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Bandbreite in Deutschland : Aufbruch in die Gigabit-Gesellschaft

Bild: F.A.Z.

Im Wettbewerb um Bandbreiten und Kunden holt das Fernsehkabel gewaltig auf. Die DSL-Konkurrenz wehrt sich und beschleunigt den Glasfaserausbau. Doch noch lassen Lösungen für ein Zusammenspiel der Netze auf sich warten.

          Es klang fast so, als wollte Matthias Kurth den neuen Aktionären von Kabel Deutschland (KDG) ihr Investment noch nachträglich schmackhaft machen. „Die Kabelgesellschaften haben Qualität zu bieten und ein großes Aufholpotential. Mit ihren Leistungen sind sie auf dem Breitbandmarkt durchaus führend“, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, als er vor wenigen Tagen den Jahresbericht seiner Behörde vorstellte. Bandbreiten von bis zu 120 Megabit in der Sekunde haben bei vergleichbaren Preisen eben nur wenige Telekommunikationsanbieter im Programm. Doch immer höhere Geschwindigkeiten sind gefragt. Datenfresser wie Youtube bringen den Anschluss sonst schnell an seine Grenzen.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Deshalb rückt auf dem deutschen Breitbandmarkt das Kabel mit großen Schritten vor. Schon jeder dritte Breitbandneukunde entscheidet sich zurzeit für einen Internetzugang via Fernsehkabel, und nicht nur die KDG-Aktionäre setzen auf weiterhin zügiges Wachstum. Die Aufrüstung des Kabelnetzes ist fast abgeschlossen. Ende 2009 bot es nach Angaben der Netzagentur theoretisch 24 Millionen Haushalten in Deutschland einen schnellen Internetzugang mit mehr als 100 Mbit. Tatsächlich unter Vertrag haben die Kabelgesellschaften bisher 2,3 Millionen Breitbandkunden, etwas mehr als ein Zehntel der insgesamt geschalteten Anschlüsse. Das von Kurth beschriebene Potential macht das Breitbandkabel zu einem wichtigen Instrument für die politische Vorgabe, bis Ende 2014 drei Viertel aller Haushalte mit mindestens 50 Mbit zu versorgen. Während die Telekom-Branche dafür noch Milliarden in den Glasfaserausbau investieren muss, könne das Breitbandkabel dieses Ziel „zu 80 Prozent im Alleingang“ erreichen, betont der Verband der Kabelnetzbetreiber ANGA.

          Knapp zwei Drittel verfügen mittlerweile über einen schnellen Internetzugang

          Für die Konkurrenten aus der Telekommunikationsbranche ist die Entwicklung umso bedrohlicher, als sich allmählich eine Marktsättigung abzeichnet. Knapp zwei Drittel der deutschen Haushalte verfügen mittlerweile über einen schnellen Internetzugang. 2008 hatten die Deutsche Telekom und ihre Wettbewerbsunternehmen noch 2,4 Millionen neue DSL-Anschlüsse schalten können, im vorigen Jahr waren es nur noch 1,5 Millionen. Der Kampf um die Kunden wird härter. Wenn in zwei, drei Jahren die Neukunden weitgehend ausbleiben, wird eigenes Wachstum nur noch auf Kosten anderer Unternehmen möglich sein. Höhere Geschwindigkeiten werden zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal bei der kommenden Umverteilung von Marktanteilen.

          Während viele ländliche Gemeinden noch für eine Mindestversorgung kämpfen und drei Viertel aller Breitbandkunden sich noch mit Geschwindigkeiten von weniger als zehn Mbit in der Sekunde begnügen, ruft der Marktführer Deutsche Telekom schon die „Gigabit-Gesellschaft“ aus. Ende 2010 soll ein erster Pilotversuch mit einem neuen Netz für Dresden anlaufen.

          Das klingt nach Zukunftsmusik. Doch der Konzern rüstet sich für den rapide wachsenden Datenverkehr im globalen Internet. Nach Schätzungen des amerikanischen Netzwerkausrüsters Cisco ist im Festnetz binnen weniger Jahre eine Verfünffachung zu erwarten, im Mobilfunk soll das Datenaufkommen sogar um den Faktor 60 steigen. Es ist eine Entwicklung, die die Welt der Kupferleitungen endgültig überfordert.

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