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Apple und das neue iPhone : Wo ist das Objekt der Begierde?

Bunter und ist nicht immer besser Bild: AFP

Apple hat das clever gemacht: Das iPhone 5c wird als günstiges Plastik-iPhone präsentiert, obwohl es gar keines ist. Und das neue Flagschiff iPhone 5s ist lediglich ein Update. Alles bloße Berechnung oder fehlende Innovationskraft?

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          Apple hat es mal wieder geschafft und einen PR-Coup gelandet. Im Vorfeld der Veranstaltung vom Dienstagabend wurde immer wieder über ein Billig-iPhone spekuliert. Es solle bunt sein und aus Plastik. Und die „gut informierten Kreise“ haben sogar Recht behalten. Das iPhone 5c gibt es in verschiedenen Farben, sein Äußeres ist aus gehärtetem Polycarbonat.

          Wo hingegen niemand Recht behielt, war bei der Vorhersage des Preises. Das neue Plastikmodell ist nämlich keineswegs billig oder günstig. Mit 599 Euro kostet die Variante mit 16 Gigabyte gerade mal hundert Euro weniger als das neue Flaggschiff iPhone 5s mit gleicher Speicherkapazität. Einige Medien haben offenbar den Preis ignoriert und schreiben weiterhin von einem günstigem iPhone oder Einsteigermodell. Diese Einschätzung wird sich hoffentlich nicht in den Köpfen der Leser und Kunden festsetzen. Denn das iPhone 5c ist alles andere als billig. Das Samsung Galaxy S4 gibt es momentan bei Amazon für unter 500 Euro, das HTC One für zirka 530 Euro. Beide Smartphones sind etablierte Topmodelle und können es mit dem iPhone 5c locker aufnehmen. Und das ebenso empfehlenswerte Huawei Ascend P6 kostet nur noch 339 Euro.

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          Wenn man nun die andere Neuigkeit aus Cupertino betrachtet, bekommt man unweigerlich leicht schizophrene Gedanken. Auf der einen Seite kann man Apple loben, weil das iPhone 5s eine konsequente Weiterentwicklung des aktuellen Erfolgmodells ist. Das iPhone 5 hat sich sehr gut verkauft, es gab an ihm wenig auszusetzen. Also hat Apple das Äußere beibehalten, wieder einen schnelleren Prozessor eingebaut und die Kamera verbessert. Außerdem ist der Home-Button zum Sicherheitszugang geworden. Per Fingerabdruck identifiziert sich der Nutzer. (Die Daten bleiben übrigens auf dem Gerät.) Apple hat also alles richtig gemacht und sein sowieso schon sehr gutes Smartphone leicht verbessert. Eine Strategie, die das Unternehmen bei vielen anderen Produkten anwendet, sobald die Gerätekategorie erst einmal eingeführt ist: iPad, MacBook Air, iMac oder iPod änderten sich über Jahre hinweg nur unwesentlich.

          Also alles gut bei Apple? Oder sollte man das iPhone 5s zum Anlass nehmen, die Unternehmensstrategie in Frage zu stellen? Kann es sich Apple noch leisten, nicht auf die Konkurrenz zu schauen, wie ein Produktmanager neulich in einem Hintergrundgespräch behauptete? Da wären zunächst Anforderungen wie ein größeres Display oder der Einbau eines NFC-Moduls, die Apple abermals ignoriert. Für ersteres gibt möglicherweise noch gute Gründe, für die fehlende NFC-Schnittstelle eher nicht. Immerhin wurde beim iPhone 5s wenigstens Bluetooth 4.0 integriert.  Doch sehr gute Kameras und entsprechende Software hat die Konkurrenz auch schon längst. Aber selbst wenn Apple sich an der Konkurrenz orientieren würde und das neue iPhone mit mehr Funktionen ausgestattet hätte, fehlte der innovative Charakter. Das iPhone ist ein Smartphone von vielen.

          Um zu entscheiden, ob Apple einfach nur stur seinen Weg geht oder dem Unternehmen mittlerweile die Ideen ausgehen, hilft möglicherweise ein Blick auf die wirtschaftliche Perspektive. Apple ist zwar nicht mehr Marktführer beim Verkauf von Smartphones. Jedoch konnte das Unternehmen bei der letzten Veröffentlichung der Quartalszahlen vermelden, dass das iPhone für mehr als die Hälfte des Umsatzes steht. Apple hat im dritten Quartal des Jahres 31,2 Millionen iPhones verkauft, das waren 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

          Warum sollte Tim Cook als Geschäftsmann also den Kurs ändern und mit einem völlig neuen iPhone riskieren, dass die Verkaufszahlen einbrechen? Weil wir genau dieses Wagnis von Apple erwarten. Wir wollen nicht jedes Jahr eine neue Produktkategorie, wir wollen nicht jährlich ein völlig neues iPhone und erwarten Geräte, die hochwertig sind und reibungslos funktionieren. Aber wir wollen auch mal wieder staunend einer Keynote beiwohnen, die uns so fesselt, dass wir das Objekt der Begierde sofort bestellen wollen. Diese Lust war am Dienstag Abend nicht zu spüren.

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