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Apples Betriebssystem „Lion“ : Der Löwe brüllt nur leise

Das Launchpad fügt sich jedoch nicht in die gewohnte (und nach wie vor verfügbare) Darstellung der Programme im Finder ein. Es bleibt ein aufgesetzter Fremdkörper und logischer Bruch. Die Konvergenz wirkt bemüht, sie gefällt nicht.

Schließlich zeigen auch die Standardprogramme wie Kalender und Adressbuch im skeuomorphen Ringbuch-Design ihre Nähe zu iOS. Das E-Mail-System bietet nun eine Drei-Spalten-Ansicht, wie sie Outlook und Thunderbird schon lange beherrschen. Das neue Mail gehört unseres Erachtens klar zu den Pluspunkten von Lion. Ebenso die „Mission Control“, die nun unter einem Dach die älteren Funktionen Exposé (Fensterüberblick) und Spaces (virtuelle Desktops) vereint.

Airdrop zum schnellen Datenaustausch

Die wichtigste Innovation des jungen Löwen ist der Umgang mit Dokumenten. Hier wird nun tatsächlich alles anders, denn auf das ausdrückliche Sichern von Texten oder Tabellen kann man getrost verzichten. Auto Save erledigt diese Aufgabe fortwährend und selbsttätig, und man kann die Änderungen in alten Dateiversionen zurückverfolgen. Wie in der Datensicherung Time Machine zeigt das entsprechende Menü ältere Versionen entlang eines Zeitstrahls hintereinander. Inhalte lassen sich aus alten Versionen kopieren, ohne die gesamte Datei wiederherstellen zu müssen. Die Änderungen werden lokal in einem Verzeichnis „Document Revisions“ abgelegt, und das Ganze funktioniert natürlich nur mit jenen Programmen, die schon kompatibel zu Lion sind, wie etwa die Apple-Textverarbeitung Pages.

Eine weitere Finesse ist Airdrop zum schnellen Datenaustausch zwischen Mac-Rechnern mit Lion. Beide Partner müssen dazu in demselben W-Lan eingebucht sein, sie bauen dann eine Ad-hoc-Verbindung auf. Leider funktioniert die Technik nur mit neueren Macs. Mehr Stabilität soll Lion durch den 64-Bit-Kernel bieten, der standardmäßig startet, und mehr Sicherheit verspricht unter anderem die Festplatten-Verschlüsselung File Vault, die nun die gesamte Systempartition verschlüsselt und die Datensicherung auf der Time Machine einbezieht. Mit der erweiterten Sandbox sollen Schäden durch Schwachstellen oder Schadsoftware begrenzt werden. Apple hebt hervor, dass Lion in Sachen Sicherheit ein großer Schritt nach vorn ist, das muss sich allerdings erst noch zeigen.

Eine kleine Gemeinheit von Apple

Lion läuft auf neueren Macs mit Core-2-Duo-, Core-i- oder Xeon-Prozessor und benötigt mindestens 2 Gigabyte Arbeitsspeicher. Von August an wird es für 60 Euro eine Version auf einem USB-Stick geben, so dass man sich den Mega-Download spart. Wer online aktualisieren will, muss Mac OS 10.6 aufgespielt haben, ein Update von Version 10.5 scheitert schon am fehlenden Mac App Store. Unter Lion laufen Programme mit Power-PC- und Carbon-Code grundsätzlich nicht. Dies betrifft etwa Microsoft Office 2004. Auch die Kompatibilitätsumgebung Rosetta wird weder unterstützt, noch kann man sie nachinstallieren.

Nicht nur die aktuellen Adobe-Programme bereiten Schwierigkeiten. Die Tücke liegt bisweilen im Detail. Mancher iMac stürzt bei der Wiedergabe von Videos ab, ebenso muss man mit Problemen beim Communicator von Microsoft Office 2011 rechnen. Musik-Anwendungen der Hersteller Ableton, Steinberg, Avid, Native Instruments und Universal Audio verursachen ebenfalls Probleme.

Unser Eindruck auf dem jungen Macbook Air ohne Altlasten war insgesamt positiv. Lion ist keine Weltsensation, aber das schlankere Design gefällt. Die ärgerlichen Dinge und manches Neue lassen sich entweder abschalten oder stören zumindest nicht. Die Annäherungen an das iOS-Betriebssystem finden wir nicht überzeugend. Wir werden mit dem Update bis zum Erscheinen des neuen iPhone-Betriebssystems iOS 5 warten. Das setzt für die Nutzung der Cloud-Dienste unabdingbar Lion voraus. Eine kleine Gemeinheit von Apple.

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