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Nach der Keynote : Apple hat sich mit dem iPhone 7 nur leicht abgesetzt

Das iPhone 7 Plus Bild: Apple

Das iPhone 7 ist ein erstklassiges Smartphone. Doch die Konkurrenz in der Android-Welt ist mittlerweile sehr stark: Apple kann sich mit diesem Modell nicht weit absetzen.

          Eigentlich gibt es in der Welt der Smartphones nur noch das iPhone und die anderen. Die anderen sind die Androiden. Apple und Google teilen sich die Welt auf, Microsoft und Blackberry sind raus.

          Als Steve Jobs 2007 das iPhone in die Welt brachte, begann ein Wettlauf. Alles drehte sich um eine Frage: Wer kann wann zu Apple aufschließen? Anfangs kopierte die Konkurrenz ohne Skrupel, es kam sogar zu Prozessen. Doch nach wenigen Jahren emanzipierten sich einige Hersteller und gingen ihren eigenen Weg. Es kam immer häufiger vor, dass Apple auf seinen Keynotes Funktionen am iPhone feierte, die es längst auf Android-Geräten gab. Das betraf nicht nur das Betriebssystem, sondern auch die Hardware.

          So konnte man im Vorfeld der Keynote vom Mittwoch alle Spekulationen zusammentragen - die im Übrigen nahezu alle bestätigt wurden -, um bei jeder Funktion ein Haken dahinter zu setzen. Doppelkamera? Hat das Huawei P9. Kein physischer Homebutton? Hat das HTC 10. Normale und Plus-Variante? Haben auch viele andere. Wasser- und staubdicht? Hatte Sony schon vor drei Jahren. Display mit erweitertem Farbraum? Hat Samsung schon länger. Schneller Prozessor? Qualcomm versorgt die Android-Welt jährlich mit flotten Snapdragon-Chips. Viel Arbeitsspeicher? Damit überbieten sich gerade die chinesischen Hersteller.

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          Es gibt daher wenig alleinstehende Merkmale, mit denen Apple an diesem Mittwoch auf der Bühne Punkte machen konnte. Bis auf eines: Als erster Smartphone-Hersteller lassen sie die Klinke weg, was dem Nutzer allerdings zunächst wenig bringt, denn die beiden übrig gebliebenen Ausgänge, Bluetooth und Lightning, waren vorher schon da.

          Das sei mutig, sagt Apple, längst überfällig und der dadurch entstehende Platz würde benötigt. Technisch gesehen ist das in der Tat die richtige Entscheidung. Die Signale werden dem Kopfhörer digital übergeben, dieser kann sich auf die Wandlung und Verstärkung konzentrieren. Diesen Vorteil haben auch schon einige Hersteller genutzt und bieten ihre Modelle mit Lightning-Anschluss an.

          Den Verzicht auf die 3,5-Millimeter-Klinke verkauft Apple also als wichtigen Schritt für besseren Klang. Doch genau dieser ist ihnen dieser bei der Bluetooth-Schnittstelle egal. Den von Audiophilen hochgelobten apt-X-Codec unterstützt Apple jedenfalls nicht.

          Dass Apple mit dieser Umstellung sehr viel Geld verdienen wird, wenn die Hersteller ihre Modelle mit Lightning ausrüsten, müssen sie extra nicht erwähnen. Jeder Chip, der an einem neuen Kopfhörer hängt, bringt Apple Geld, da der Einbau einer Lightning-Schnittstelle Lizenzgebühren kostet.

          Vieles in einem

          Dennoch hat das iPhone einen entscheidenden Vorteil: Die Funktionen, die andere Smartphones auch haben, sind beim Apple-Gerät meist auf höchstem Niveau. Eigentlich hat es in den vergangenen Jahren nur Samsung geschafft, bei wichtigen Merkmalen auf einen Stand mit Apple zu kommen. Nachdem wir jahrelang die Kamera des iPhone als Referenz benutzt haben, sind wir im letzten Jahr auf das S7 von Samsung als zu vergleichendes Gerät umgestiegen. In Sachen Display haben die Koreaner schon lange die Nase vorn. Die Prozessorleistung ist ebenbürtig, wasserdicht sind die Smartphones der Koreaner schon länger.

          Nach dem Mittwochabend hat sich Apple noch einmal leicht abgesetzt. Die Flexibilität der Schärfentiefe hat auf den Bildern, die auf der Keynote gezeigt wurden, überzeugt. HTC hatte eine ähnliche Technik schon einmal versucht, allerdings mit bescheidenem Ergebnis. Die Airpods überraschen weniger, weil es die Idee und Umsetzung schon gibt. Auch von Samsung. Die Gear Icon X haben ähnliche Funktionen. Und Sony spekuliert mit seinem Ear, dass Nutzer solche Anwendungsfälle suchen.

          Die Frage, ob das iPhone 7 besser ist als das 6s ist schnell beantwortet: Ja. Und das muss bei einem neuen Modell auch sein. Und die Frage, ob es das 7er oder das 7 Plus sein soll, ist in diesem Fall ebenfalls schnell beantwortet: Das Plus, denn es hat die Doppelkamera. Für das iPhone 7 gibt es genügend Konkurrenz in der Android-Welt. Wer das 6s schon besitzt, kann sich das Geld sparen.

          Wenn sich Samsung von seiner Rückruf-Aktion des Note 7 wieder erholt hat, das im Übrigen mit seinem Stift über ein echtes Alleinstellungsmerkmal verfügt, werden die Koreaner wieder angreifen. Und die Chinesen sowieso. Apple ist mit dem iPhone 7 auf keinen Fall enteilt. Man liegt zwar vorn, ist aber in Sichtweite.

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