https://www.faz.net/-gy9-97zfg

Satellite von Sipgate : Ohne Sim, oft ohne Sinn

Nur für iPhone und iPad Bild: Screenshot Spehr

Ein deutscher Anbieter bastelt an einer spannenden Voip-App fürs Handy. Satellite heißt das Produkt des Herstellers Sipgate. Die App gibt es derzeit nur für iPhone und iPad.

          2 Min.

          Noch nie war Deutschland so digital wie heute, jedenfalls in der Sprachtelefonie. Gespräche werden nicht mehr mit einer Leitung von A nach B geführt, sondern mit Voice over IP (Voip) in kleinen Datenhäppchen, die sich ihren Weg selbst suchen. Voip ist keine Revolution, sondern eine alte und bewährte Technik. Man kann damit ausgiebig experimentieren, zum Beispiel eine englische Voip-Rufnummer mitsamt Zugangsdaten in seiner in Deutschland installierten Fritzbox eintragen, und ist fortan unter einer Londoner Vorwahl in Frankfurt erreichbar.

          Michael Spehr
          (misp.), Technik & Motor, Wirtschaft

          Ebenfalls kein Hexenwerk ist die Nutzung des Handys als Schnurlostelefon im Haus: Mit der Telekom-App namens Hometalk funktioniert das einwandfrei. Sogar bei Freunden in deren W-Lan, allerdings nur, wenn das W-Lan zu einem Telekom-Anschluss gehört. Da alle Protokolle und Verfahren für die Voip-Telefonie standardisiert sind, fragt man sich, warum die Telekom einen Zaun rund um ihr eigenes Netz errichtet.

          Nun bastelt ein deutscher Anbieter an einer spannenden Voip-App fürs Handy. Satellite heißt das Produkt des Herstellers Sipgate, und hier wird leider ebenfalls restriktiv gearbeitet, obwohl die Technik deutlich leistungsfähiger ist. Das Interessante an Satellite besteht darin, dem Kunden eine eigene Handy-Rufnummer mit der Vorwahl 015678 zur Verfügung zu stellen, ohne dass eine Sim-Karte erforderlich wäre. Man kann unentgeltlich bis zu 100 Minuten im Monat in alle EU-Netze telefonieren – und ist natürlich auch für ankommende Gespräche erreichbar. Wer die Rufnummer intensiver nutzen will, bucht für 5 Euro im Monat eine Europa-Flatrate.

          Wir konnten im Büro nicht anrufen

          Die App gibt es derzeit nur für iPhone und iPad; Android ist angekündigt. Wir haben das Ganze ausprobiert, der erste Stolperstein ist die Zwangsregistrierung mit Name und Postanschrift. Nach einigen Tagen erhält man einen Brief mit Freischaltcode. Erst dann kann man telefonieren. Abgehend vom iPhone aus funktioniert das prima, ankommend hatten wir jedoch etliche Probleme: Aus dem Vodafone-Netz heraus werden keine Anrufe durchgestellt. Das Problem ist Sipgate bekannt. Auch die internationale Erreichbarkeit ist derzeit nicht gegeben. Wir konnten im Büro unsere eigene Satellite-Rufnummer ebenfalls nicht anrufen. Schon während des Wahlvorgangs kam das Besetztzeichen. SMS funktionieren überhaupt nicht und damit alle auf einer Bestätigungs-SMS beruhenden Dienste wie etwa Whatsapp oder Homebanking ebenfalls nicht. In diesem Sinne ist Satellite derzeit nur ein Anfang, aber noch kein ausgereiftes Produkt.

          Die Sprachtelefonie, wenn sie funktioniert, hat eine ordentliche Akustik, sofern man in einem Mobilfunknetz mit schnellem Datentransport eingebucht ist. LTE oder eine der höheren Ausbaustufen von UMTS sollten es schon sein. Auf dem Land mit Edge oder GPRS kommt man nicht weit. Auch wenn Satellite keine Sim-Karte erfordert, ist eben doch eine funktionierende Datenverbindung unabdingbar.

          Auf dem iPhone integriert sich Satellite dank Apples Callkit bestens in die Telefoniefunktion. Callkit bedeutet, dass ein Anruf von externen Diensten so signalisiert wird ein herkömmliches Telefonat. Auf dem iPad kann man sich mit demselbem Login ebenfalls anmelden. Abgehende Anrufe funktionierten bei uns, ankommende werden auf beiden Geräten signalisiert. Am iPad kann man jedoch keinen Anruf entgegennehmen. Indes: Wenn irgendwann alles läuft, könnte man Satellite als Familienrufnummer einrichten, ein charmanter Gedanke.

          Verpasste Anrufe landen auf der Mailbox, und recht pfiffig ist die Idee, die Nachricht nach dem Eintreffen mit Spracherkennung gleich zu transkribieren. Das gelingt nicht immer fehlerfrei, aber wie bei dem gesamten Produkt gilt: Der Wille zählt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nicht alle zahlen hohe Steuern: Passanten gehen auf der Bahnhofstraße durch die Innenstadt von Hannover.

          IW-Studie : Wer trägt welche Steuerlast?

          Allen Steuertarifkorrekturen zum Trotz: Auf die unteren 70 Prozent entfallen 21 Prozent der Einkommensteuer – wie schon 1998. Damit zahlen 30 Prozent aller Haushalte in Deutschland fast 80 Prozent dieser Abgabe.

          Kampf gegen Mafia : Verbrecherjagd bei Facebook und Youtube

          Die `ndrangheta ist eine der mächtigsten kriminellen Organisationen der Welt. Interpol hat den Kampf gegen die kalabrische Mafia deswegen zur Priorität gemacht – und schon erste Erfolge erzielt.

          TV-Kritik: Anne Will : Laschet kann sie alle schaffen

          Will Armin Laschet Kanzler werden, muss er in die Offensive. Sein Stehvermögen zeigt er bei Anne Will. Nur Klimaaktivistin Luisa Neubauer liefert sich mit ihm einen starken Schlagabtausch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.