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Apple Keynote : Sensibles iPhone, riesiges iPad

  • -Aktualisiert am

Phil Schiller präsentiert die iPhones Bild: AP

Apple hat das iPhone 6s, iPad Pro und Apple TV vorgestellt. Es war kein Feuerwerk, aber diese Ideen werden zünden.

          5 Min.

          Zwei neue iPhone-Modelle, zwei neue iPads und ein neues Apple TV: Diese Veranstaltung von Apple hat sich gelohnt. In Kalifornien wurden am Mittwoch das iPhone 6s und das iPhone 6s Plus vorgestellt. Das elfte und zwölfte Gerät seit 2007 folgen der Bauform ihrer genau ein Jahr alten Vorgänger. Sie sind unwesentlich dicker, länger und breiter, was man allerdings nicht sieht, denn die Unterschiede liegen im Bereich der Zehntelmillimeter. Die Änderungen sind einem neuen Material geschuldet – 7000er Aluminium – und der Verstärkung an neuralgischen Gehäusepunkten. Das Gehäuse wird widerstandsfähiger und besser gegen Verbiegen geschützt.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Kameraeinheit wird neu gestaltet, es gibt einen Megapixel-Sprung: Apple verabschiedet sich von der 2011 mit dem iPhone 4S eingeführten Auflösung von 8 Megapixel und bietet künftig 12 Megapixel mit einer Optik, die erstmals Videoaufnahmen im 4K-Format erlaubt. Das iPhone ist nicht das, aber eines der ersten Geräte für 4K, und mit der erweiterten Auflösung ist auch gleich der Anschluss an die aktuelle Generation der 4K-fähigen Fernsehgeräte geschafft.

          Die erhöhte Auflösung für Foto und Film benötigt mehr Speicherplatz und beim Versand mehr Datenvolumen. Davon unbenommen hält Apple an den bisherigen Speicherplatzvolumina von wahlweise 16, 64 oder 128 Gigabyte Speicher fest, der wie gehabt nicht erweiterbar ist. 16 Gigabyte für das günstigste Einstiegsmodell sind knapp bemessen. Die Frontkamera setzt künftig auf 5 statt bisher 1,2 Megapixel.

          Neues iPhone und iPad : Große Show bei Apple

          Neuer Prozessor A9

          Es bleibt bei einem Display mit wahlweise 4,7 und 5,5 Zoll in der Diagonale sowie einer Auflösung von 1334 x 750 Pixel beim kleineren Modell und 1920 x 1080 Pixel beim größeren. Im Innern arbeitet ein neuer Prozessor mit der Bezeichnung A9, der deutlich schneller sein soll als der A8 im iPhone 6 und 6Plus und jetzt auf zwei statt einem Gigabyte Arbeitsspeicher zugreifen kann. Der Koprozessor, der sich um die kontinuierliche Bewegungs-Aufzeichnung sowie alle Fitness-Aktivitäten kümmert und den Schrittzähler des iPhone mit Informationen versorgt, heißt nun M9 und soll ebenfalls leistungsfähiger sein – und auf Wunsch permanent für Siri-Anfragen zuhören.

          Schneller geworden sind ferner der Fingerabdrucksensor und das Mobilfunkmodul, das den LTE-Standard Cat 6 erreicht, der ein Maximaltempo bis 300 MBit/s vorsieht. Diese Angabe steht jedoch zunächst nur auf dem Papier, im Praxiseinsatz kommt man in Deutschland auf typische LTE-Geschwindigkeiten zwischen 10 bis 50 MBit/s.

          Multitouch: Der Druck des Fingers zählt

          3D Touch ist eine weitere Innovation: Aus dem berührungsempfindlichen Display wird zusätzlich ein druckempfindliches. Das Gerät erfasst mit Sensoren rund um die Anzeige einen stärkeren Druck des Fingers und führt eine andere Funktion aus als bei leichtem Berühren. Die Technik gibt es bereits bei der Apple Watch, für das jüngste Macbook und beim Huawei-Smartphone Mate S. Mit 3D Touch werden bestimmte Kommandos schneller aufgerufen, um zum Beispiel einen Punkt in der elektronischen Landkarte mit einer einzigen Aktion zu markieren und gleichzeitig die Routenführung zu starten.

          Wie beim Trackpad des Macbook gibt ein elektromagnetischer Motor ein taktiles Feedback, das sich verblüffend realistisch anfühlt. Den festen Fingerdruck nutzen auch die Live Photos: Sie erweitern das Foto zu einem Mini-Video mitsamt Ton. Das iPhone 6s und 6s Plus kommen in vier verschiedenen Farben (neu ist Roségold) zu Preisen zwischen 740 bis 1070 Euro am 25. September in den Handel.

          iPad Pro: Der Stift kostet 100 Euro

          Das iPad Pro ist das neue Riesentablet aus Cupertino und kommt erst im November. Es hat die Bildschirmdiagonale eines Laptops (12,9 Zoll) und eine dementsprechende Auflösung von 2732 x 2048 Pixel. Das Pro ist nach dem iPad in Standardgröße (Air 2, 9,7 Zoll, 2048 x 1536 Pixel) und dem iPad Mini (7,9 Zoll, 2048 x 1536 Pixel) die dritte Variante des Tablet PC von Apple und soll sich besonders gut für alle multimedialen Aufgaben eigenen. Es lässt sich erstmals auch mit einem Stift bedienen, dem ebenfalls neuen Apple Pencil.

          Auch gibt es eine Zusatztastatur, die zugleich als Halterung dient. Das iPad Pro startet in der günstigsten Variante ohne Mobilfunk bei 800 Dollar, der Stift kostet 100 Euro, das Smart Keyboard 170 Dollar. Auch das iPad Mini wird geringfügig überarbeitet und geht nun mit der inoffiziellen Kennziffer 4 an den Start.

          Apple TV: Siri soll die Bedienung kräftig unterstützen

          Die Wohnzimmerbox Apple TV geht in die vierte Runde, die letzte Variante stammte aus dem Jahr 2012. Das neue schwarze Kästchen, mit dem man Filme sehen oder seine Fotos aus der iCloud auf den TV-Bildschirm bringen kann, hat einen stärkeren Prozessor (den A8), eine neue Fernbedienung und kommt mit Siri-Unterstützung in zwei Modellvarianten, mit 32 und mit 64 Gigabyte Speicher. Siri soll die Bedienung kräftig unterstützen, die Sprachassistentin kann künftig komplexe Anfragen verstehen und beantworten und soll als eine Art Familienratgeber bei der Auswahl des abendlichen Filmprogramms behilflich sein.

          Die neue Fernbedienung mit berührungsempfindlichem Bereich und die besonders hervorgehobene Unterstützung von Spielen zeigen, dass Apple TV ein Rivale für die angestammten Konsolen werden soll. Etwas enttäuschend: Von einer 4K-Unterstützung war nicht die Rede. Die Zukunft des Fernsehens seien die Apps, hieß es, und dafür sei das neue Apple TV, das im Oktober erhältlich ist, die Voraussetzung.

          iOS 9: Modernisierte Betriebssystem für das iPhone und das iPad

          iOS 9 ist das vorsichtig modernisierte Betriebssystem für das iPhone und das iPad. Wie immer gilt bei Apple: Selbst ältere Geräte arbeiten mit der jungen Software zusammen, sie wird als finale Version vom 16. September an gratis zur Verfügung gestellt. Kenner bemerken auf Anhieb die edle Systemschrift „San Francisco“ und die Task-Übersicht mit App-Bildschirmen zum Durchblättern anstelle der bislang gezeigten Miniaturen laufender Anwendungen. Endlich zeigt die Tastatur kleine Buchstaben, wenn die Großschreibung nicht aktiviert ist, und die alte Suchgeste aus iOS 6 ist ebenfalls zurück.

          Mit einem Wisch nach rechts auf dem Startbildschirm gelangt man zur neuen Spotlight-Suche, die nun auch Inhalten aus Apps integriert. iOS 9 soll sparsamer mit dem Akku umgehen und eine längere Laufzeit bieten. Wie bei den rivalisierenden Betriebssystemen Android, Blackberry und Windows Phone gibt es einen Stromsparmodus, der nach Aktivierung die Laufzeit abermals verlängert. Dazu werden Push-Dienste abgeschaltet, und Anwendungen aktualisieren sich nicht mehr im Hintergrund. In den Einstellungen lässt sich zudem ablesen, welche Apps den meisten Strom verbraucht haben.

          Siri soll klüger werden

          Apples Assistentin Siri soll klüger werden, sie wird zum proaktiven Assistenzsystem und schlägt zum Beispiel passende Apps zum richtigen Zeitpunkt in der linken unteren Ecke des Sperrbildschirms vor. Etwa morgens als erstes den Wetterbericht. Siri startet selbsttätig die zuletzt gehörte Musik, wenn der Nutzer einen Kopfhörer anschließt. Termineinladungen, die als E-Mail ankommen, landen automatisch als vorläufiger Termin im Kalender, Erinnerungen sollen ebenfalls im Kalender erscheinen. Bei Anrufen von einer unbekannten Rufnummer wird geprüft, ob diese vielleicht in einer E-Mail auftaucht, dann wird der zugehörige Name eingeblendet.

          Das iPad soll mit iOS 9 mehr denn je als Notebook-Ersatz dienen. Die Bildschirmtastatur lässt sich wie ein Trackpad nutzen, und wie im neuen Mac-Betriebssystem OS X El Capitan kann man zwei Apps in separaten Fenstern nebeneinander nutzen. Beide laufen parallel mit Multitasking. Der Mehrfenster-Modus arbeitet auf dem iPad Air 2 und auf den beiden Neuerscheinungen iPad Pro und iPad Mini 4. Auf älteren Geräten gibt es immerhin zwei neue Ansichten, nämlich „Slide Over“, um eine zweite App vom rechten Bildschirmrand aus zu aktivieren und „Bild in Bild“, um Videos in einem eigenen Fenster laufen zu lassen.

          Apples Safari-Browser in der mobilen Version unterstützt das Blockieren von Web-Inhalten, und das wird überwiegend Werbung sein. Schon ist der Aufschrei der Verlage zu hören. Aber die ersten Erfahrungen mit dem neuen Safari sprechen eine deutliche Sprache: Der Seitenaufbau ohne Ballast und unsichtbare Tracking-Dienste erfolgt nahezu doppelt so schnell, und das eingesparte Datenvolumen ist beachtlich.

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