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Amazon Fire TV : Nur noch mit Alexa auf der Couch

Die Fernbedienung kann liegen bleiben. Mit diesem Grundig-Fernseher wird nur noch gesprochen. Bild: Hersteller

Fernseher, Soundbar und ein Cube: Amazon hat in Berlin drei neue Fire-TV-Produkte vorgestellt. Mit einem Ziel: Beim Fernsehen wird bald nur noch geredet, nicht gedrückt.

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          Wer sich für einen neuen Fernseher interessiert, geht am besten auf die Internationale Funkausstellung in Berlin. Dort sind so ziemlich alle Hersteller, die es auf der Welt gibt. Auf der IFA auszustellen hat seit vielen Jahren Tradition. Für Amazon ist die Messe also das geeignete Umfeld, neue Produkte zu präsentieren, die mit Fernsehen zu tun haben.

          Auf der recht großen Veranstaltung waren unter den Journalisten die Erwartungen ebenso groß. Als am Ende ein paar neue TV-Geräte, eine Soundbar und der Cube als Neuigkeiten übrig blieben, schlichen einige enttäuscht davon. Das ist verständlich. Die elf verschiedenen Fernseher, es ist also eine Modellreihe, sind von Grundig. Mit der deutschen Traditionsmarke hat das nicht mehr viel zu tun, die Marke ist seit Jahren in türkischer Hand. Die Topmodelle unter den Fernsehgeräten kommen von Samsung, LG, Sony, Panasonic und Philipps. Auch Soundbars gibt es von vielen namhaften Herstellern, zuletzt hatten wir hier den Test einer Soundbar von Sennheiser. Und den Fire-TV-Cube können die Amerikaner schon seit einem Jahr kaufen.

          Doch die Enttäuschung nach der offiziellen Präsentation verschwand schnell, wenn man sich in den Demobereichen die Produkte genauer angesehen hat. Das Topmodell von Grundig ist ein Oled-Fernseher mit Ultra-HD-Auflösung, er unterstützt HDR10 und Dolby Vision. Das Bild macht einen ordentlichen Eindruck. Für 1300 Euro kann man da zunächst nicht meckern. Es gilt allerdings, ihn mit anderen Geräten zu vergleichen.

          Im Vergleich zum Fire-TV-Menü kommen einige Zeilen dazu. Bilderstrecke

          Spannend ist allerdings das Smarte an dem Fernseher. Denn er wird genauso bedient, erscheint im gleichen Gewand wie Fire TV. Es ist die gleiche Bedienoberfläche. Normalerweise muss dafür ein Stick oder eine kleine Kiste von Amazon am HDMI-Eingang des Fernsehers hängen. Will man Fire TV nutzen, wechselt man mit der Fernbedienung zum entsprechenden HDMI-Eingang und bedient das Menü. So wie man das mit Apple TV und anderen Streamingboxen auch macht. Die neuen Grundig-Fernseher kennen nur Fire TV als Bedienoberfläche. „Echtes“ Fernsehen, also Kanäle, deren Signale über Kabel oder Satellit kommen, erreicht der Nutzer ebenfalls über Icons in der Menüführung von Amazon. Die bisherige smarte Begleitung Fire TV übernimmt nun die Herrschaft über den Fernseher. Alles andere wird zur Nebensache.

          Doch es geht noch weiter. Das Topmodell von Grundig hat die Far-Field-Technologie integriert. Wie bei Amazon Echo ruft man in den Raum „Alexa“, darauf folgt ein Befehl wie etwa „Gehe zu Unser Planet“. Der Fernseher wacht aus dem Standby, öffnet die Netflix-App und zeigt die Staffel der Serie an. Auf den Demo-Geräten waren noch nicht alle Apps „sprachbereit“, das heißt, die Sprachsteuerung hatte noch ihre Grenzen. Doch Ende Oktober, wenn die Fernseher ausgeliefert werden, werden auch die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen und weitere Apps auf Alexa hören. Damit bietet Amazon ein TV-Gerät an, dass sich sehr umfassend und in die Tiefe gehend mit Sprache steuern lässt.

          Rede mit dem Cube

          Das kann man auch günstiger von Amazon und mit Fernsehern von anderen Herstellern haben. Der Fire-TV-Cube ist so etwas wie ein kleiner Echo ohne Lautsprecher, der für den Fernseher gedacht ist. Der kleine Würfel kostet 120 Euro und bietet letztlich – an einen Fernseher angeschlossen – die gleiche Funktionalität wie das eben besprochene TV-Gerät von Grundig. Auch hier reicht das Wort „Alexa“, um den Cube zu aktivieren, der dann die Fire-TV-Oberfläche öffnet und Filme abspielt oder Apps öffnet. Startet man nicht über den Cube, sondern schaltet den Fernseher von Samsung, Sony oder wem auch immer an, landet man natürlich in der Oberfläche des jeweiligen Herstellers. Das ist dann nicht das komplette Amazon-Erlebnis. Aber über Alexa lässt sich mit dem Cube auf Geräte zugreifen, die eine Infrarot-Schnittstelle haben. So könnte man über Sprache zum Beispiel Einstellungen am AV-Receiver vornehmen.

          Nun lässt sich jetzt schon über Echo mit dem Fernseher kommunizieren, auch erlaubt die Fernbedienung der bisherigen Produkte schon die Sprachsteuerung, indem man die Mikrofontaste drückt und hinein spricht. Und die Fernbedienung wird man auch weiterhin brauchen, weil die Sprache an ihre Grenzen kommt, wenn man schnell drei Fehler nach rechts springen will, um einen Menüpunkt auszuwählen. Aber beim Ausprobieren an den Demoständen in Berlin hat es ziemlich Spaß gemacht, einfach so in den Raum zu sprechen, um einen Fernseher zu bedienen.

          Große Auswahl für Amazon-Fans

          Der Topmodell von Grundig muss noch beweisen, ob es in puncto Bildqualität mit Geräten der Konkurrenz mithalten kann. Beim Ton würde Amazon vermutlich auf die neue Soundbar für 210 Euro verweisen, die übrigens wie die bisherigen Fire-TV-Produkte nur mit der Fernbedienung angesteuert werden kann. Insofern könnte der Fernseher für Amazon-Fans durchaus attraktiv sein.

          Wer weder einen Echo noch einen Fire-TV-Stick besitzt, aber noch in das Prime-Universum von Amazon eintreten will, sollte sich für den Cube entscheiden. Für 120 Euro bekommt man einen leistungsstarken Würfel in der zweiten Generation. Die Kommunikation über Infrarot mit anderen Geräten könnte für den einen oder anderen Nutzer sinnvoll sein. Und ganz schick sieht der Würfel auch aus.

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