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Telefonieren ohne iPhone : Die neue Apple Watch verblüfft im Test

Die Apple Watch Series 3 Bild: Hersteller

Die Computeruhr von Apple geht in die dritte Runde. Wir haben die Smartwatch intensiv getestet und viele Verbesserungen gefunden. Aber sie gönnt sich zur falschen Zeit eine Pause.

          Ist das künstliche Intelligenz? Auf dem Weg zum San Francisco International Airport zeigte die Apple Watch automatisch die Daten des Rückflugs nach Frankfurt. Den Flug hatten wir nicht im Kalender eingetragen, aber die elektronische Bordkarte befand sich im iPhone. Die Uhr hatte entschieden, dass der Flug wichtig sei und das Zifferblatt angepasst. Die Series 3, die dritte Generation der Apple-Uhr, wurde in der vergangenen Woche in Cupertino vorgestellt.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Am diesem Freitag kommt sie in den Handel, und wir konnten sie vorab einige Tage ausprobieren. Intelligent soll die Uhr mit einem neuen Zifferblatt sein: Es heißt Siri und blendet stets diejenigen Informationen ein, welche sie als relevant erachtet. Nicht nur die Bordkarte, sondern auch Hinweise auf die nächsten anstehenden Termine sowie Fahrzeiten und Informationen zum Tagesablauf. Gespickt wird die Darstellung mit Daten aus Apps wie dem Kalender, Wecker, dem Karten-Wallet, den Erinnerungen und mehr. So weit wir es bislang erproben konnten, funktioniert das Ganze gut.

          Das Siri-Zifferblatt erhalten auch die Nutzer der älteren Apple-Uhren, es kommt zusammen mit Watch OS 4, und dieses neue Uhrenbetriebssystem setzt das ebenfalls neue iOS 11 auf dem iPhone voraus. Es beinhaltet etliche kleinere Änderungen, insgesamt reagieren die Programme schneller und lassen sich flüssiger bedienen. Umfassend wurde die Workout-App für sportliche Aktivitäten überarbeitet, man kann schneller sein Programm starten, entweder offen oder mit festgesetzten Zielen. Neue Sportarten sind hinzugekommen, und der Wechsel der Sportart innerhalb einer Trainingseinheit ist ebenfalls möglich. Zudem kann die Apple Watch im Fitness-Studio direkt mit den Geräten mehrerer großer Hersteller kommunizieren.

          Man kann nunmehr seine Lieblingsmusik via Mobilfunk auf die Uhr streamen Bilderstrecke

          Die Vorzüge der Series 3 sind jedoch auch an der Hardware festzumachen: Der neue Prozessor mit mehr Rechenleistung beschleunigt das Arbeitstempo der Uhr, und nun ist ein Barometer eingebaut, um zurückgelegte Höhenmeter autonom und präzise zu ermitteln. Die Uhren-Siri spricht jetzt auch.

          Der wichtigste Pluspunkt ist indes das optional erhältliche Mobilfunkmodul mit LTE und UMTS. Man kann unabhängig vom iPhone Daten empfangen oder telefonieren, letzteres mit der gewohnten iPhone-Rufnummer. Dazu ist die Sim-Karte fest eingebaut, und sie muss als Multi-Sim zusätzlich zum bestehenden Mobilfunkvertrag bezahlt werden. Das funktioniert in Deutschland derzeit nur mit der Telekom. Die zweite Karte kostet fünf Euro im Monat, die ersten sechs Monate fallen keine Gebühren an. Eine weitere Einschränkung: Im Ausland funktioniert das Roaming mit der Uhren-Sim nicht.

          Die Akustik ist deutlich besser

          Zum Telefonieren konnte man die Apple Watch in der Nähe des iPhone bisher als Freisprechanlage nutzen, mit befriedigender Akustik. Nun probierten wir die Telefonie unabhängig vom Telefon aus, und waren verblüfft: Die Akustik ist deutlich besser, hier hat Apple viel getan. Man selbst hört zwar das Gegenüber ob der kleinen Uhren-Lautsprecher etwas blechern, aber die Angerufenen merkten in der Regel nicht, dass über eine Uhr telefoniert wurde, sogar im fahrenden Auto mit entsprechenden Nebengeräuschen.

          Armbanduhren mit Sim-Karte gibt es schon länger, aber die Series 3 ist die erste, die wirklich praxistauglich ist. Das betrifft nicht nur die Akustik, sondern auch die Akkulaufzeit und die Bauform. Der Jogger im Wald kann Hilfe rufen und der Nerd telefoniert während des Stehpaddelns. Da sich auch viele Daten aus Kalender und anderen Apps ohne iPhone abrufen lassen, ist die Zielrichtung klar: Langfristig tritt das Mobiltelefon zurück, die Daten lagern in der Cloud, sie werden mit Sprache oder einer Smartwatch überall verfügbar gemacht.

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