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Smartphones auf dem MWC : Nokia, Huawei und ein dritter bunter Vogel

Nokia erweckt das 8110 wieder zum Leben – in Banana Yellow. Bild: Reuters

An diesem Montag beginnt offiziell der Mobile World Congress. Dennoch haben Samsung und Nokia auf ihren Veranstaltungen schon vorgelegt. Und Huawei hat eine ganz eigene Vorstellung von Dramaturgie.

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          Auf Messen verhalten sich Unternehmen häufig wie auf einem Balztanz. Sie wollen allerdings nicht begattet werden, sondern Händlern und somit später Kunden zeigen, wie toll sie sind, dass sie das beste Produkt von allen haben. Das ist okay so. Denn schließlich stehen sie im wirtschaftlichen Wettbewerb und müssen möglichst viele Produkte verkaufen. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona ist erfahrungsgemäß Samsung der tollste Vogel, weil die Koreaner - bis auf eine Ausnahme im letzten Jahr – immer am Vortag der Messe ihr neues Flaggschiff aus der S-Reihe vorstellen, dessen Modelle nun mal zu den besten Smartphones der Welt gehören. Samsung konnte somit stets die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

          Seit einigen Jahren hat sich nun ein weiterer bunter Vogel hinzu gesellt. Huawei hatte im letzten Jahr, als Samsung eine Zwangs- und Tanzpause wegen seines Note7-Debakels einlegen musste, seine Chance genutzt und sein Flaggschiff P10 präsentiert. Nun vermuteten viele Beobachter, dass die Chinesen in diesem Jahr der Konkurrenz aus Südkorea nun gänzlich die Show stehlen würden. Denn Huawei wollte sein neuestes Produkt im Centre Conventions am Rande der Stadt präsentieren. Das ist die Location, in der all die Jahre zuvor Samsung seine Keynotes gegeben hat. Und das auch noch am Nachmittag, während Samsung erst am Abend dran war.

          Nur hat Huawei seine selbst vorbereitete Siegerchoreografie nicht genutzt. Die Chinesen stellten am Sonntag Nachmittag zwei Tablets und ein Notebook vor. Das Mediapad M5 kommt in den Größen 8,4 und 10,8 Zoll, hat ein sehr gut verarbeitetes Gehäuse aus Aluminium, wird von einem schnellen Kirin-Prozessor angetrieben und das Display löst mit 2K auf. Mit Preisen von 350 Euro an ist es recht günstig. Dennoch läuft es unter der Kategorie „ein weiteres Android-Tablet“. Aufsehenerregender ist das Matebook X Pro, die nächste Version des sehr schlanken Laptops, das Huawei erst im Sommer des vorherigen Jahres vorgestellt hatte. Neue Details wie eine Kamera, die bei Bedarf aus einer Taste herausklappt, machen neugierig, ebenso der Bildschirm mit einer Auflösung von 3000 x 2000 Pixel, der nur noch von einem dünner Rand umfasst wird. Doch eigentlich hatten alle auf den Nachfolger des Smartphone-Flaggschiffs P10 gewartet.  

          Huawei stellt P10 Nachfolger im März vor

          Um erklären zu können, warum es dazu nicht gekommen ist, wird in Barcelona immer wieder die Spekulation verbreitet: Nachdem Huawei erfahren habe, dass Samsung auf dem MWC sein S9 vorstellen werde, hat man sich dafür entschieden, auf einer eigenen Veranstaltung den Nachfolger des P10 vorzustellen. Wann das ist, hat Huawei-Chef Richard Yu am Ende der Veranstaltung sogar schon verraten: am 27. März in Paris. Und wie das Smartphone dann heißen wird, hat er auch bekannt gegeben: P20. FAZ.NET wird dann live berichten.

          Die Finnen haben jetzt auch ein echtes Oberklasse-Smartphone: das Nokia 8 Sirocco. Bilderstrecke

          Samsung hat im Übrigen das S9 und S9+ in der alten Messehalle in Barcelona vorgestellt. Das ist genau neben dem Gebäude, wo Huawei die letzten Jahre sein Präsentation hatte. S9 und S9+ gleichen ihren Vorgängern sehr, lediglich die Kamera hat es in sich. Sie kann in dunkelster Umgebung noch Licht einfangen, weil es Samsung geschafft hat, eine f/1,5 Blende einzubauen. Das Gerät kann Videos in Superzeitlupe aufnehmen und die Animojis, die Apple mit dem iPhone X eingeführt hat, heißen bei Samsung AR Emojis und funktionieren ähnlich. Mehr Informationen und Eindrücke gibt es hier.

          Das war es eigentlich schon fast. Im vorherigen Jahr war noch LG mit dem G6 aufgetreten, HTC begab sich vor zwei Jahren mit seinem Top-Gerät in Form einer Keynote auf die Tanzfläche. Nur noch Nokia (ZTE ignorieren wir an dieser Stelle) hat sich am Sonntag bemüht, neue Produkte auf einer Pressekonferenz vorzustellen. Korrekterweise müsste man von HMD Global sprechen, die sich die Markenrechte gesichert haben und auf diesem MWC einjähriges Nokia-Revival feiern. Im Vergleich zu den Chinesen und Südkoreanern haben die Finnen mit einem Nebengebäude des Museums für Moderne Kunst wieder eine sehr kleine Location gewählt. Ihr Selbstbewusstsein sowie die Bandbreite ihrer Modelle ist dahingegen sehr groß. Die Namensgebung ist einfach: Es wird bei den Smartphone-Modellen von „1“ bis „8“ durchgezählt. Neu vorgestellt wurde an diesem Sonntag das 1, „neue“ 6, 7 Plus und 8 Sirocco. Von 100 bis 750 Euro bedient Nokia somit die Bandbreite von richtig günstig bis obere Klasse. Betriebssystem ist bei allen Modellen weiterhin ein pures Android. Wie im vorherigen Jahr konnten die Finnen auch in diesem Jahr einen PR-Coup landen. Nachdem 2017 das 3310 neu aufgelegt wurde, ist jetzt das legendäre 8110 dran. Eine Retro-Handy mit Tasten und ohne Sinn, das kein Mensch braucht, über das aber viel geschrieben wird.

          Samsung, Apple und Huawei dominieren den Markt

          Der Pressekonferenztag des MWC verliert allmählich an Bedeutung. Präsentationstermine werden bewusst verschleppt, Veranstaltungen ausgelagert und Hersteller ziehen sich zurück. Das zeigt zwei Dinge: Die Branche ist nervös. Erstmals sind die Absatzzahlen für Smartphones zurückgegangen. Der Kampf um neue Kunden erfordert besondere Maßnahmen. Dem direkten Kräftemessen am Vortag des Mobile World Congress wollen die meisten aus dem Weg gehen. Es reicht nicht mehr, hier ein neues Produkt einzuführen, um zu zeigen, welche Qualität es hat. Das liegt auch an dem hohen Niveau aller Oberklasse-Geräte und vielen Produkte aus dem mittleren Preissegment. Sich von anderen abzusetzen fällt momentan extrem schwer.

          Die zweite Erkenntnis dieser Situation: Momentan dominieren drei Hersteller den Wettbewerb: Samsung, Apple und Huawei. Alle anderen setzen – zumindest im oberen Preissegment, wo die Marge am höchsten ist – deutlich weniger Smartphones ab. Diese Marktverteilung ist aus technischer Sicht nicht nachvollziehbar. Denn hier auf dem MWC finden sich einige sehr gute Smartphones. Die Zeit der Balztänze ist nun erst einmal vorbei. An diesem Montag haben die Hallen geöffnet. Dann geht alles – bei aller Hektik – etwas ruhiger zu.

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