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Standortverfolgung von Android : Ich weiß etwas, was du nicht siehst

152 von uns besuchte Orte protokolliert

Auf einen Blick ist erkennbar, wo man mit seinem Android-Handy in den letzten Jahren gewesen ist. Darunter die mehrtägigen Reisen geradezu Schritt für Schritt: 8 Uhr morgens Ankunft am Flughafen, eine Stunde und 51 Minuten im Flugzeug. 11.07 Uhr Landung in Zagreb, anschließend 16 Kilometer und 25 Minuten Autofahrt in die Innenstadt. Und von dort aus weiß Google absolut exakt, was wir Anfang Januar in der Hauptstadt Kroatiens gemacht und welche Orte wir besucht haben: 700 Meter Fußweg zum Museum of Arts and Crafts, Aufenthaltsdauer dort: 51 Minuten. Alles ist unfassbar detailliert aufgezeichnet. Für die vergangenen zwei Jahre hat Google 152 von uns besuchte Orte protokolliert, darunter lassen sich die meistbesuchten mit einem Mausklick aufrufen. Sogar der Stopp an Tankstellen und Rastplätzen ist vermerkt.

Noch erschreckender ist, dass Google für den Besuch in einem großen Kronberger Geschäftshaus zielsicher den zutreffenden Aufenthalt bestimmt hat. Wir waren nicht in der Sparkasse, nicht in der Apotheke und nicht zum Essen beim Italiener. Google weiß: Es war der Arzt. Zugriff auf den Kalender, in dem der Termin eingetragen war, hat Google übrigens nicht. Genau das Gleiche beim Zahnarzt. Google hatte mehrere Parteien in dem betreffenden Haus zur Auswahl. Einige wenige Zuordnungen sind jedoch falsch, längere Aufenthalte in der unmittelbaren Nähe von Gewerbebetrieben oder Hotels werden diesen zugerechnet, und bei anderen Orten fragt Google nach, ob die vermutete Zurechnung stimmt. Jedoch: Mit dem Google-Standortverlauf kann man jeden einzelnen Tag seines Lebens minutengenau zurückverfolgen. Man sieht, wie viele Minuten man für den Nachhauseweg benötigt hat und wie viele Minuten der Zwischenstopp beim Bäcker kostete. Jede kleine Marotte ist erkennbar. Das alles ist, wie gesagt, nur das Rohmaterial. Schon der erste Blick zeigt einem, wie regelmäßig der Beobachtete zwischen Arbeit und Zuhause pendelt, wie er oft er abends ausgeht und wohin, zum Sportverein oder in die Bar, wie oft er reist und welche Ziele er während des Urlaubs ansteuert.

Vor dem Ausspähen durch Google kann man sich nicht schützen, wenn man Google-Produkte einsetzt. Wer Android verwendet, ist automatisch und unwiderruflich mit dabei. Da hilft es auch nichts, ein Google-Konto unter falschem Namen zu führen. Man kann allerdings den Standortverlauf pausieren oder deaktivieren. Das bedeutet aber nur, dass die Daten nicht mehr mit dem eigenen Google-Konto synchronisiert werden. Dass sie trotzdem fortwährend erfasst und an Google gesendet werden, davon kann man getrost ausgehen, siehe oben. Was Google mit den Daten macht, bleibt vollständig im Dunklen.

Wer auf dem iPhone Google Maps verwendet, kann sich ein wenig schützen. Zum einen, indem man unter Einstellungen und Datenschutz der App das Recht entreißt, „immer“ auf den Standort zuzugreifen und stattdessen „beim Verwenden der App“ vorgibt. So lässt sich Google Maps nutzen, ohne dass es permanent die eigene Position überträgt. Zum anderen melde man sich in der App nicht an, selbst wenn Google wiederholt dazu auffordert. Tut man es trotzdem, erfolgt die Anmeldung über den Standardbrowser des iPhone, und dort ist man fortan ebenfalls mit seinem Google-Konto angemeldet. Aber das ist ein anderes Thema.

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