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Bildbearbeitung Lightroom 6 : Hinter der Dunkelkammer wartet die Cloud

Bildbearbeitungssoftware Lightroom 6 Bild: Hersteller

Wer viel und gern mit Fotos und Raw-Dateien arbeitet, wird dem neuen Lightroom 6 die Treue halten. Gewohnte Arbeitsabläufe bleiben gewahrt und ältere Voreinstellungen lassen sich übernehmen.

          2 Min.

          Alles geht in die Cloud, auch beim amerikanischen Softwarehersteller Adobe. Seine Creative Cloud mitsamt Abo-Modell für den Photoshop, Illustrator und andere Standardprogramme ist für professionelle Nutzer geradezu Pflicht. Seit 2013 sind die Grafiktools nicht mehr als Einzelpaket für eine Einmalzahlung erhältlich. Man muss sie vielmehr mieten. Das sorgte anfangs für Empörung. Mittlerweile hat Adobe jedoch fünf Millionen Abonnenten, die sich mit dem Geschäftsmodell angefreundet haben und zwischen 12 und 60 Euro im Monat für die Web-Software bezahlen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Beliebt ist die Creative Cloud jedoch nicht geworden. Neben den grundsätzlichen Bedenken, eine Software nur leihweise verwenden zu dürfen, gibt es viele Einwände zur Ausgestaltung der im Hintergrund laufenden Cloud-Dienste. Der Nutzer verliere seine Rechte, heißt es, Adobe gewinne an Kontrolle über den oder die Rechner, mitsamt Adobe ID und Zwangsregistrierung. Abwandern zur Konkurrenz geht nicht, ernsthafte Mitbewerber gibt es nicht mehr. Nun rückt auch der Lightroom in die Cloud, jenes Fotoprogramm, das früher primär zur Verarbeitung der Aufnahmen im Rohdatenformat gedacht war und mittlerweile auch als Bildbibliothek für die Verschlagwortung und Organisation umfangreicher Bestände gern verwendet wird.

          Lightroom 5 kam vor zwei Jahren, nun ist ein großes Update angesagt. Als Lightroom CC gibt es die Cloud-Variante. Nur sie erhält kontinuierlich neue Funktionen. Aber ein letztes Lightroom 6 kann man sich als gewohnte Kaufversion sichern, man verzichtet dann auf die Cloud-Dienste und die Anbindung an Lightroom Mobile für iOS und Android.

          Wir haben dieses Lightroom 6 (für einmalig rund 120 Euro) ausprobiert; die Software läuft unter Windows oder auf dem Mac. Die Cloud-Anbindung wird einem bei der Installation aufgedrängt, und nun lässt sich das bereits erworbene Produkt nicht ohne Zwangsregistrierung mitsamt Adobe ID nutzen. Die wichtigsten Unterschiede zwischen der letzten 5er-Version und der neuen sind schnell auf den Punkt gebracht. An erster Stelle die Gesichtserkennung mit einer Schaltfläche unter dem Vorschaufenster. Lightroom erkennt und gruppiert automatisch Gesichter, der Anwender muss sie nur noch benennen. Das alles funktioniert sehr ordentlich, ist aber im Vergleich mit anderer Software nichts Neues.

          Die gewohnten Strukturen und Arbeitsabläufe im Umgang mit dem Programm bleiben gleich

          Auch Photomerge kennt man bereits aus den hauseigenen Produkten Photoshop Elements und Photoshop. Hier wird nun vom „Zusammenfügen von Fotos“ gesprochen, und damit lassen sich Panoramen und HDR-Bilder montieren. Für HDR benötigt man Belichtungsreihen, für Panoramen überlappende Fotos. Das Resultat ist dankenswerterweise stets eine Rohdatendatei, die sich also noch einmal weiterbearbeiten lässt. So ist Lightroom flexibler als die beiden Photoshop-Varianten.

          Die gewohnten Strukturen und Arbeitsabläufe im Umgang mit dem Programm bleiben gleich. Wie gehabt importiert man seine Aufnahmen und bearbeitet dann in verschiedenen Schritten. Die alten Stärken des Lightroom sind auch seine wichtigsten neuen. Man fotografiere im Raw-Format, schärfe in Lightroom moderat nach und arbeite vorsichtig mit leichten Tonwertkorrekturen sowie den Funktionen Klarheit und Dynamik.

          Selbst Fotosammlungen mit mehr als 100.000 Aufnahmen

          Das Ergebnis ist in der Regel so überzeugend, dass man ungeachtet allen Aufwands und Ärgers zum Lightroom-Fan wird. Nach wie vor kann man flink seine Ergebnisse in verschiedenen Formaten ausgeben, und man kann ganz unterschiedliche Online-Dienste auf Knopfdruck bedienen. Filter, Voreinstellungen und die beliebten Presets lassen sich mühelos von älteren Versionen übernehmen.

          Den Profi freut es, dass selbst die üppigsten Fotosammlungen mit mehr als 100.000 Aufnahmen zuverlässig verwaltet werden. Ob die Neuerungen den Versionssprung rechtfertigen, sei einmal dahingestellt. Wer viel und gern mit Fotos und Raw-Dateien arbeitet, wird jedoch zweifellos dem Lightroom die Treue halten.

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