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Alternativen zu Youtube & Co. : Die unendlichen Weiten des Fediversums

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Sucheinträge bei Google, Youtube und anderen Plattformen hinterlassen digitale Spuren. Doch es gibt Alternativen. Bild: imago/blickwinkel

Wer auf Youtube oder Instagram unterwegs ist, hinterlässt digitale Spuren. Die Internetkonzerne verdienen damit viel Geld. Doch es gibt Alternativen, mit denen Nutzer selbst über ihre Daten bestimmen können.

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          Datenschützer stehen Google, Facebook und Co. schon von Berufs wegen etwas skeptisch gegenüber. Dass auf der Herbstkonferenz der Datenschützer vor den Gefahren gewarnt wird, denen sich jeder aussetzt, der die Dienste der großen Konzerne nutzt, wundert nicht. Aber die Teilnehmer diskutierten heuer auch breiter über Alternativen. So hat der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in Baden-Württemberg schon vor einiger Zeit seinen Twitter-Account gegen eine Mastodon-Instanz getauscht. Und die Datenschützer raten Behörden eindringlich, ihre Informationen nicht nur via Google und Facebook bekannt zu machen, sondern auch auf Plattformen des sogenannten „Fediversums“. Das Kunstwort setzt sich aus den Begriffen Federation und Universum zusammen.

          Das Konzept für eine solche Alternative ist schon alt: 2008 wurde mit dem sozialen Netzwerk Identi.ca und der Software „GNU social“ ein erster Testballon gestartet. Doch erst zehn Jahre später nahm das Projekt wirklich Fahrt auf. 2018 dann wurde der Mikroblogging-Dienst Mastodon als Twitter-Alternative ein Teil des Fediversums. Inzwischen gibt es vergleichbare Angebote auch als Alternative zu Youtube und Instagram. Sogenannte Peertube-Plattformen bieten zum Beispiel ähnliche Funktionen wie Youtube. Nur werden hier keine Nutzerdaten gesammelt und zu Profilen verdichtet. Das gilt auch für Pixelfed, den Fediversum-Dienst, der so etwas wie ein Ersatz für Instagram ist.

          Das zugrunde liegende Konzept fürs Fediversum besteht darin, dass sich Nutzer ein Benutzerkonto für einen Dienst auf einer beliebigen Plattform oder Instanz anlegen und sich anschließend mit Anwendern auf anderen Instanzen austauschen können, ohne dort wieder ein eigenes Konto einrichten zu müssen.

          Kein Eigentümer und kein Geschäftsmodell

          Die „föderierten Inhalte“ der angeschlossenen Plattformen stehen also allen offen und werden auf alle angeschlossenen Instanzen verteilt. Wer auf einer bestimmten Peertube-Instanz ein Benutzerkonto eröffnet, kann nicht nur auf die Videos zugreifen, die von dort gehostet werden, sondern auf alle Videos aller über das Kommunikationsprotokoll Activity Pub verbundenen Instanzen. Das Fediversum hat keine Eigentümer und kein Geschäftsmodell, es ist werbefrei und verzichtet auf Tracker, der Nutzer wird zudem nicht in ein Ökosystem eingeschlossen.

          Das sind handfeste Pluspunkte. Aber natürlich sind auf Peertube weniger Videos und auf Pixelfed weniger Bilder zu sehen als bei Youtube und Instagram. Die Zahl der Nutzer ist noch bescheiden. Es wird allenfalls ein kleiner Bruchteil der Reichweite erzielt, den die Marktführer schaffen. Das liegt auch daran, dass die Fediversum-Aktivisten wenig Werbung für ihre datenschutzfreundlichen Angebote machen.

          Allerdings verbessert sich die Reichweite derzeit Schritt für Schritt. So haben immer mehr Hochschullehrer während der Pandemie Peertube in ihren Lehrbetrieb eingebunden. Sie stellen dort Videovorlesungen und kürzere Impulsvorträge ein. An einigen Universitäten wurde Peertube auch als „Zwischenlager“ für Video-Präsentationen genutzt. Damit konnten insbesondere im Sommersemester 2020 und in diesem Wintersemester akute technische und Datenschutz-Probleme der Lehre gelöst werden. Denn immer mehr Dozenten wollen ihre Videovorlesungen und Bewegtbilddokumente fürs Onlineseminar nicht mehr auf Youtube einstellen, weil sie ihre Teilnehmer nicht zwingen wollen, persönliche Daten an den Internetkonzern frei Haus zu liefern.

          Bei Dozenten und Studenten hat sich die datenschutzfreundliche Youtube-Alternative also zumindest bekannt gemacht. Viel haben sich die Fediversum-Befürworter zudem von der Diskussion um die Beiträge der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten erhofft. Diese Hoffnung scheint allerdings enttäuscht zu werden. Immer wieder gab es Kritik daran, dass ARD und ZDF den amerikanischen Internetkonzernen Google und Facebook direkt helfen, weil sie ihre Inhalte auf deren Plattformen bereitstellen.

          Die attraktiven Beiträge der Öffentlich-Rechtlichen sorgen dort für Publikum und Reichweite. Deshalb wurde immer wieder darüber debattiert, ob die Haushaltsbeiträge für den öffentlichen Rundfunk auch dafür verwendet werden sollten oder gar dürften. „Pixelfed und Peertube sind doch eigentlich die natürlichen Partner der Öffentlich-Rechtlichen“, hieß es auf der vom Chaos Computer Club Wien Ende Oktober veranstalteten Privacy Week immer wieder. Und in dieser Szene ist die Sache klar: ARD und ZDF könnten im Fediversum eigene Instanzen betreiben und die Peertube- und Pixelfed-Bewegung, in der viele mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk sympathisieren, nach vorn bringen. Doch bisher hilft alles Werben nicht. Bei den Entscheidungsträgern in den Funkhäusern ist diese Alternative noch weit unter dem Radar.

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