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Apple Keynote : Revolutioniert die iWatch die Welt der Smartwatches?

So stellt sich der Designer Martin Hajek die iWatch vor. Bild: Martin Hajek, www.martinhajek.com, @deplaatjesmaker

Noch ist es Spekulation, doch am Dienstagabend könnte Apple die iWatch präsentieren. Bisher konnte keine Smartwatch der Konkurrenten überzeugen. Gelingt es Apple, auch diese Produktkategorie zu revolutionieren?

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          Es ist an der Zeit, dass sich Apple der Sache annimmt. Was andere Hersteller bisher an Smartwatches präsentierten, überzeugte nicht wirklich. Auf der IFA in Berlin nahm der Hype um die Wearables olympische Dimensionen an. Nach dem Motto „Dabei sein ist alles“ zeigten Samsung, LG, Sony oder Asus stolz ihre Handgelenk-Computer. Doch die Produkte hatten keinen „Must-have“-Charakter. Dabei bemühen sich Hersteller wie Samsung redlich, ihrem brandneuen Topmodell den nötigen Glanz zu verleihen. Dass dies nicht gelingt, liegt möglicherweise an der Gerätekategorie selbst. Es gibt eben kein Killerfeature.

          Nehmen wir Samsungs Gear S als Beispiel. Die Koreaner hatten sie vor einem Jahr auf der IFA vorgestellt. Sie waren nicht die ersten, die eine Smartwatch serienreif entwickelt hatten:  Pebble und Sony waren beispielsweise schneller. Es war jedoch die erste PR-Kampagne, die derart professionell gestaltet war, dass die Öffentlichkeit mit dem Begriff „Smartwatch“ meist die Marke „Samsung“ in Verbindung brachte. Die Koreaner haben während des vergangenen Jahres ihre Computeruhr deutlich weiterentwickelt und -designt.

          Familienfoto: iWatch, goldenes iPhone 6 und iPhone 6 in schwarz-silber Bilderstrecke
          Familienfoto: iWatch, goldenes iPhone 6 und iPhone 6 in schwarz-silber :

          Die Gear S sieht viel schicker aus, setzt sich im Design von der klassischen Armbanduhr ab, hat einen gebogenen 2-Zoll-Bildschirm (360 x 480 Pixel), funktioniert ohne Smartphone-Anbindung, lässt sich dank Mobilfunk-Modul als Telefon verwenden, versteht die Eingabe per Sprache, ist nach IP67-Zertifzierung staub- und wasserdicht, misst die UV-Strahlung ebenso wie den Puls, ist aufgrund des Dual-Core-Prozessors recht flink und hält bei Dauernutzung mindestens einen Tag. Das Armband ist immer noch aus Plastik, die Kamera hat Samsung weggelassen.

          Eine Smartwatch ist immer noch ein Gadget

          Doch bei allem Respekt vor der Leistung der Samsung-Ingenieure und -designer: Warum sollte man sich eine Smartwatch wie die Gear S kaufen? Um die Uhrzeit ablesen zu können, ohne das Smartphone aus der Tasche ziehen zu müssen? Um Mails auf einen 2-Zoll-Bildschirm zu lesen, obwohl ich mich an den mindestens 5 Zoll großen Bildschirm der Phablets gewöhnt habe? Um zu telefonieren, indem ich den Mund gen Handgelenk richte und aus diesem die Worte meines Gesprächspartners kommen? Um zusätzlich ein Headset mitzuschleppen, damit nicht jeder hört, was mein Gegenüber sagt oder in Ruhe Musik hören zu können? Nein.

          Smartwatches sind immer noch im wahrsten Sinne des Wortes „Gadgets“, also nicht mehr als Spielzeuge für Technikfreunde. Man fällt mit ihnen auf, sie erzeugen Aufmerksamkeit. Wer sie trägt, macht seine moderne Haltung explizit. Der Träger sieht nicht so doof aus, wie mit einer Google Glass. Aber er sagt allen: Schaut mal her, ich bin stolzer Besitzer einer Smartwatch! Dabei wird er weiterhin ein Smartphone in der Tasche haben, das genau das gleiche kann und noch viel mehr. Besitzer der Gear S können allerdings mit zwei Funktionalitäten, Geschmack auf die Computeruhren machen.

          Gehend und laufend durch die Stadt

          Die Navigation ist ganz praktisch. Man sieht nicht selten Menschen, die mit ihrem Smartphone vor sich durch die Straßen einer Stadt gehen, um den blauen Punkt in Google Maps zu folgen. Das lenkt ab und kann gefährlich werden. Mit der Gear S lässt man sich per einfacher Pfeil-Navigation, Meterangabe und Vibrationswarnung lenken. Den Überblick behält man mit der Kartenfunktion, die auf Nokias Kartendienst Here basiert. Die Funktionalität für Sportler erscheint zunächst ebenso praktisch. Die Smartwatch misst mit einem Sensor den Puls, die Geschwindigkeit und die Entfernung mit dem GPS-Modul. Mit einer App speichert man die Daten und analysiert sie auf dem Smartphone.

          Doch das können Trainingsuhren von Garmin, Suunto und Polar auch. Und mit ihnen lässt sich der Trainingserfolg zu Hause am Rechner viel genauer auswerten. Ein ambitionierter Sportler würde weiterhin zu einer solchen GPS-Uhr greifen, eine Smartwatch wäre kein adäquater Ersatz. Zudem muss auch das Design einer Computeruhr dafür vorgesehen sein, Lederarmband-Metallgehäuse-Varianten wie die von Asus taugen dafür nicht.

          Was könnte nun also Apple am Dienstagabend vorstellen, das sich so deutlich von der Gear S und anderen Smartwatches abhebt, dass eine junge Produktkategorie einen Sinn bekommt?

          Spielt Apple seinen Trumpf mit Sensoren aus?

          Die Gesundheitsfunktionalität könnte ein Schlüssel zum Erfolg sein - gerade für Apple. Im Juni hatte Tim Cook auf der Keynote unter anderem auch „Health Kit“ vorgestellt. Es ist eine App, die es im neuen Betriebssystem iOS 8 geben wird, das vermutlich am Dienstagabend in der finalen Version ebenso vorgestellt wird. Die Software „Health Kit“ würde mit einer iWatch die entsprechende Hardware an die Seite bekommen. Sie sammelt Gesundheits- und Fitnessdaten, um sie auszuwerten und schick darzustellen. Apple selbst nennt als mögliche Daten auf seiner Homepage Herzfrequenz, verbrannte Kalorien, Blutzucker und Cholesterin. Das würde weit über das hinaus gehen, was aktuelle Smartwatches oder GPS-Uhren an Daten sammeln.

          Apple würde den Einsatz einer Computeruhr auf eine neue soziale Ebene heben. Sie würde zur Messstation des menschlichen Körpers, die bei Bedarf noch mit den Diensten von Ärzten oder Krankenhäusern gekoppelt sein könnte. Die iWatch oder iTime (letzteres ist wahrscheinlich, weil dieser Name in einem Patent von Apple auftaucht) wäre ein echtes Lifestyle-Produkt. Schon jetzt kritische Stimmen laut, die darin die Gefahr sehen, dass das offensive Sammeln solcher Gesundheitsdaten zu Folgen im Gesundheitssystem führen könnten.

          Apple könnte mit „Health Kit“ viele App-Entwickler inspirieren, damit diese den stagnierenden Markt wieder anheizen, weil nach Vorstellung eines solchen Wearables großer Bedarf an spezifischen Apps entstehen dürfte.

          Am Dienstagabend werden wir mehr wissen, wenn Tim Cook seine Keynote im Flint Center for Performing Arts in Cupertino hält und neben einer möglichen iWatch auch wahrscheinlich zwei neue iPhone 6-Modelle präsentieren wird. Wir berichten live ab 18 Uhr in unserem Blog.

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