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Amazon führt „Dash Button“ ein : Waschmittel und Hundefutter auf Knopfdruck

Dash Button von Amazon Bild: Hersteller

Kein Waschmittel, keine Druckerpatrone, kein Katzenfutter mehr im Haus? Amazon will, dass Kunden das nicht mehr passiert. Sie müssen nur noch drücken. Oder ihre Haushaltsgeräte übernehmen es. So funktioniert es.

          3 Min.

          Amazon materialisiert den 1-Click-Button. Von diesem Mittwoch an können Prime-Kunden in Deutschland, Großbritannien und Österreich bestimmte Produkte bei dem Online-Händler bestellen, ohne den Computer, das Smartphone oder Tablet in die Hand zu nehmen. Es genügt, einmal den Knopf auf einem „Dash Button“ zu drücken, am nächsten Tag wird geliefert. Diese Knöpfe befinden sich auf kleinen Kistchen, die aussehen wie ein übergroßer USB-Stick. Sie kosten pro Stück 4,99 Euro, können bei Amazon innerhalb eines Tages bestellt werden und gelten nur für eine Marke. Zur Auswahl stehen zum Marktstart 30 Anbieter, darunter bekannte Marken wie Ariel und Gillette, aber auch weniger bekannte Namen wie Dreamies oder Nobo. Der Preis für ein Dash Button amortisiert sich schnell, weil die knapp 5 Euro für die erste Bestellung gutgeschrieben werden.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wenn dann an Waschmaschine, Katzenfressnapf, Kaffeemaschine, Waschbecken, Nachttisch, Dusche oder Geschirrspüler ein Dash Button hängt oder klebt, muss er zunächst ins heimische Netzwerk eingebunden werden. Das erfolgt über die Amazon-App, mit der man für jeden einzelnen Knopf die Netzwerkeinstellungen konfiguriert. Ein Dash-Button ist also letztlich ein W-Lan-Chip mit Batterie in einem Plastikgehäuse. Damit man aus Versehen nicht Rasierklingen bestellt, wenn die Katze am verhungern ist, steht auf jedem Kistchen der Markenname. 

          Ein Button, eine Bestellung

          Kindern dürfte das egal sein, wenn sie demnächst durch die Wohnung von Prime-Kunden ziehen und das Ich-drück-den-Dash-Button-Spiel machen. Doch für dieses Szenario hat Amazon vorgesorgt. Wie üblich kommt für jede Bestellung eine Bestätigung mit Lieferdatum und Preisangabe. Sollte das Kind Geschirrspültabs geordert haben, obwohl die Schachtel noch voll ist, können Kunden kostenfrei stornieren. Und Kinder haben pro Dash-Button nur einen Zug frei, mehrere Bestellungen hintereinander können nicht ausgelöst werden.

          Ob in Deutschlands Wohnungen der Dash-Button unfreiwillig zum neuen Design-Element wird, hängt nicht unbedingt vom funktionell denkenden Partner ab, sondern vom Zuständigen für Gestaltung. Denn so ein Ariel-Aufsatz auf der Waschmaschine sieht nicht unbedingt elegant aus. Ein Button für viele Produkte widerspricht allerdings diesem neuen Konzept, weil dann noch einmal eine weitere Ebene für die Auswahl das 1-Click-Ritual stören würde.

          Da hängen sie und warten auf die Bestellung
          Da hängen sie und warten auf die Bestellung : Bild: Hersteller

          In Amerika kann man schon seit dem vorherigen Jahr auf diese Weise Engpässe in Bad und Küche verhindern. Laut Amazon haben sich im Juni und Juli derartige Bestellungen verdreifacht, die teilnehmenden Unternehmen seien vier Mal so viele wie im Jahr 2015. Mehr als 150 Marken würden in Amerika bei Dash mittlerweile mitmachen.

          Hat etwa die Größe eines USB-Sticks
          Hat etwa die Größe eines USB-Sticks : Bild: Hersteller

          Das Gerät bestellt einfach selbst

          Amazon hat nicht nur Dash Buttons, sondern auch Dash Replenishment. Damit verfolgt das Unternehmen konsequent die nächste Stufe dieses Verfahrens. Hersteller von Geräten, die "smart" sind und sich mit dem Internet verbinden, können Dash in ihre Software integrieren. Entwickler dürfen auf die entsprechenden Schnittstellen zugreifen. 

          Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte bestimmter Marken sollen zukünftig sogar ohne Button selbständig bestellen
          Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte bestimmter Marken sollen zukünftig sogar ohne Button selbständig bestellen : Bild: Hersteller

          Amazon nennt namhafte Unternehmen wie Bauknecht, Bosch, Grundig, Kyocera, Siemens oder Samsung, die das bereits nutzen. Die vernetzte Waschmaschine bestellt also automatisch Waschmittel nach, wenn es es zur Neige geht, der Drucker ordert neuen Toner, wenn die Druckqualität schwächer wird, der Geschirrspüler hat sich schon neue Tabs geholt, bevor der letzte verbraucht wird. 

          Alles nur noch online

          Wohlgemerkt: Amazon spricht davon, dass die Geräte “im Namen des Nutzers” bestellen. Natürlich ist eine Sicherung eingebaut, indem der Kunde eine Mail bekommt. Aber der Bestellvorgang wird von den “Maschinen” selbständig ausgeführt. Wo schon die 1-Click-Bestellung auf dem Smartphone lockte, wird die Bewegung zum Dash Button noch attraktiver sein und wenn das Gerät übernimmt, wird es noch bequemer.

          Dash Button und Replenishment werden sicherlich für Kritik und Diskussionen sorgen. Die Datensicherheit wird angesprochen werden, denn dadurch hängen noch mehr Geräte im Netz und sind angreifbar. Dem Einzelhändler wird es durch diese Verkaufsstrategie nicht besser gehen. Die Konzentration auf wenige Marken nimmt immer mehr zu. Die Anzahl der Pakete wird stetig steigen, weil der Geschirrspüler schon die Tabs bei Amazon bestellt hat, die man normalerweise im Drogeriemarkt gekauft hat. Und die geschmackliche Vielseitigkeit wird weiter verloren gehen, wenn aus Bequemlichkeit immer der gleiche Kaffee bestellt wird. 

          Es sei denn, viele Unternehmen beteiligen sich an Dash und es gibt pro Produktgattung mehrere Anbieter. Dann kleben demnächst an der Kühlschranktür Dutzende solcher Kistchen. Das könnte dann schon wieder cool aussehen.

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