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Audio-Messe High End : Zwischen Hightech und Nostalgie

  • -Aktualisiert am

Digitalmusiker: Der Server SDV 3100 HV von T+A versteht Signale mit 768 Kilohertz und 32 Bit. Bild: Hersteller

Die Fachmesse High End in München spricht sowohl die Anhänger des digitalen Extremismus an als auch die Bewunderer analoger Feinkunstwerke. Ein paar Beispiele.

          Für seine alljährliche Neuheiten-Schau hat er sich natürlich den schönsten Monat des Jahres ausgesucht – der internationale Hochadel der HiFi-Branche: Vom 9. bis zum 12. Mai versammelt die Fachmesse High End im Münchener Messezentrum alles, was in der Wohlklangindustrie Rang und Namen hat. Der Marktplatz der audiophilen Eitelkeiten adressiert nicht nur Ohren und Augen, er ist auch ein wichtiges Trendbarometer für die Musikwiedergabe von morgen.

          Wirklich? Ein flüchtiger Blick auf die Highend-Neuheiten scheint eher Traditionspflege als Innovationsschübe zu offenbaren. Doch der Schein trügt. Manche der feinen neuen Gerätschaften sehen aus wie ihre Urahnen vor drei Dekaden. Doch selbst diese Apparate zeigen auf den zweiten Blick eine Menge Indizien für subtile Fortentwicklung. Thorens etwa ist in diesem Jahr mit seinem neuen Plattenspieler TD 1601 dabei. Er hat den legendären TD 160 mit seiner Holzzarge, seinem gedämpften Subchassis und dem zweigeteilten Plattenteller zum Vorbild, bereichert das Konzept aber mit anspruchsvollen Details wie den symmetrischen Ausgangsbuchsen für störungsfreie Signalverbindungen der professionellen Art.

          Und Technics, die klassische Japan-Marke, die für lange Zeit schon ganz verschwunden war, bringt mit dem neuen Modell SL1500 einen Plattenspieler nach München, der in vielen Details so aussieht wie die klassischen Vorbilder. Doch mit seinem für absolut ruckfreien Betrieb konstruierten Direktantrieb setzt er einen ebenso neuen Akzent wie mit dem eingebauten Phono-Vorverstärker, der den Anschluss an jeden modernen Verstärker erlaubt – also auch an Modelle, die keinen speziellen Phono-Eingang mehr haben.

          Der Plattenspieler-Großkonfektionär Pro-Ject geht noch einen Schritt weiter und bietet Geräte mit eingebauten Digital-Analog-Wandlern an, die den Ton in Bit-Form über einen USB-Anschluss ausgeben können. Das taugt zum Anschluss an einen Computer, der den Vinyl-Sound somit auf seiner Festplatte speichern kann. Andere Pro-Ject-Modelle funken den digitalisierten Ton sogar via Bluetooth an eine drahtlose Geräteperipherie.

          Nach bewährten Vorbildern: Thorens knüpft mit seinem neuen Modell TD 1601 sichtbar an die große Vinyl-Tradition des Hauses an. Bilderstrecke

          Auch Röhrenverstärker, unverkennbar die Dinosaurier in der HiFi-Welt, kommen nicht mehr so ohne weiteres mit den Technik-Rezepten aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts aus. Octave, einer der renommiertesten Röhrenspezialisten aus deutschen Landen, hat für seine neuen Mono-Blöcke Jubilee 300 B eine raffinierte Schaltung für die Röhrenheizungen entwickelt, die Brummen und andere Störungen in sicherem Abstand halten soll. Die pittoresken Kraftwerke beschäftigen jeweils drei Trioden des Typs 300 B im Klasse-A-Betrieb und schaffen so für Verstärker dieser Bauart relativ hohe Leistungen von 30 Watt.

          Lautsprecher, immer noch gern mit dem Synonym „Boxen“ tituliert, sind längst viel mehr als eckige Kästen mit den immer gleichen Schalltrichtern. Die Frage nach dem idealen Membranmaterial zum Beispiel beschäftigt ganze Forschungszweige. Bowers & Wilkins, die große britische HiFi-Marke, mischte zum Beispiel schon vor 13 Jahren die HiFi-Szene mit Hochtonkalotten aus purem Diamant auf. Bis heute musizieren Diamant-Hochtöner nicht nur in den Highend-Lautsprecherserien des Hauses, sondern auch in vielen anderen Highend-Fabrikaten. Etliche Hersteller schwören auf Material, das nicht ganz so edel ist, aber ebenfalls bestechende Eigenschaften hat: Hauchzarte Keramik-Membranen zum Beispiel kombinieren Härte, Verwindungsresistenz und Leichtigkeit auf bestechende Weise. Der Zulieferer Accuton gilt derzeit als wichtigster Spezialist für diesen Werkstoff: Er baut Hoch- und Tiefmitteltöner mit Keramikmembranen und beschleunigt sie mit bärenstarken Magnetantrieben. Hersteller wie die Lyravox aus Hamburg und Gauder Akustik aus Stuttgart schwören auf diese Komponenten.

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