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Asus Zenbook 3 im Test : Gut kopiert ist nicht perfekt

Das Zenbook 3 von Asus orientiert sich so eng am 2015 vorgestellten 12-Zoll-Macbook. Bild: Hersteller

So klein, so flach, so schick: Asus schickt das Zenbook 3 mit Windows ins Rennen. Seine Ähnlichkeit zu einem Apple Macbook ist verblüffend.

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          Dem Vorbild wie aus dem Gesicht geschnitten: Das Zenbook 3 von Asus orientiert sich so eng am 2015 vorgestellten 12-Zoll-Macbook, dass man es als Windows-Pendant des Apple-Notebook bezeichnen könnte. Beide sind kompakte, flache, leichte Rechner für den Geschäftsreisenden, der mit wenig Ballast unterwegs ist und die geringen Maße des elektronischen Begleiters höher schätzt als seine Rechenleistung. Beide haben nur eine einzige Schnittstelle, nämlich den Universalanschluss USB C, der mit Hub und Adaptern nahezu unendlich viele Erweiterungsmöglichkeiten bietet. Beide sind von der Grundfläche her kleiner als ein DIN-A4-Blatt, das Asus ist etwas breiter (29,6 × 19,2 × 1,2 Zentimeter) und zehn Gramm leichter als das Apple, es bringt es auf 910 Gramm.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wer schön sein will, muss leiden: Die flachen Notebooks haben eine Tastatur mit geringem Hub. Schnellschreiber gehen einen Kompromiss ein, mit dem Zenbook kommt nachteilig noch hinzu, dass die Tasten nicht in Schwarz, sondern in der Gehäusefarbe gehalten sind. Der fehlende Kontrast ist das Problem. Der Macbook-Rivale aus Taiwan ist in Blau, Grau oder Roségold erhältlich, das Gehäuse besteht aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung, die Fingerfett gern annimmt. In Deutschland ist das Gerät in zwei Varianten erhältlich: Mit Core-i5-Prozessor für 1500 Euro und dem von uns erprobten Core-i7 7500U aus der neuen Kaby-Lake-Generation für 1600 Euro.

          Maße von 29,6 × 19,2 × 1,2 Zentimeter

          Identisch ist die übrige Ausstattung: Acht Gigabyte Arbeitsspeicher, 512 Gigabyte SSD, Windows 10 in der Home-Variante und ein Bildschirm, der zwar 12,5 Zoll in der Diagonale zeigt, aber nur mit 1920 × 1080 Pixel auflöst. Er ist nicht berührungsempfindlich, spiegelt stark und lässt sich, wie das des Macbook, nicht komplett nach hinten kippen. Das Glas sei Gorilla Glas 4, sagt Asus, der Kontrast liegt bei 1000:1. Wir fanden die Anzeige nicht überzeugend, wenngleich mit 300 bis 340 Candela je Quadratmeter hinreichend hell.

          Winzige Lüfter kommen zum Einsatz

          Das dünne Gerät und der leistungsfähige Prozessor führen zu einem weiteren Kompromiss. Um die Abwärme des Core-i7 durch die Lüftungsschlitze zwischen Display und Gehäuse zu drücken, kommen winzige Lüfter zum Einsatz, die kontinuierlich arbeiten und gut vernehmbar sind. Auch im Leerlauf ist das Gerätchen hörbar, unter Last sogar laut. Die Erwärmung des Zenbook hält sich zum Glück in Grenzen. Der deutlich schwächere Prozessor im Macbook kommt mit passiver Kühlung aus, dafür ist der Asiate erheblich flotter unterwegs, und das hohe Tempo schmälert den Akkubetrieb nicht. Zwischen acht und zehn Stunden sind zu erreichen. Der fest eingebaute Kraftspender mit 40 Wattstunden verzehrt rund 20 Watt bei Volllast sowie zwischen vier und sieben Watt beim Nichtstun.

          Benchmarks zeigen, dass die SSD beim Lesen und Schreiben gemütlich zur Sache geht, Ursache ist die Mini-Sata-Technik, die alsbald durch eine PCIe-SSD mit mehr Geschwindigkeit ersetzt werden soll. Gebremst wird der schicke Winzrechner nicht zuletzt durch die aufgespielte Crapware, Werbesoftware, mit der er geradezu vollgemüllt ist. Während der Inbetriebnahme muss man mindestens ein Dutzend dieser nervigen Programme deinstallieren. Rechner-Neustarts gehören dazu, Zeitaufwand: ein bis zwei Stunden.

          Löst mit 1920 × 1080 Pixel auf

          Die Microsoft-Office-Demo war gar in mehreren Sprachen installiert, und wie immer wird der unbedarfte Nutzer von McAfee-Sicherheitswarnungen eingeschüchtert. Gift für das System ist sodann die gleichnamige Giftbox von Asus, ein Crapware-Manager, der weiteres Unerwünschte nachladen will und nach jedem Hochfahren aufs Neue startet, bis man ihn final deinstalliert. Das alles mag man bei einem 300-Euro-Notebook hinnehmen, aber es ist unwürdig für ein Premiumprodukt. Auch das große Touchpad mitsamt oben rechts eingelassenem biometrischem Fingerabdruckscanner hinterließ keinen guten Eindruck. Es reagiert als Mausersatz nicht hinreichend präzise, und unser Fingerabdruck wurde zwar anfangs gut erkannt, im Laufe der Zeit aber immer schlechter. Weitere Finger neu anzulernen gelang zum Ende des Tests nicht mehr.

          Die Hardware ist weit entfernt von jener Zuverlässigkeit und Präzision, mit der Scanner des iPhone oder eines Huawei-Smartphones mittlerweile arbeiten. Das Zenbook 3 unterstützt Microsoft Hello, eine Technik, die nicht nur mit Fingerabdrücken, sondern auch mit Gesichts- und Iriserkennung das Login erleichtert. Hier bleibt es jedoch allein beim Fingerabdruck, die eingebaute Webcam lässt sich nicht nutzen.

          Für die USB-C-Schnittstelle an der rechten Seite liefert Asus dankenswerterweise gleich einen Hub mit. Er erlaubt den Anschluss eines externen Monitors mit HDMI, das Laden des Geräts nach dem Power-Delivery-Standard und die USB-Datenübertragung mit bis zu 5 GBit/s. Bildschirme lassen sich mit bis zu 4096 × 2160 Pixel ansteuern.

          Das Zenbook 3 soll ein Objekt der Begierde werden, so hatte es Asus wohl geplant. Die Wellen um das Gerät schlugen seit der Vorstellung auf der Messe Computex im Mai hoch. Ein dünnes und leichtes Notebook mit exzellenter Ausstattung selbst für rechenintensive Aufgaben ist es in der Tat geworden. Man kann sich verlieben. Aber die Zuneigung ist nicht von Dauer.

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