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Apple Pay : So funktioniert das kontaktlose Bezahlen

Die drei großen Kreditkartenunternehmen sind an Bord

Die wirtschaftlich interessante Anwendung ist der Bezahlvorgang mit NFC, in der Branche “Micropayment“ genannt. So forscht zum Beispiel das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz an einem Supermarkt, in dem die Ware per Smartphone gescannt und an der Kasse mit der gleichen Methode bezahlt wird. NFC erlaubt den Datenaustausch in beide Richtungen, so könnte Ware auch reserviert werden. Bei der Deutschen Bahn ist man über die Testphase hinaus. Im Fernverkehr und vielen Lokalnetzen können Kunden mit dem Handy ihr Ticket bargeldlos lösen, indem sie ihr Gerät an Touch&Travel-Terminals halten. Das Smartphone wird also immer mehr zum Generalschlüssel und Kreditkarte.

Apple könnte nun Schwung in diesen Markt bringen, weil der Konzern Verträge geschlossen hat mit den drei großen Kreditkartenunternehmen American Express, Visa und Mastercard. Die einzelne Transaktion ist somit unabhängig vom Geschäftssegment. Es ist egal, ob der Kunde mit seinem iPhone 6 einen Kaffee bezahlt, eine Hose kauft, eine Restaurantrechnung begleicht, sein Bahnticket löst oder ein Konzertticket abholt. Die Voraussetzung ist lediglich, dass der Verkäufer eine dieser Kreditkarten akzeptiert und ein NFC-fähiges Terminal bereitstellt. In Deutschland gibt es derzeit nur 40.000 solcher „Point of sales“.

Den Rest erledigt das neue iPhone mit Apple Pay. Die ist in die App „Passbook“ integriert, mit der man seit iOS 6 seine Tickets sammeln und vorzeigen kann. Die Bezahlfunktion ist denkbar einfach. Man tippt auf den Touchsensor und hält das iPhone in die Nähe der Kasse. Dazu muss man noch nicht einmal das Smartphone entsperren. Die Daten der Kreditkarte müssen vorher entweder per iTunes ergänzt oder mit der Kamera abfotografiert werden. Eine ähnliche, weniger weitreichende Bezahlmethode hatte eigentlich Konkurrent Samsung in diesem Jahr mit seinen Flaggschiff Galaxy S5 eingeführt. Mit dem Fingerabdruck-Sensor kann man den Online-Bezahldienst Paypal verknüpfen.

Es könnte wieder einmal der Vorteil von Apple sein, dass man einerseits die wichtigsten Kreditkartenunternehmen mit an Bord hat und andererseits das iPhone weit verbreitet ist. Beides dürfte vielen Händlern als Grund genügen, um auf ein NFC-fähiges Terminal aufzurüsten. Nun ist Apple aber auch nicht das erste Unternehmen, das diese Idee hatte. Es waren teilweise die Kreditkarteninstitute selbst, die ähnliche Konzepte vorstellten. Mastercard kündigte auf dem Mobile World Congress in Barcelona vor einem Jahr MasterPass („das digitale Portemonnaie“) an, auch Visa brachte das bargeldlose Bezahlen per NFC-Technik vorheriges Jahr mit „PayWave“ ins Spiel.

Möglicherweise könnte nun Apple Pay der entscheidende Schritt sein, um dieser Art des Bezahlens zum Durchbruch zu verhelfen. Ab Oktober soll Apple Pay starten. Traditionell wird das in Amerika schneller gehen als in Deutschland. Denn hierzulande hat die EC-Karte immer noch Priorität. Laut einer Studie des EHI Retail Institute erfolgten 2013 nur 5,4 Prozent der Zahlungen im deutschen Einzelhandel per Kreditkarte. Mit der Girokarte bezahlten immerhin 36 Prozent.

Apple Pay im drahtlosen Einsatz

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