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Bedeutung der „Retweets“ : Auf Twitter entsteht eine kollektive Intelligenz

  • -Aktualisiert am

In „Retweet-Bäumen” lässt sich zeigen, wie weit und wie tief sich Informationen auf Twitter verbreiten. Es gibt einige Zentren der Informationsverbreitung, aber auch viele Verbreitungsansätze, die nach einem oder zwei Weiterleitungen einer Kurznachricht (Retweet) enden. Der abgebildete Baum zeigt die Informationszentren nch dem Absturz des Air-France-Flugzeugs im Südatlantik im vergangenen Jahr. Bild: Kaist

Eine wissenschaftliche Studie kommt zum Ergebnis: Twitter ist eher ein Medium zur Verbreitung von Nachrichten als ein soziales Netzwerk. In dem Kurznachrichtendienst entsteht Einfluss durch die Zahl der „Retweets“, nicht durch die der Follower.

          Twitter ist eher ein Medium zur Verbreitung von Nachrichten als ein soziales Netzwerk. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Studie am koreanischen Forschungszentrum Kaist. Jeder Nutzer entscheide individuell, ob eine Information wichtig oder relevant sei, und leite sie daher per Retweet weiter. Ein Retweet ist das Weiterleiten einer 140-Zeichen-Kurznachricht an die eigenen Follower. Zusammengefasst determinieren diese individuellen Retweet-Entscheidungen die Bedeutung der ursprünglichen Information. „Wir beobachten gerade das Entstehen einer kollektiven Intelligenz“, folgern die Informatiker Haewoon Kwak, Changhyun Lee, Hosung Park und Sue Moon, die über mehrere Monate alle Kurznachrichten auf Twitter und das Verhältnis der Twitterer untereinander untersucht haben. „Unsere Resultate bestätigen die Rolle von Twitter als Medium für Nachrichten“, lautet ihr Fazit. Da sich nur 22 Prozent der Twitterer gegenseitig folgen, könne nicht von einem sozialen Netzwerk gesprochen werden.

          Der Einfluss eines Twitter-Nutzers hat nach dieser Untersuchung nur wenig mit der Zahl seiner Follower zu tun. Wird als Kriterium des Einflusses eines Twitterers die Zahl der Retweets seiner 140-Zeichen-Botschaften herangezogen, dann liegen nicht mehr Prominente wie Ashton Kutcher, Barack Obama oder Britney Spears vorn, sondern eher Nachrichtenmedien wie CNN und die „New York Times“ oder bekannte Blogs wie Mashable oder Techcrunch. Unter den Top 20 befinden sich dann Mashable, „Breaking News“, Tweetmeme, CNNBrk, Techcrunch, die „New York Times“ und die „Huffington Post“. Auffällig: Die Rangliste nach Retweets zeigt viele „alternative“ Medien auf den vorderen Plätzen. Nur wenige klassische Medien wie CNN und die „New York Times“ schaffen es bei diesem Kriterium in die Spitzengruppe.

          Die Wissenschaftler haben die 4262 Trending Topics, die Twitter als wesentliche Themen identifiziert, nach der Zahl der Retweets sortiert. Ergebnis: Mit Ausnahme von zwei Themen waren unter den Top-20-Themen nur Nachrichten, die sich zum Zeitpunkt der Untersuchung vorwiegend um Iran, aber auch um die amerikanische Politik drehten. Von den untersuchten 41 Millionen Twitterern waren 8,3 Millionen an den Trending Topics beteiligt, haben also die Information entweder selbst getwittert oder weitergeleitet. Davon waren wiederum 15 Prozent an mehr als zehn Trending Topics beteiligt. Das sind dann die Nachrichtenmultiplikatoren, die eine wichtige Rolle für die Nachrichtenverbreitung auf Twitter einnehmen.

          Die Analyse der Zeitdifferenz zwischen Tweet und Retweet zeigte, dass 35 Prozent der Retweets innerhalb der ersten zehn Minuten erfolgen. Die Hälfte aller Retweets gibte es innerhalb der ersten Stunde nach dem Ursprungstweet, und 75 Prozent der Retweets geschehen innerhalb eines Tages und immerhin zehn Prozent noch einen Monat später.

          In einer zweiten Untersuchung haben vier Wissenschaftler untersucht, wie sich Einfluss auf Twitter messen lässt. Haben Nutzer wie Ashton Kutcher mit seinen knapp fünf Millionen Followern Einfluss oder die „New York Times“, Mashable und Guy Kawasaki, deren Tweets am häufigsten retweetet werden, also von anderen Menschen somit als lesenswert eingestuft wurden? Gerade für das Marketing ist es wichtig, solche „Influencer“ zu identifizieren - und zwar für jedes einzelne Thema, denn niemand hat in allen Themen gleich großen Einfluss. Gesucht werden somit „coole“ Teenager ebenso wie lokale Meinungsführer oder weithin bekannte Persönlichkeiten. Twitter bietet mit seinem Follower-Prinzip die Möglichkeit, solche einflussreichen Menschen zu identifizieren. „Measuring User Influence in Twitter: The Million Follower Fallacy“ lautet der Titel der Studie von Meeyoung Cha, Hamed Haddadi, Fabrício Benevenuto und Krishna Gummadi, für die sie 1,7 Milliarden Tweets analysiert haben.

          Zahl der Retweets zeigt den Wert der Inhalte eines Nutzers

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