegt bei weniger als zehn Zentimeter. RFID funkt auf verschiedenen Frequenzbereichen im UHF- und Mikrowellenbereich. Die Reichweite beträgt bis zu sechs Meter. Selbst bei der Identifizierung von Tieren gibt es unterschiedliche Frequenzbereiche: Den Chip eines Zootiers kann man nicht mit dem Lesegerät für Haustiere erfassen.

Die kontaktlosen Bankkarten sind noch stärker abgesichert

Einfache Implantate wie die für Tiere enthalten keinen beschreibbaren Speicher, sondern nur eine unveränderbare Identifikationsnummer. Jenseits unterschiedlicher Frequenzen gibt es zudem diverse Chipsätze, die nicht miteinander kompatibel sind. Von der Idee, dass man mit einem einzigen Implantat und der passenden Programmierung die Schlüssel für Auto, Büro und Fitnessstudio ersetzt sowie die Kantinenkarte zur Bezahlung des Mittagessens, verabschiede man sich sofort. Die kontaktlosen Bankkarten sind noch stärker abgesichert, sie nutzen asymmetrische Verschlüsselung sowie Tokens und lassen sich definitiv nicht auf einen Chip für den menschlichen Körper kopieren.

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