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Apple iPhone 7 und Watch 2 : Die Innovation liegt im Detail

  • -Aktualisiert am

iPhone 7: Jetzt in fünf Farben Bild: Apple

In Kalifornien hat Apple am Mittwoch seine Produkte des nächsten Modelljahrs vorgestellt – und setzt auf Evolution statt Revolution. Es gibt ein neues iPhone und eine neue Apple Watch.

          Zwei neue iPhone-Modelle und eine neue Smartwatch. In Kalifornien hat Apple am Mittwoch seine Produkte des nächsten Modelljahrs vorgestellt – und setzt auf Evolution statt Revolution. Smartphone und Uhr werden vorsichtig modernisiert. Es gibt kein neues Design, sondern viele kleine Fortschritte. Die Innovation liegt im Detail. Und in neuen Farben.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das iPhone 7 und iPhone 7 Plus folgen der Bauform der 6er-Modelle und scheinen sich auf den ersten Blick kaum von ihnen zu unterscheiden. Indes fehlt der Kopfhörerausgang, also die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse an der Unterseite, die zugleich Mikrofoneingang ist. Gleichzeitig entfällt der mechanische Home-Button und wird durch eine berührungsempfindliche Force-Touch-Variante ersetzt, wie sie auch im Trackpad der Macbook-Rechner zum Einsatz kommt.

          Mit dem Wegfall des Kopfhöreranschlusses muss man entweder Bluetooth-Kopfhörer verwenden oder Ohrenstöpsel mit Lightning oder einen Adapter, der mitgeliefert wird. Neu vorgestellt wurden ferner drahtlose Ohrenstöpsel, Air Pods, die bis zu fünf Stunden Musikwiedergabe bieten sollen und sich natürlich auch zum Telefonieren eignen. Sie kommen Ende Oktober für 160 Euro in den Handel.

          Das neue Plus-Modell der beiden iPhones hat eine Dual-Kamera mit zwei Objektiven an der Rückseite. Die Optik ragt deutlich aus dem Gehäuse heraus. Die verbesserte Einheit löst so hoch auf wie die Vorgängermodelle, nämlich mit 12 Megapixel. Der Vorteil der Doppellinse: Ohne bewegliche mechanische Teile kann man mit unterschiedlichen Brennweiten arbeiten, einen optischen Zoom realisieren und mit Schärfentiefe bei Portraitfotos experimentieren. Neu sind solche Tricks mit zwei Objektiven nicht, die jüngsten Huawei-Modelle verwenden eine ähnliche Technik.

          Bessere Fotos benötigen mehr Speicherplatz. Deshalb wird der (wie immer nicht erweiterbare) Speicher der neuen Geräte vergrößert. Das kleinste Modell des iPhone 7 hat nun 32 statt wie bisher 16 Gigabyte, das größte bringt es auf 256 Gigabyte, das ist das Volumen einer Standard-SSD-Festplatte im Notebook. Dazwischen liegt als Mittelgröße 128 Gigabyte.

          Display-Technik des iPad Pro

          Die Anzeige behält Größe und Auflösung bei. Das iPhone 7 hat eine Bildschirmdiagonale von 4,7 Zoll mit einer Auflösung von 1334 x 750 Pixel, das 7 Plus bringt es auf 5,5 Zoll mit 1920 x 1080 Pixel. Die Konkurrenz ist mittlerweile bei höheren Auflösungen angelangt, die man beispielsweise im Zusammenspiel mit einer VR-Brille benötigt. Dafür ist das iPhone noch immer nicht gerüstet. Die Überraschung von Apple ist indes die Verwendung der Display-Technik des iPad Pro, welche Bilder und Videos mit einem größeren Farbraum in exzellenter Qualität zeigt.

          Das neue iPhone 7 Plus gibt es in zwei neuen Farben: Jet Black und Black Bilderstrecke

          Erstmals ist das iPhone nach der Schutzklasse IP 67 gegen Staub und Wasser geschützt. Im Innern des iPhone 7 arbeitet ein überarbeiteter Prozessor mit der Bezeichnung A10 Fusion, der deutlich schneller sein soll als die Vorgänger. Der Koprozessor, der sich um die kontinuierliche Bewegungs-Aufzeichnung sowie alle Fitness-Aktivitäten kümmert und den Schrittzähler des iPhone mit Informationen versorgt, heißt nun M10 und soll ebenfalls leistungsfähiger sein. Das Mobilfunkmodul erreicht einen neuen LTE-Standard mit bis zu 450 Mbit/s.

          Das iPhone 7 und iPhone 7 Plus kommen in fünf verschiedenen Farben: In Deutschland kommt es ab Preisen von 759 Euro (iPhone 7) und 899 Euro (iPhone 7 Plus) mit 32 Gigabyte am 16. September in den Handel. Die Farbe Spacegrau entfällt, neu sind ein dunkles Schwarz und ein glänzendes Klavierlack-Schwarz.

          Apple-Watch-Gehäuse aus weißem Keramik

          Die Apple Watch wurde vor zwei Jahren, im September 2014, angekündigt und ist seit April 2015 im Handel. Nun kommt die zweite Version der Hardware, die Apple Watch 2. Es bleibt bei drei Modellvarianten. Die reguläre Apple Watch mit Edelstahlgehäuse und Saphirglas, die günstigere Sport-Reihe aus Aluminium mit gehärtetem Glas sowie die Luxusvariante Apple Watch Edition aus 18-karätigem Gold und Saphirglas. Neu ist ein Gehäuse aus weißem Keramik. Weiterhin gibt es zwei Größen, 38 und 42 Millimeter und diverse Armbänder in verschiedenen Materialien und Farben. Die neue Apple Watch sieht aus wie die alte, hat aber ein helleres Display und ist wasserdicht bis zu 50 Meter Tauchtiefe. Ferner ist GPS eingebaut, was nicht nur die Ortung ohne iPhone erleichtert, sondern auch das Tracking vieler Sportaktivitäten draußen. Die Uhr ist zu Preisen von 420 Euro an noch im September erhältlich.

          Das Betriebssystem Watch OS 3 für die smarte Armbanduhr ist eine Zäsur, es wird auch für die erste Modellvariante bereitgestellt. Das Bedienkonzept wurde grundlegend überarbeitet. Wer künftig die schmale Seitentaste der Uhr drückt, landet nicht mehr in der Freundesliste, sondern in einem Dock, das sich mit bis zu zehn Apps frei belegen lässt und die zuletzt benutzten aufführt. Die Freundesliste hat wohl kaum jemand verwendet, mit Ausnahme Frischverliebter, die sich von Watch zu Watch ihren Herzschlag senden konnten. Digital Touch, so hieß die Funktion, ist künftig ein Teil von iMessage, sowohl auf der Uhr wie auch der Nachrichten App von iOS.

          Mehrere Sport-Messwerte in einer Ansicht

          Apps im Dock sollen nahezu sofort präsent sein, die lästige Wartezeit zum Laden und Aktualisieren entfällt. Auch die Checks, die mit einem Fingerwisch vom unteren Bildschirmrand nach oben erschienen, hat Apple entsorgt. Diese Fingerbewegung bringt jetzt ein Kontrollzentrum zur Ansicht. Mit neuen Zifferblättern werden zum Beispiel die Aktivitätsringe für Bewegen, Trainieren und Stehen groß dargestellt. Ferner lässt sich schneller von einem Ziffernblatt zum nächsten wechseln. Sportler können mit der erweiterten Aktivitäts-App ihre Trainingsdaten mit anderen teilen – und ein virtuelles Kräftemessen auf den Weg bringen. Die App auf der Uhr kann mehrere Sport-Messwerte in einer Ansicht darstellen und pausiert die Aufzeichnung automatisch, wenn das Training stoppt, beispielsweise an der roten Ampel.

          Hält man die Seitentaste der Uhr länger als sechs Sekunden gedrückt, wird eine Verbindung zu einer Notrufzentrale aufgebaut. Da der Aufenthaltsort bekannt ist, wird gleich die richtige Notrufnummer gewählt. Neuere Macs lassen sich mit Hilfe der Uhr aus dem Standby entsperren.

          Es sei das größte iOS-Update aller Zeiten

          iOS 10 ist das vorsichtig modernisierte Betriebssystem für das iPhone und das iPad. Auch hier gilt, wie immer: Selbst ältere Geräte arbeiten mit der jungen Software zusammen, sie wird als finale Version gratis zur Verfügung gestellt. Es sei das größte iOS-Update aller Zeiten, hatte Apple bei der Vorstellung gesagt. Die erste unmittelbar sichtbare Änderung ist der neu gestaltete Sperrbildschirm und die ebenfalls neue Ansicht für Widgets, kleine Info-Fenster, die nun links von der ersten Homebildschirm-Seite zusätzlich erreichbar ist. Auch die Benachrichtigungen fallen nun wie die Widgets größer aus und sind besser lesbar. Aktionen lassen sich direkt in der Benachrichtigung ausführen. Das Kontrollzentrum (Fingerwisch vom unteren Bildschirmrand nach oben) hat eine eigene Ansicht für die Musikwiedergabe erhalten und liefert mehr Informationen, welcher Audio-Stream wo wiedergegeben wird.

          Die Sprachassistentin Siri lässt sich erstmals in vielen Dritt-Apps verwenden, beispielsweise in Whatsapp. Wer die zu Facebook gehörende Anwendung nicht mag, findet nun im hauseigenen iMessage eine üppige Auswahl multimedialer Elemente, Sticker, Bildchen und Dritt-Anwendungen, mit denen sich Nachrichten ebenso wie mit handschriftlicher Fingermalerei hübscher gestalten lassen. Jenseits von Emojis und bunten Zierelementen hat auch die Tastatur einige Verbesserungen erfahren. Die Wortvorschläge und die Autokorrektur passen sich fließend der verwendeten Sprache an, selbst beim Sprachwechsel innerhalb eines Satzes.

          Die Foto-App kommt mit verbesserter Suchfunktion sowie einer Gesichtserkennung. Die App erstellt automatisch Alben, etwa zu einem Ausflugswochenende und erlaubt die Suche nach Orten, Zeitpunkten und Kategorien wie etwa Fahrrad oder Strand. Die Objekt- und die Gesichtserkennung laufen nur auf dem Gerät selbst, nicht auf Servern von Apple. Damit soll der Datenschutz gewahrt bleiben.

          Ebenso ist auch Apples Karten-App verbessert worden. Sie versucht, Ziele vorherzusehen (über Termine oder oft besuchte Orte), merkt sich eigenständig den Parkplatz des Autos und erlaubt es, nach Orten entlang einer Reiseroute zu suchen, etwa der Tankstelle in der Nähe als Zwischenstopp. Homekit und Health wurden erweitert, und auf dem iPad kann man zwei Safari-Fenster in geteilter Ansicht nebeneinander anzeigen. Ferner lassen sich Apple-Apps vom Homescreen entfernen, aber nicht komplett löschen.

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