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Patent für neue Klinkenbuchse : Apple gegen den Rest der Kopfhörerwelt

Das Patent, das Apple Insider als erstes aufgefallen war Bild: appleinsider

Patente meldet Apple jedes Jahr viele an. Sollte dieses umgesetzt werden, betrifft es allerdings eine komplette Branche. Apple will nämlich die Kopfhörerbuchse am iPhone verkleinern. Oder abschaffen?

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          Eigentlich handelt es sich um eine doppelte Spekulation. Denn es geht um das iPhone 7 und ein Apple-Patent. In der Woche, in der das iPhone 6s gerade mal auf den Markt kommt und die Tests noch ganz frisch sind, sollte man sich noch keine Gedanken um die Version 7 machen. Und ein Patent, das Apple vor wenigen Tagen genehmigt wurde, muss man auch nicht unbedingt beachten, da es von diesen im Jahr viele gibt und die eher selten umgesetzt werden. Einerseits.

          Andererseits könnte das bedeuten, wenn beides Realität wird, dass sich nächstes Jahr viele Millionen iPhone-Käufer auch gleich einen neuen Kopfhörer oder im besten Fall einen teuren und schicken (von Apple) oder hässlichen und günstigen (von Conrad) Adapter kaufen können. Denn in dem Patent mit der Nummer 9142925 beantragt Apple einen neue Kopfhörerbuchse. Der „D-Shaped Connector“ ist nach wie vor eine Klinkenbuchse, nur dass sie kleiner ist und eine etwas andere Form hat. Sie schrumpft von den klassischen 3,5 Millimeter auf 2,5 Millimeter, an einer Seite ist sie etwas abgeflacht.

          In dem Patentantrag ist das iPhone gar nicht erwähnt, lediglich ein etwas älteres iPod-Modell ist abgebildet. Dennoch liegt die Deutung nahe, dass die Buchse am iPhone 7 kommen könnte, weil schon kräftig spekuliert wird, dass dieses besonders dünn sein wird. Und der Trend zu besonders dünnen Produkten ist nicht nur bei Apple zu erkennen. Damit der Verschlankung die bislang 3,5 Millimeter breite Klinke nicht im Weg steht, muss der Kopfhöreranschluss eben auch schrumpfen. So die These.

          Die Folgen wären vielfältig: Apple würde die Kopfhörerhersteller vermutlich dazu zwingen, ihre Produkte auch - oder nur - mit einem 2,5-Millimeter-Klinken-Kabel anzubieten. Wer seinen Lieblingskopfhörer schon gekauft hat und dennoch nicht auf das vermeintliche iPhone 7 im nächsten Jahr verzichten will, muss sich entweder einen Adapter oder einen neuen Kopfhörer kaufen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Apple die Industrie dazu zwingt, einer Schrumpfkur zu folgen. Als Apple die Nano-Sim-Karte eingeführt hat, zogen kurz danach die anderen Smartphone-Hersteller nach. Die Nano-Sim-Karte ist mittlerweile Standard.

          Lightning als Hauptausgang

          Es könnte allerdings auch ein Art Ablenkungsmanöver sein. Neben dem Klinken-Eingang gibt es noch eine zweite Möglichkeit, einen Kopfhörer anzuschließen. Und zwar den Lightning-Ausgang, mit dem man etwa das Aufladekabel verbindet. Erste Kopfhörer, die diese Technik nutzen, sind schon auf dem Markt. Der Philips M2L erschien als einer der ersten Modelle auf dem Markt. Im Unterschied zur klassischen Klinkenschnittstelle werden die Audiodaten digital an den Kopfhörer übermittelt. Der Digital-Analog-Wandler des iPhone wird übergangen, dafür sorgt ein Modul in der Muschel des Kopfhörer für die Wandlung der digitalen Daten in analoge.

          Vor etwa einem Jahr gab es deshalb schon mal die Spekulation, dass der klassische Klinkenanschluss bald ausgedient haben könnte. Apple hatte im Rahmen seines „Made for iPhone/iPod/iPad“-Programms (Mfi) neue Vorgaben für die Verwendung eines Kopfhörers am Lightning-Anschluss veröffentlicht. Hersteller können ihre Kopfhörer somit so konzipieren, dass sie über die Auflade-Schnittstelle betrieben werden können und der klassische 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss unbenutzt bleibt. Unternehmen wie Philips haben dieses Vorgaben schnell umgesetzt.

          Digitaler Ausgang hat Vorteile

          Dadurch ergeben sich mindestens drei neue technische Möglichkeiten beim Betrieb eines iPhones mit einem Kopfhörer. Erstens kann ein aktiver Hörer, der etwa für seine Noise-Cancelling-Technik Energie benötigt, sich diese vom iPhone abzapfen, statt auf Batterien oder Akkus im Kopfhörer angewiesen zu sein. Zweitens können die Lightning-Kabel durch den mehrpoligen Aufbau die Funktionalität eines Headset-Kabels übernehmen. Drittens könnte die Lightning-Verbindung Daten digital mit einer Abtastrate von 48 Kilohertz weitergeben.

          In gewisser Weise wäre es konsequent von Apple, vollständig auf die Klinke zu verzichten. Ein kleinerer Anschluss am iPhone 7 wäre also so etwas wie eine Hintertür für all jene, die noch einen Kopfhörer auf herkömmliche Art und Weise betreiben wollen. Sie brauchten dafür nur einen Adapter. Andererseits könnte es auch der Hinweis von Apple sein: Liebe Hersteller, stellt eure Anschlüsse auf Lightning um, wir schließen bald diese Hintertür, sonst kommen eure Kopfhörer und unsere iPhones in Zukunft nicht mehr zusammen. Und dagegen hätten sehr viele etwas.

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