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Anatomie-App fürs Tablet : Röntgens Geisterstunde

So sieht’s unter der Haut aus. Bild: Screenshot Spehr

Diese App ist so spektakulär, dass nicht nur Medizinstudenten begeistert sind. Der Pfiff liegt an der Unterstützung von Augmented Reality.

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          Diese App ist so spektakulär, dass nicht nur Medizinstudenten begeistert sind. Die dreidimensionale Darstellung des menschlichen Körpers beherrschen viele Programme für den PC oder das Tablet. Die Software „Atlas der menschlichen Anatomie“, die es für Android und iOS sowie im Store beider Rechnerbetriebssysteme gibt, kann jedoch mehr. Wir haben sie in der Version für das Jahr 2020 auf dem iPad ausprobiert, sie kostet 28 Euro und stammt vom Hersteller Visible Body.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Pfiff liegt an der Unterstützung von AR, Augmented Reality. Das ist die Einblendung eines virtuellen Objekts in die Umgebung ringsum. So zeigt das iPad auf seinem Display ein menschengroßes Skelett im Büro, es steht scheinbar zwischen Stuhl und Besprechungstisch, und wenn sich der App-Nutzer mitsamt iPad um das Skelett herumbewegt, kann er aus unterschiedlichen Blickrichtungen auf den knöchernen Zeitgenossen schauen. Nähert man sich, sieht man mehr Details.

          Ist nicht das nackte Skelett dargestellt, sondern beispielsweise das Herz, kann man mit mehr Nähe geradezu ins Herz hineinfahren. Das ist der Charme von Augmented Reality: eine dreidimensionale dynamische Darstellung, für deren Genuss man keine Brille aufsetzen muss, sondern nur ein Tablet oder Smartphone in der Hand hält.

          Vorbereitung für den nächsten Arztbesuch Bilderstrecke

          Die App enthält die komplette männliche und weibliche Anatomie und lässt sich natürlich auch ohne AR nutzen. Im Hauptmenü wählt man eine Ansicht aus, wahlweise mit Körperregionen, mit Systemen (etwa Kreislauf- oder Nervensystem), mit Querschnitten (wahlweise aus MRT-Scans oder von Leichen), es gibt Feindarstellungen einzelner Organe und animierte Darstellungen von Muskelaktionen. Man kann den dargestellten virtuellen Körper präparieren, also anatomische Strukturen sukzessive freilegen und sich Schicht für Schicht durch das anatomische Modell arbeiten. Mit einem Fingertipp wird der lateinische Name des jeweiligen Objekts eingeblendet, und ein weiterer Fingertipp führt zu einer ausführlichen Lehrbuch-Erklärung. Sodann lassen sich auch zugehörige mögliche Diagnosen abrufen, etwa beim Ellenbogengelenk die Auskugelung oder Verstauchungen und Zerrungen.

          Im normalen Ansichtsmodus lässt sich das anatomische Modell mit Fingergesten vergrößern, verkleinern, rotieren und beliebig verschieben. Mit der Anatomiesuche gibt man Wortbestandteile des gesuchten Objekts ein, und kann es direkt aus der Trefferliste heraus anzeigen lassen. Mit Filtern kann man die Suche auf einzelne Körperteile beschränken. Eigene Ausschnitte lassen sich in einem Zeichen- und in einem Textmodus annotieren. Ärzte können weitere Module in der App dazu kaufen, etwa Animationen für die Patientenaufklärung oder eine dreidimensionale Zahnanatomie. Insgesamt eine sehr faszinierende App.

          Wer anatomische Modelle am Rechner im Web-Browser studieren und Zoomfahrten in den menschlichen Körper starten will, werfe einen Blick auf zygotebody.com, ein Nachfolger des zunächst von Google betriebenen, aber dann eingestellten „Body Browsers“. Eher auf das Berufsfeld der Mediziner zugeschnitten ist die „Complete Anatomy Platform 2020“, die sich unentgeltlich laden lässt, und mit Abonnements sowie In-App-Käufen bezahlt wird. Ein kleines Paket kostet im ersten Jahr 37 Euro und anschließend 80 Euro. Eine Pro-Lizenz kostet 53 Euro im ersten Jahr und danach 103 Euro. Die App verlangt ebenso wie „Biodigital Human“ ein Log-in mit der Angabe persönlicher Daten.

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