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Amazon Kindle : Neues Lesefutter per Mobilfunk

Nur Text: Die F.A.Z. auf dem Kindle Bild: Hersteller

Das elektronische Buch von Amazon kommt nach Europa. Aber nur die amerikanischen Angebote des Internetbuchhändlers lassen sich auf dem Kindle 2 lesen. Die Funkschnittstelle begeistert, die Hardware ist ordentlich, aber die Tücken liegen im Detail.

          Vielbestaunt, kaum gekauft: Auf der diesjährigen Buchmesse standen die E-Books abermals im Rampenlicht des Interesses, die Rede ist von der „Zukunft des Lesens“ oder dem „Buch 2.0“. Seit wir hier im Frühjahr das Sony PRS-505 vorgestellt hatten, ist das Hardware-Angebot deutlich gewachsen. Mittlerweile sind gut ein Dutzend Geräte unterschiedlicher Hersteller erhältlich oder zumindest angekündigt. Aber ein Durchbruch des elektronischen Buchs ist nicht in Sicht, die aktuellen Umsätze sind verschwindend klein. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens sind elektronische Bücher in Deutschland wegen der Buchpreisbindung nicht günstiger als die gedruckten, und zweitens setzen die deutschen Verlage auf eine digitale Rechteminderung (DRM), die den Kunden an einer äußerst kurzen Leine hält. Deutsche Titel im Epub-Format kann man nur auf einem einzigen PC kaufen, der mitsamt seiner einzelnen Hardware-Komponenten von Adobes Digital Editions überwacht wird. Die Einkäufe werden mit einer Kabelverbindung auf das Gerät übertragen, und gelesene Bücher lassen sich nicht verschenken. Man kann nicht einmal Spontankäufe direkt in der Buchhandlung tätigen, den Epub-Geräten fehlt eine Funkschnittstelle.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          In den Vereinigten Staaten hingegen ist Internet-Buchhändler Amazon mit seinem „Kindle“ seit Jahren sehr erfolgreich, wenngleich Umsätze und Erlöse nicht kommuniziert werden. Nach Schätzungen wurden rund eine Million Geräte verkauft und bei (wenigen) Bestsellern bis zu 20 Prozent der Bücher elektronisch ausgeliefert. Nun ist der Kindle in Europa angekommen, es ist das amerikanische Gerät mit der Versionskennziffer 2 und englischer Menüführung. Zum Kaufpreis von 260 Dollar (175 Euro) müssen Zoll und Einfuhrsteuern hinzugerechnet werden. Das Gerät bringt kein für deutsche Steckdosen passendes Ladegerät mit, man muss den Akku vielmehr über USB am Computer laden. Mit dem Kindle kann man weiterhin derzeit nur auf das amerikanische Amazon-Angebot zurückgreifen. Es besteht aus rund 300.000 englischsprachigen Büchern sowie unzähligen internationalen Zeitungen und Zeitschriften.

          Fest eingebautes Mobilfunkmodul mit einer Sim-Karte

          Zur Übertragung der Inhalte nutzt der Kindle 2 ein fest eingebautes Mobilfunkmodul mit einer Sim-Karte von AT&T. Hierzulande hält sich das Gerät also im Roaming-Modus auf. Wo immer irgendein Netz verfügbar ist, kann man drahtlos auf Einkaufstour gehen. Die Mobilfunkabteilung nutzt UMTS, aber selbst bei schwacher Funkversorgung mit Edge oder GPRS merkt man kaum Tempoverlust. Gebühren für den Mobilfunk fallen nicht an, das Modul kann man zudem abschalten. Allerdings funktioniert der Internet-Browser des Kindle 2 im Roaming-Modus nicht. Um Bücher oder Zeitschriften zu kaufen, muss ferner ein Amazon-Konto vorhanden sein. Bei der Inbetriebnahme verknüpft man das Gerät mit diesem Konto. Alle eigenen Einkäufe sind bei Amazon vorgehalten, man kann sie - falls kein Funknetz zur Verfügung steht - manuell über USB aufs Gerät kopieren. Auf diese Weise kommt ferner eigene Musik in den Kindle, zur Wiedergabe gibt es einen Kopfhöreranschluss und zwei eingebaute Lautsprecher. Schließlich hat der registrierte Kindle 2 eine E-Mail-Adresse, mit deren Hilfe sich beispielsweise Word-Dokumente über Funk empfangen lassen. Der Absender muss dazu autorisiert sein, und für die Konvertierung sowie Übertragung fallen Gebühren an.

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