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Besser Hören beim Fernsehen : Volles Verständnis

  • -Aktualisiert am

Klarer Hören: Zusätzlicher TV- Lautsprecher Oskar von Faller Bild: Hersteller

Vor allem alte Menschen haben sehr oft Schwierigkeiten mit dem Verstehen des Fernsehtons. Ein kleines Gerät, Oskar genannt, soll Abhilfe schaffen.

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          Wenn sich Opa mal wieder beschwert, weil der „Tatort“-Kommissar angeblich notorisch nuschelt, ist vielleicht wirklich ein schlampiger Tonmix daran schuld. Das kommt ja gelegentlich durchaus vor, aber wahrscheinlich hört Opa schlicht nicht mehr so gut, und dagegen kann man etwas tun, sagt Marcell Faller, Chef der Audiomanufaktur Sonoro.

          Fallers Team hat einen Apparat entwickelt, der auf den Namen Oskar hört und den Ton individuell serviert, dem Zuschauer quasi direkt vor die Nase. Gleichzeitig darf der Ton, der aus dem Fernseher kommt, in Zimmerlautstärke weiterlaufen. Jung und Alt können sich somit in friedlicher Koexistenz die Plätze auf dem Sofa teilen, und alle verstehen gut, was auf der Mattscheibe läuft. Das ist jedenfalls die Idee. Funktioniert sie auch in der Praxis?

          Lautstärke nach persönlichem Bedarf

          Oskar kostet 250 Euro und sieht aus wie ein kleines Küchenradio. Funktioniert alles, wie es soll, kann sich Opa den Oskar greifen, an seinem Lieblingsplatz auf den Schoß legen und so dem Fernsehton aus nächster Nähe lauschen – in einer Lautstärke nach persönlichem Bedarf. Die Direktbeschallung ist aber nicht das einzige Mittel zur besseren Verständlichkeit: Drei Filter, wählbar über eine Taste an der Stirnseite des Geräts, modellieren die Klangbalance so, dass sich die Sprache deutlicher von Umgebungsgeräuschen abhebt. Technisch gesehen, werden die für Sprache typischen Frequenzen im Präsenzbereich und in den Höhen in unterschiedlichem Maß angehoben.

          Ladeschale ist zugleich eine Funkstation

          Und wie kommt der Ton vom Bildschirm zum Schoßlautsprecher? Dafür sorgt eine kleine Schale, in der Oskar auch parken kann, um seinen eingebauten Akku aufzuladen. Bis zu 16 Stunden soll der Stromspeicher durchhalten, sagt der Hersteller. Die Ladeschale ist zugleich eine Funkstation. Sie bezieht den TV-Ton über eine Kabelverbindung – entweder analog über eine Klinkenbuchse oder digital über eine optische Schnittstelle. Passende Kabel gehören zum Lieferumfang. Ein in die Schale eingebauter Sender überträgt den Ton dann drahtlos an den ambulanten Lautsprecher.

          Wir haben die Oskar-Peripherie sachgerecht mit dem Fernseher vernetzt, über ein mitgeliefertes Steckernetzteil mit Strom versorgt und den Lautsprecher zum Probehören zur Brust genommen. Die drei Filter tun, was sie sollen, das gesprochene Wort wird, je nach Filterwahl, deutlich hervorgehoben, alle anderen Töne geraten stärker in den Hintergrund. Oskar hat also nicht den Ehrgeiz, die Klangbalance nach HiFi-Idealen zu wahren. Durchläuft Musik die Filterstufen, klingt sie für jüngere Ohren folglich ein bisschen grell, aber das liegt in der Natur der Sache.

          Zusammenspiel von Bildschirm und Schoßlautsprecher

          Und wie steht es mit der tönenden Koexistenz auf dem Fernsehsofa? Sie erfordert ein wenig akustisches Fingerspitzengefühl. Denn unsere Hörversuche haben gezeigt: Zwischen dem direkt vom Fernseher abgestrahlten Schall und dem Ton aus dem Oskar gibt es einen winzigen Zeitversatz, in Millisekunden ausgedrückt, sicher kaum der Rede wert, aber doch wahrnehmbar. Das zweistimmige Zusammenspiel von Bildschirm und Schoßlautsprecher klang in unseren Versuchen deshalb ein bisschen hallig. Das Phänomen lässt sich aber ganz gut kompensieren, indem man die Lautstärken beider Geräte geschickt aufeinander abstimmt. Und wenn der zweistimmige Betrieb trotz allem nicht so recht harmonisch klingen will, kann Oskar einfach einen Kopfhörer speisen: Eine kleine Klinkenbuchse hält sich für den Anschluss bereit. Der eingebaute Lautsprecher hat dann Pause.

          Nur: Mit einem Hörer auf den Ohren ist Opa nicht mehr empfänglich für kommentierende Kommunikation mit seinen Nachbarn auf dem Familiensofa. Und überhaupt: Könnte er sich dann nicht gleich einen Bluetooth-Kopfhörer aufsetzen, sofern der Fernseher diese Art des Kurzstreckenfunks unterstützt? Das könnte er natürlich, aber dann müsste er auf Oskars Filterfunktionen verzichten, und die sind zum besseren Sprachverständnis wirklich sehr hilfreich.

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