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Voice Dream Reader im Test : Mit den Ohren lesen

Lektüre in der Badewanne, von synthetischer Stimme vorgelesen Bild: F1online

Wer nicht sehen kann, muss hören: Das Smartphone liest mit Hilfe der App Voice Dream Reader vor. So wird aus dem Text nahezu von allein ein Hörbuch.

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          Selbst erfahrene Nutzer kennen die Bedienungshilfen ihres iPhones in der Regel nicht. Blinde und sehbehinderte Menschen profitieren jedoch seit Jahren von einigen Spezialfunktionen. Diese lassen sich auch dann sinnvoll einsetzen, wenn mit den Augen alles in Ordnung ist. Mit den Ohren lesen zu können, lautet das Versprechen. Wir haben es ausprobiert.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Zunächst Voice Over, das 2005 im Mac-Betriebssystem OS X 10.4 debütierte und die Rechnerbedienung für Blinde und Sehbehinderte erleichterte. Es gehört auch zum iOS-Betriebssystem von iPhone und iPad und ist mit seiner Bildschirmlesefunktion nichts für Sehende. Denn alles wird vorgesprochen, jede einzelne Schaltfläche. Blinde Menschen hingegen sind begeistert von diesem Screen Reader, sie können einen berührungsempfindlichen Bildschirm bedienen, was bis dahin als unmöglich galt.

          Die App ist teuer, aber gut
          Die App ist teuer, aber gut : Bild: Spehr

          Voice Over funktioniert mit sämtlichen Apple-Apps und vielen von Drittentwicklern. Spannender für den Normalnutzer sind die Funktionen Auswahl sprechen und Bildschirminhalt sprechen, die sich in den Bedienungshilfen unter Sprachausgabe finden lassen. Die zweite kann man dauerhaft eingeschaltet lassen. Wann immer man mag, lässt sich mit einem Zwei-Finger-Wisch vom oberen Bildschirmrand nach unten eine Vorlesefunktion starten, die mit synthetischer Stimme den gesamten Bildschirmtext wiedergibt. Das ist faszinierend, auch für Sehende. Eine lange E-Mail-Nachricht zum Beispiel wird mit der Siri-Stimme ausgegeben, etwas holprig, aber überaus verständlich, und das Sprechtempo lässt sich anpassen.

          Blinde Menschen, die eine Sprachausgabe täglich nutzen, stellen meist ein extrem hohes Tempo ein, selbst wenn die Natürlichkeit der schnell gesprochenen Sprache darunter leidet. Das Gehirn gewöhnt sich an die „schnellen Stimmen“, wie Blinde sagen, und nach einigem Training hören sie so flink, wie Sehende mit den Augen lesen. 400 Worte je Minute sind durchaus ein Standard-Hörtempo für Blinde, und in einigen amerikanischen Studien erreichten Probanden angeblich noch deutlich höhere Hörgeschwindigkeiten. Wer übrigens einen Screen Reader für die Windows-Welt sucht, schaue nach dem Open-Source-Projekt NVDA oder dem kostenpflichtigen Jaws.

          Man kann Stimme und Sprechtempo auswählen
          Man kann Stimme und Sprechtempo auswählen : Bild: Spehr

          Auf dem iPhone, iPad und sogar der Apple Watch steht Voice Over stets parat, und eine weitere Finesse ist die Fähigkeit der Software, die Bildschirmsprache automatisch zu erkennen und die akustische Ausgabe entsprechend anzupassen. Die meisten synthetischen Stimmen gibt es in einer Standardversion und einer erweiterten mit besserer Akustik. Man prüfe unter Sprachausgabe und Stimmen. Weiterhin funktioniert Voice Over auch mit Bluetooth-Wiedergabegeräten wie Headsets, Lautsprechern und Freisprecheinrichtungen im Auto.

          Meist stören während der Wiedergabe, vor allem von Internetseiten, die vielen kleinteiligen Textelemente um den eigentlichen Haupttext herum. Das will man gar nicht hören. Empfehlenswert ist der Einsatz eines Später-Lesen-Tools wie etwa Instapaper, Readability oder Pocket. Diese Dienste arbeiten mit Leselisten und versuchen, nur den Inhalt mitsamt zugehöriger Bilder darzustellen. Das Beiwerk bleibt außen vor. Man speichert, etwa im Web-Browser (auf dem Mobilgerät oder am Rechner) im jeweiligen Dienst, und liest später. Mit der reduzierten, schlichten Darstellung kommt Voice Over deutlich besser zurecht. Und es liest auch, wir haben es mit Instapaper probiert, einen noch so langen Artikel komplett vor, selbst wenn er nicht mehr auf eine Bildschirmseite passt.

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