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Apps für Smartphones : Neue Abzockmasche mit Werbung

Wer bei Google „Ericsson IPX” eingibt, wird schnell fündig Bild: Google

Die Abzocker-Mafia verschiebt ihre Aktivitäten in den Mobilfunk. Wer ein Smartphone nutzt, kann mit manchen „Apps“ in die Falle tappen. Tippt man aus Versehen mit dem Finger auf ein Werbefenster, schließt man einen Kaufvertrag ab.

          An die Abofallen im Internet hat man sich ja mittlerweile gewöhnt: Mit der Briefpost kommt die Rechnung zu einem Vertrag, den man nie abgeschlossen hat. Am besten macht man nichts, auch wenn weitere Mahnungen wilde Drohungen enthalten. Man muss also die Sache nur aussitzen. Doch nun ist die Mafia einen Schritt weiter und verschiebt ihre Aktivitäten in den Mobilfunk. So spielt sich das Ganze ab: Wer ein Android-Smartphone oder ein iPhone nutzt, installiert hübsche Zusatzprogramme, „Apps“. Sie stehen häufig unentgeltlich parat, der Anbieter finanziert sich über eingeblendete Werbung.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Tippt man nur einmal mit dem Finger auf ein solches Werbefenster, sei es auch nur versehentlich, ist angeblich ein Kaufvertrag über Dienstleistungen abgeschlossen worden. Der Rechnungsbetrag, mal drei Euro im Monat, mal 80 Euro, wird über die nächste Mobilfunkrechnung eingezogen. Es gibt keinen Hinweis, keine Allgemeinen Geschäftsbedingungen, keine Widerrufsfristen und keine Möglichkeit der Abmeldung.

          Die Sache stinkt schon deshalb zum Himmel. Zudem liegt hier ein klarer Verstoß gegen das Datenschutzrecht vor. Denn die Netzbetreiber geben die Mobilfunknummer des Kunden ohne sein Wissen an Dritte weiter. Für eine solche Übermittlung wäre jedoch die Einwilligung des Kunden in jedem Einzelfall erforderlich. Aber wen stört‘s? An diesen üblen Machenschaften verdienen nämlich alle Beteiligten: Der Content-Anbieter, der beispielsweise auf den Kaimaninseln in der Karibik sitzt, ein Abrechnungsunternehmen, typischerweise Ericsson IPX, eine Tochter des gleichnamigen schwedischen Telekommunikationskonzerns und schließlich der jeweilige Netzbetreiber, der seinen Anteil für das Inkasso erhält.

          Man kann im Grund genommen nichts tun

          Und was kann man gegen diese Abzock-Masche tun? Im Grunde genommen nichts. Wer sich bei seinem Netzbetreiber, also etwa E-Plus oder der Telekom beschwert, wird auf das Abrechnungsunternehmen in Schweden verwiesen. Man übernehme ja nur den Einzug von Forderungen anderer. Wer sich an Ericsson IPX wendet, bekommt vielleicht den Namen des Content-Anbieters genannt. Den wiederum könne man ja in der Karibik verklagen. Wer den eingezogenen Betrag zurückbuchen lässt, bekommt Ärger mit seinem Mobilfunker. Als erstes wird die Karte gesperrt.

          Das Kernproblem besteht darin, dass die Mobilfunker das Inkasso für die Forderungen Dritter übernehmen. Süffisant spricht die Telekom davon, dies komme den „Wünschen der Kunden nach werthaltigen mobilen Services entgegen“. Wer sich klug macht und einen Blick in das Telekommunikationsgesetz wirft und aus Paragraph 45d den Anspruch auf eine Sperrung solcher „werthaltiger Dienste“ ableitet, stößt auf Granit. Die entsprechende Formulierung gelte nicht für den Mobilfunk.

          Wir haben für einen unserer Verträge E-Plus angeschrieben. Die Antwort: E-Plus habe keinen Einfluss auf Inhalte. Eine Sperre der Mehrwertdienste könne man auch aus technischen Gründen nicht einrichten. Die Bundesnetzagentur lässt einen ebenfalls im Regen stehen: „Der Kunde muss prüfen, ob der Anbieter diesen Service trotzdem und unter welchen Bedingungen er diesen gewährt“, lautet eine für uns unverständliche Auskunft. Man wird also vollends allein gelassen.

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