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Apples neues iPhone 4S im Test : Die Revolution ist ihm nicht anzusehen

iOS 5 beseitigt auf einen Schlag das Wirrwarr

Ferner ist das iPhone 4S ein Welttelefon. Wer es für das amerikanische CDMA-Netz kauft, kann es auch in Europa mit GSM einsetzen. Umgekehrt haben wir Europäer nicht viel davon, weil es so gut wie keine Roaming-Abkommen für CDMA gibt. Mit dem UMTS-Turbo HSDPA empfängt das Neue bis zu 14,4 MBit/s. Abermals hält sich der Zugewinn in Grenzen, schon die 7,2 MBit/s des alten sind in der Praxis nur selten zu erreichen. Das neue Funkprotokoll LTE fehlt, das ist aus vielerlei Gründen kein Minuspunkt.

Der nächste Paukenschlag ist das neue Betriebssystem iOS 5, das (ohne Siri) auch dem iPhone 4 und dem 3GS sowie dem iPad als Gratis-Update zur Verfügung gestellt wird. iOS 5 beseitigt auf einen Schlag das oft kritisierte Wirrwarr der Hinweise und Meldungen unterschiedlicher Apps. Im neuen Notification Center ist alles unter einem Dach versammelt, man streicht mit einer Fingerbewegung über den oberen Bildschirmrand und sieht sofort neue E-Mail, Twitter-Nachrichten oder SMS. Die Idee lehnt sich an die ganz ähnliche Umsetzung des Android-Betriebssystems an, nur fehlt ein kleines LED-Lämpchen, das die Neuigkeiten auch bei ausgeschaltetem Bildschirm anzeigen müsste. Ungeachtet der rund 200 Neuerungen in iOS 5 gab es bei uns mit älteren Apps keine Probleme. Zu den sinnvollen Verbesserungen zählen wir iMessage: nutzen beide Gesprächspartner ein iOS-5-Gerät, werden Nachrichten gratis über W-Lan oder Mobilfunk zugestellt, andernfalls kommt die kostenpflichtige SMS zum Einsatz.

iPhone 4S hält nur um die 20 Stunden durch

Mit iOS 5 kann man endlich sein neues Gerät ohne iTunes-PC in Betrieb nehmen, Kabel ade. Noch weitgehender ist die Integration in die Cloud-Dienste von Apple, die sich bislang nicht vollständig erproben ließen. Die Musikdienste hatten wir hier unlängst beschrieben, fünf Gigabyte Speicherplatz stehen für persönliche Daten und das Backup des Gerätespeichers in der Datenwolke zur Verfügung. Die Cloud muss man nicht nutzen, wer ohnehin mit Exchange oder einem Google-Server synchronisiert, mag dabei bleiben.

Integration in die Cloud-Dienste von Apple
Integration in die Cloud-Dienste von Apple : Bild: Michael Spehr

Was schon jetzt einwandfrei funktioniert, ist der Fotostream: eigene Aufnahmen werden im Hintergrund in die Cloud hochgeladen und selbsttätig mit allen anderen Apple-Geräten via W-Lan synchronisiert. Das hört sich zunächst schick an, verliert indes seinen Reiz, wenn man doch recht lange auf die Schnappschüsse wartet und den zusätzlichen Stromverbrauch berücksichtigt. Denn setzt man alle neuen Optionen und Möglichkeiten ein, reduziert sich die Arbeitszeit des iPhone 4S gegenüber dem Vorgänger deutlich. Die neue Erinnerungsfunktion beispielsweise schaltet GPS dauerhaft ein, um ortsbezogene Hinweise geben zu können. Auch die Cloud-Dienste fordern ihren Tribut. Nur nach sorgfältiger Feinjustage hielt das iPhone 4S bei uns um die 20 Stunden durch. Der Vorgänger schaffte 30 Stunden und mehr. Das ist unser Hauptkritikpunkt. Ärgerlich zudem: Das stromhungrige UMTS ist nicht mehr abschaltbar.

Android bleibt der schärfste Rivale

Alles in allem macht das iPhone 4S im Vergleich mit der Konkurrenz eine sehr gute Figur. Nicht nur, dass kein anderes Smartphone so etwas wie Siri zu bieten hätte. Die Scharte des umständlichen Hinweissystems wurde mit dem Notification Center mehr als nur ausgewetzt. Die Kamera arbeitet hervorragend. Die Verarbeitungsqualität sowie die Wertstabilität sind klare Pluspunkte. Hinzu kommt die große Auswahl hochwertiger Apps. Vieles gibt es nur für iOS.

Kein anderes Smartphone hat so etwas wie Siri zu bieten
Kein anderes Smartphone hat so etwas wie Siri zu bieten : Bild: Michael Spehr

An das neue Betriebssystem gewöhnt man sich schnell, es gibt keine nennenswerten Kompatibilitätsprobleme. Android bleibt der schärfste Rivale. Seine Vorzüge liegen in der größeren Offenheit bei Apps und Betriebssystem, mehr Möglichkeiten der Erweiterung und Personalisierung sowie in der bunten Vielfalt der Hardware und im kleineren Preis. Das günstigste iPhone 4S mit 16 Gigabyte Speicher kostet 630 Euro, das neue Top-Modell mit 64 Gigabyte liegt bei 850 Euro.

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