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Apples neues iPhone 4S im Test : Die Revolution ist ihm nicht anzusehen

Das Kultobjekt aus Cupertino ist nicht das erwartete iPhone 5, sondern ein neues Modell in alter Schale Bild: Hersteller

Nicht nur die Spracherkennung Siri ist ein Meilenstein: Auch ein schneller Prozessor und eine exzellente Kamera zeichnen das neue iPhone 4S aus. Nur das i-Tüpfelchen fehlt.

          7 Min.

          Das neue iPhone 4S kommt Freitag in den Handel, ist aber schwer erhältlich. Nur wenige Stunden konnte man es in der vergangenen Woche vorbestellen - und schon meldeten einige Provider und Netzbetreiber leere Lager. Ein Marketing-Trick? Denn die Reaktionen der internationalen Medien nach der Produktvorstellung waren eher verhalten. Das Kultobjekt aus Cupertino ist nämlich nicht das erwartete iPhone 5, sondern ein neues Modell in alter Schale. Auf den ersten Blick ist das iPhone 4S nicht vom Vorgänger 4 zu unterscheiden. Aber innen ist alles neu, und das betrifft sowohl die Hardware wie auch die Software. Mit dem iPhone 4S kommt das Betriebssystem iOS 5, es steht auch für ältere Geräte zur Verfügung - und ist ein Meilenstein. Auch die verbesserte Hardware mit schnellerem Prozessor, neuer Kamera und neuer Mobilfunkeinheit darf als Schritt nach vorn gelten. So gesehen fehlt eben nur das i-Tüpfelchen eines jungen Designs, um aus der Evolution eine Revolution zu machen.

          Siri erkennt nicht nur, sondern interpretiert auch den Inhalt
          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Um gleich mit der spektakulärsten Neuerung einzusteigen: Die Sprachbedienung und Spracherkennung, die Apple Siri nennt. Sie ist einzigartig, ein Alleinstellungsmerkmal: „Brauche ich am Montag in Paris einen Regenschirm“ spricht man in das iPhone hinein, und es wird in Sekunden der Wetterbericht für die französische Hauptstadt abgerufen, angezeigt und dahingehend ausgewertet, dass die Antwort kommt „Nein, kein Regen in der Vorhersage angekündigt“. Der Experte erkennt sofort: Hier liegt nicht nur eine Spracherkennung mit der Umwandlung von Sprache in Text vor, sondern Siri interpretiert auch den Inhalt, die Semantik. Der Regenschirm muss etwas mit dem Wetter zu tun haben. Eine Regenjacke geht auch, erst die Frage, „kann ich morgen offen mit dem Cabrio fahren“ bringt Siri an Grenzen. Nicht, dass es an der Transkription scheitert. Es „versteht“ den Inhalt nicht. Siri kann man in so gut wie allen Abteilungen einsetzen. Es lassen sich Termine planen, Erinnerungen und Notizen eintragen, im Web oder auf der Wikipedia suchen, und wenn man das Gebotene zusammenfasst, ist das iPhone 4S das erste Smartphone, mit dem man sich in natürlicher Sprache unterhalten kann.

          Siri ist nur in Grenzen lernfähig

          Mit „Text to Speech“ liest Siri eingegangene SMS vor, E-Mails leider nicht. In der umgekehrten Richtung lässt sich die Spracherkennung überall dort nutzen, wo die virtuelle Bildschirmtastatur eingeblendet wird. Sie hat nun ein kleines Mikrofonsymbol, und nach dem Diktat wird auf Apple-Servern transkribiert. Ohne Mobilfunkverbindung oder Wireless-Lan geht es also nicht. Die Erkennung ist deutlich leistungsfähiger als das Pendant von Nuance mit der Dragon-Dictation-App, obwohl die Software vermutlich von Nuance stammt. Bei alltagssprachlichen Diktaten arbeitet Siri in der Regel ohne einen einzigen Erkennungsfehler, auch Befehle für die Interpunktion werden zuverlässig umgesetzt. Lernfähig ist Siri nur in Grenzen, eigene Fachbegriffe lassen sich ihr nicht beibringen. Aber es werden die Kontaktdaten übernommen, um beispielsweise Kommandos wie „Termin mit Hans Müller nächste Woche Dienstag 10 Uhr einrichten“ zum Anlegen des Kalendereintrags und zum Versenden einer E-Mail-Besprechungsanfrage an Hans Müller ausführen zu können. Siri bleibt dem iPhone 4S vorbehalten, es ist großartig.

          Auf die Frage, wie viele Tage noch bis Weihnachten bleiben, liefert Wolfram Alpha die richtige Zahl

          Wo liegen die Grenzen? Zum einen befindet es sich noch in einer Beta-Phase. Manches wird bisweilen korrekt transkribiert, aber es gibt Fehlermeldungen bei der Umsetzung. Navi- und Karten-Kommandos werden momentan nur für das Gebiet der Vereinigten Staaten unterstützt, und ein Zugriff auf die Wissensdatenbank von Wolfram Alpha mit vielen weitergehenden Informationen funktioniert nur auf Englisch, dann aber mit verblüffenden Resultaten. Auf die Frage, wie viele Tage noch bis Weihnachten bleiben, liefert Wolfram Alpha als Antwort die richtige Zahl. Kleine Unstimmigkeiten sind ebenfalls zu beobachten, so versteht etwa die Musik-Steuerung zwar „Spiele ’Ein Deutsches Requiem’“, aber nicht: „Spiele Musik von Johannes Brahms“.

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