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Apples neues Betriebssystem : Das kann iOS 11 auf dem iPad

Perfekt wie am PC: In kleinen Fenstern werden alle geöffneten Apps mitsamt ihrer Inhalte säuberlich nebeneinander und untereinander gezeigt. Bild: Dettweiler

Apple hat das neue Betriebssystem iOS 11 freigeschaltet. Damit soll das iPad so stark wie ein Notebook werden. Gelingt das? Ein Praxistest liefert jetzt erste Antworten.

          Das neue Betriebssystem iOS 11 von Apple ist da und kann heruntergeladen werden. Für den Download sind knapp zwei Gigabyte fällig. Am meisten profitiert das iPad von der Aktualisierung. Viele Fachleute meinen, dass das iPad nun ein noch schärferer Rivale des Notebook wird, weil Apple etliche Funktionen nachreicht, die man schon immer gern gehabt hätte.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wir haben iOS 11 ausprobiert, zunächst einige Wochen mit der Beta-Version und jetzt mit der fertig gestellten, offiziellen Variante. Wird das iPad jetzt zum Notebook? Was ist neu?

          An erster Stelle das Dock, es erscheint mit einem Fingerwisch vom unteren Bildschirmrand nach oben, es gleicht der Programm-Leiste des Mac-Betriebssystems, hier lassen sich die am meisten verwendeten Apps unterbringen, und auf der rechten Seite des Docks erscheinen automatisch die zuletzt aktiven als Schnellzugriff. Man gewöhnt sich unmittelbar an den neuen Komfort.

          Das Dock erscheint mit einem Fingerwisch vom unteren Bildschirmrand nach oben. Bilderstrecke

          Etwas komplizierter ist die Handhabung einer zweiten Innovation, nämlich die Verwendung des Split-Screens, des geteilten Bildschirms, um beispielsweise neben dem Textfenster in Word einen Blick auf die E-Mail werfen zu können. Die Funktion ist nicht neu, aber neu gestaltet. Wenn man in einer laufenden App das Dock aufruft, kann man eine zweite App mit längerem Fingerdruck hervorheben und an den linken oder rechten Rand des Bildschirms schieben.

          Dort öffnet sich die App in geteiltem Bildschirm, wahlweise neben dem ersten angeordnet oder überlappend; der dünne Strich am oberen Bildschirmrand der zweiten App schaltet zwischen den beiden Modi um. Dateien und Daten lassen sich mit Drag & Drop von einem Fenster zum anderen kopieren. Die Größe beider Fenster lässt sich mit einem Fingerstreich einstellen. Das alles gefällt, wenngleich der kleine Bildschirm eines iPad 9.7 schnell Grenzen aufzeigt.

          Neues Kontrollzentrum und App-Übersicht

          Mehr Produktivität versprechen einige Änderungen, die abermals aus der Welt der Notebooks entlehnt sind: Wer eine Tastatur ans iPad angeschlossen hat, kann mit der Tastenkombination CMD und Tab wie am Rechner flink zwischen einzelnen Anwendungen umschalten. Mit einem Doppelklick auf die Home-Taste oder einem langem Fingerwisch vom unteren Bildschirmrand in die Mitte erscheinen das neue Kontrollzentrum und die App-Übersicht. Letztere bietet genau das, und zwar perfekt wie am PC: In kleinen Fenstern werden alle geöffneten Apps mitsamt ihrer Inhalte säuberlich nebeneinander und untereinander gezeigt, mit einem Fingertipp wechselt man.

          Auf der rechten Seite erlaubt das Kontrollzentrum eine Schnelleinstellung von Bildschirmhelligkeit, Lautstärke und Verbindungsparametern. Man experimentiere mit einem längeren Fingerdruck auf einen der Einträge. Apropos Finger: Während Apple bei seinen Notebooks und Rechnern den berührungsempfindlichen Bildschirm mit Fingersteuerung ablehnt, kann man auf seinem iOS-Tablet munter mit den Fingern, Gesten und Wischbewegungen arbeiten.

          Funktionalität und Darstellung nicht besonders gelungen

          Der zweite große Schritt hin zum iPad als Arbeitsmaschine ist die Dateien-App. Sollte ursprünglich der Nutzer in iOS so wenig wie möglich vom Dateisystem sehen, wird nun eine Kehrtwende eingeleitet. Die bewährte, alte Struktur von Dateien und Ordnern lässt sich wohl doch nicht ohne Weiteres ersetzen. Die Dateien-App unterstützt als Speicherorte das Gerät selbst, Cloud-Dienste wie Onedrive von Microsoft oder die Dropbox.

          Ferner lassen sich natürlich die Dateien im hauseigenen iCloud-Speicher ansprechen und auch diejenigen, welche Apps wie PDF Expert von Readdle in ihren hauseigenen Speichersystemen ablegen. Funktionalität und Darstellung halten wir derzeit für nicht besonders gelungen. Hier ist iOS noch meilenweit von den herkömmlichen Betriebssystemen und ihren Datei-Explorern entfernt.

          Nach einiger Zeit des Ausprobierens meinen wir, dass die Unterschiede zwischen iPad und Notebook bestehen bleiben. Wir haben diesen Artikel auf dem iPad Pro geschrieben. Das geht. Aber es wird eine Ausnahme bleiben. Selbst wenn beide Plattformen dichter aneinanderrücken, ist das Notebook nicht vollständig durch ein iPad ersetzbar. Zwar kann man mit vielen Bluetooth-Tastaturen gut und schnell schreiben, auch Word in der Mobilvariante überzeugt; mit dem Schreibprogramm von Microsoft lässt sich problemlos von einer Welt in die andere wechseln.

          Aber die Minuspunkte des iPad sind der kleine Bildschirm, die nicht perfekte Übersicht sowie das Fehlen all jener Details, die man in der Windows- und Mac-OS-Welt als selbstverständlich ansieht. Das betrifft nicht nur die Maus, Schnittstellen und Programme. Auch wenn man die vielen Optionen und Möglichkeiten der großen Rechnerbetriebssysteme nur selten ausschöpft, man vermisst sie schnell.

          Wer das iPad als Arbeitsgerät einsetzt, stolpert sodann über unendlich viele Kleinigkeiten, die sich am Rechner mit einem Handgriff sofort abstellen ließen. Etwa die unabänderlich festgelegte alphabetische Sortierung beim Öffnen von Dateien im iPad-Word. Je mehr man das iPad aktiv und produktiv nutzen will, um so eher zeigen sich seine Schwächen als Arbeitsgerät. Mit iOS 11 wird vieles etwas leichter, aber ein Tablet bleibt ein Tablet und ein Notebook ein Notebook.

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