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Apple Watch 2 im Test : Smartwatch für Sportler

Jetzt auch für den Sprung ins Wasser: Apple Watch 2 Bild: Hersteller

Die zweite Version der Apple Watch war längst fällig. Sie kann jetzt GPS, hat ein helleres Display und ist wasserdicht. Wir haben sie einige Tage getestet.

          An der smarten Armbanduhr von Apple scheiden sich die Geister. Die einen meinen, dass niemand eine Smartwatch brauche. Sie könne nicht mehr als das, was das Smartphone ohnehin kann, sie ersetze nichts, bestenfalls eine Armbanduhr, und ihr kurzer Lebenszyklus als elektronisches Gerät konterkariere die Idee einer guten Uhr. Apple hat seine erste Watch vor zwei Jahren angekündigt, seit April 2015 ist sie im Handel. Verkaufszahlen wurden bislang nicht kommuniziert, viele Journalisten und Blogger haben sie mit Häme geradezu überschüttet und ostentativ in die Schublade verbannt.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Zur diesjährigen Apple-Pressekonferenz in San Francisco wurde sie dann wohl aus selbiger wieder hervorgeholt. Denn unter den Hunderten von Journalisten gab es kaum einen, der die Uhr nicht getragen hätte. Das mag Freundlichkeit gegenüber dem Gastgeber gewesen sein. Oder die Apple Watch ist dann doch im Alltagseinsatz ein Gewinn. Für sie sprechen vor allem zwei Punkte: Die Uhr ist ein dezenter, hilfreicher Fitness-Tracker für den Hobby-Sportler mit genauer Messung der Herzfrequenz ohne Brustgurt. Ferner zeigt sie Push-Nachrichten diskret, fein einstellbar, das Smartphone bleibt in der Tasche. Dass man sie auch zum Navigieren und Freisprechen verwenden kann, sei nicht verschwiegen. Die Minuspunkte: Kompatibel ist die Uhr natürlich nur mit dem iPhone, ihr Akku muss regelmäßig geladen werden, und die erste Version ist nur gegen Spitzwasser geschützt, aber nicht wasserdicht.

          Das Modell im Keramikgehäuse für 1450 Euro Bilderstrecke

          Nun kommt die Apple Watch Series 2 am 16. September in den Handel, und wir konnten sie bereits einige Tage ausprobieren. Sie läuft mit dem ebenfalls neuen Betriebssystem Watch OS 3, das wiederum iOS 10 voraussetzt. Wir trugen die Uhr im Aluminiumgehäuse (zu Preisen von 420 Euro an), etwas teurer sind die Modellvariante Edelstahl (von 650 Euro an) oder das Modell im Keramikgehäuse für 1450 Euro. Die Funktionalität ist jeweils identisch. Wie gehabt gibt es die Uhr in zwei Größen, 38 und 42 Millimeter, und man kann mit diversen Armbändern in verschiedenen Materialien und Farben kombinieren.

          Die Series 2 sieht aus wie die erste Watch, aber im Innern arbeitet jetzt ein moderner Zweikernprozessor, der 50 Prozent schneller sein soll als der bislang eingesetzte. In Verbindung mit Watch OS 3 ist der Zuwachs an Tempo unmittelbar zu sehen. Man hat den Eindruck, eine ganz andere Uhr vor sich zu haben. Mit Betätigung der schmalen Seitentaste erscheint das Dock, das sich mit bis zu zehn Apps frei belegen lässt. Die Apps sind unmittelbar präsent, lästige Wartezeiten entfallen. Mit neuen Zifferblättern werden zum Beispiel die Aktivitätsringe für Bewegen, Trainieren und Stehen groß dargestellt. Ferner lässt sich schneller von einem Zifferblatt zum nächsten wechseln.

          Hält man die Seitentaste der Uhr länger als sechs Sekunden gedrückt, wird eine Verbindung zu einer Notrufzentrale aufgebaut. Da der Aufenthaltsort bekannt ist, wird gleich die richtige Notrufnummer gewählt. Jüngere Macs lassen sich mit Hilfe der Uhr aus dem Standby entsperren. Sportler können in der erweiterten Aktivitäts-App ihre Trainingsdaten mit anderen teilen – und ein virtuelles Kräftemessen auf den Weg bringen.

          Im Einsatz draußen fällt sofort eine weitere Verbesserung auf: Das Display ist hell wie nie, Apple gibt 1000 Nits an, ein spektakulärer Wert. Man sieht es in der prallen Sonne, in geschlossenen Räumen folgt die Helligkeit dem Umgebungslicht. Das ist ein Gewinn. Endlich ist die Uhr wasserdicht, bis zu einer Tauchtiefe von 50 Meter. Das in die Lautsprecheröffnungen eingedrungene Wasser kann man mit Schallwellen nach dem Sport herausdrücken lassen, dafür gibt es ein eigenes Menü im Kontrollzentrum der Uhr. Als Trainings-Programme sind Beckenschwimmen und Freiwasserschwimmen hinzugekommen.

          Der Läufer sieht mehr Daten nach seiner Tour

          Ferner ist GPS eingebaut. Die Erfassung sportlicher Aktivitäten unter freiem Himmel gelingt damit genauer denn je. Beim Joggen konnte man schon mit der alten Uhr auf das Mitnehmen des iPhone verzichten und erhielt trotzdem Entfernungs- und Geschwindigkeitsangaben. Aber erst nach einem anfänglichen Training mit dem iPhone. Das alles entfällt nun, der Läufer sieht mehr Daten nach seiner Tour, etwa die überwundenen Höhenmeter und eine exportierbare Karte der zurückgelegten Strecke, die nicht nur die Route, sondern auch das jeweilige Lauftempo in Ampelfarben visualisiert.

          Gleiches beim Radfahren und Spazierengehen: Mehr Informationen und eine mit GPS aufgezeichnete Karte fördern die Motivation. Wir sind ohne iPhone in Frankfurt losmarschiert, die GPS-Karte der zurückgelegten Strecke war gut, allerdings mit Abweichungen um teils einige Meter. Die Akkulaufzeit der Series 2 ändert sich kaum: Mit intensivem Training inklusive Satellitenortung und Herzfrequenzmessung hält der Akku einen Tag gut durch, Sportmuffel können auf zwei Tage hoffen.

          Während des Trainings zeigt die Uhr auf detaillierter gestalteten Bildschirmen mehr Informationen. Wie gehabt richtet sich das Sportprogramm von Apple nicht an den Profi, der mit dem Brustgurt seine Herzfrequenz aufzeichnet und alle nur denkbaren Parameter erfasst, sondern an den Freizeitsportler, der nun mit einem wasserdichten und um GPS erweiterten Gerät ein attraktives Angebot erhält. Die Apple Watch Series 2 ist in diesem Sinne eine Kampfansage an Garmin, Polar, Tomtom und Fitbit, also an die Hersteller klassischer Sportuhren und Fitness-Tracker.

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