https://www.faz.net/-gy9-pwd5

Altair 8800 : Als die roten Lämpchen sprachen

  • -Aktualisiert am

Ein Computer nur mit Lämpchen und Kippschaltern: der Altair 8800 von 1975 Bild:

Mit dem Altair 8800 begann vor 30 Jahren die Geschichte des PC. Der Kasten sah allerdings eher nach einer Lichtorgel als einem Rechner aus.

          2 Min.

          Das Zeitalter des persönlichen Computers beginnt im Januar 1975. Ein Metallkasten dominiert das Titelbild der amerikanischen Zeitschrift "Popular Electronics". Auf sieben Seiten wird der Altair 8800 vorgestellt, ein richtiger, gebrauchsfähiger Computer, den jeder bestellen kann. Für nur 400 Dollar! Eine Sensation.

          Der zweite Blick ist ernüchternd. Der Altair wird als Bausatz geliefert. Das Zusammenfügen von Gehäuse, Netzteil, Leiterplatten und anderer Teile erfordert technisches Geschick und dauert Stunden. Das Gehirn des Altairs kann nur 256 Byte speichern - etwa die Menge Zeichen, die in sieben Zeitungszeilen Platz hat. Anstelle einer Tastatur gibt es eine Reihe von Kippschaltern, über die Programme Bit für Bit mühsam eingegeben werden. Die Ausgabe übernimmt eine Reihe von Lämpchen. Die einzige sinnvolle Anwendung ist ein Spielchen, bei dem man den Blinkrhythmus der Lämpchen mit den Schaltern nachahmt.

          Doch das Gerät hat Potential. Als erster Mikrocomputer ist der Altair mit dem neuen Intel 8080 ausgestattet. Dieser 8-Bit-Mikroprozessor besteht aus 6000 Transistoren, ist mit 2 MHz getaktet und kann 640000 Befehle in der Sekunde abarbeiten. Wohl wurde die Vision von der Zentraleinheit auf einem Chip bereits zwei Jahre zuvor verwirklicht, aber der 8080 gilt als erster wirklich gebrauchsfähiger Mikroprozessor. Dank eines wegweisenden Bussystems und freier Steckplätze läßt sich der Altair aufrüsten. Bald bieten viele Hersteller Erweiterungen an.

          Der Vater des Personal Computers heißt Ed Roberts. Er leitet MITS, ein mittelständisches Unternehmen im staubigen New Mexico. Er sitzt auf einem hohen Schuldenberg. Roberts kann einen Erfolg gebrauchen - und die Redaktion von "Popular Electronics" auch. Wenn Roberts einen funktionstüchtigen Mikrocomputer konstruieren kann, wird die Zeitschrift das Produkt auf der Titelseite anpreisen. Ärgerlicherweise geht das einzige Exemplar des Rechners verloren. Hastig fertigen MITS-Techniker eine Attrappe an. Das Gerät auf dem Titelbild ist ein leeres Gehäuse. Der Legende nach lieferte die Tochter eines Redakteurs den Namen des Computers: Altair ist ein Reiseziel in der Serie "Raumschiff Enterprise".

          Roberts rechnet damit, allenfalls einige hundert Exemplare zu verkaufen. Doch das Gerät, das erst Monate später lieferbar ist, schlägt ein. Am Ende werden es 10000 Stück. Das macht den Altair auch zum ersten kommerziell erfolgreichen Mikrocomputer und damit zum Standard: Die erste Generation der Home Computer - darunter der IMSAI 8080 und der TRS 80 - schaut sich Bussystem, Erweiterungskarten und Prozessor vom Altair ab.

          Maßgeblich zum Erfolg trägt eine Programmiersprache bei, ohne die der Altair nicht mal als Taschenrechner zu gebrauchen wäre. Zwei junge Entwickler wissen das, rufen unmittelbar nach dem Erscheinen der Zeitschrift bei Ed Roberts an und bieten ihm die Sprache Basic für den Altair an. Wenn man erfährt, daß es sich dabei um Bill Gates und Paul Allen handelt, überrascht es nicht, daß das Basic nicht existiert und kein Programmierer bisher einen Altair gesehen hat, geschweige denn einen nutzen kann, um Software zu entwickeln. Doch was die anderen hindert, nützt Gates und Allen: Dank eines früheren Projektes modellieren sie mit wenig Aufwand eine Simulation des Altairs auf einem Großrechner und schaffen sich damit eine Plattform, um in Windeseile Software für den Altair zu entwickeln, ohne einen zu besitzen. Das Basic funktioniert auf Anhieb auf dem neuen Mikro. Zwei Jahre nach dem Start des Altairs verkauft Roberts MITS und zieht sich aus der Branche zurück. Der Name MITS verschwindet; der Altair ist heute ein Sammlerstück. Zu sehen ist er im Heinz-Nixdorf-Museumsforum in Paderborn (www.hnf.de), das einen Rundgang durch 30 Jahre Personal Computer bietet.

          Weitere Themen

          V8 statt W12

          Bentley Bentayga : V8 statt W12

          Nach vier Jahren Marktpräsenz überarbeitet Bentley das SUV Bentayga. Innen wird alles noch feiner, das Heck wurde komplett umgestaltet. Der angekündigte Plug-in-Hybrid soll der sparsamste Bentley aller Zeiten werden.

          Topmeldungen

          Stumpfe Klingen : Wenn Metall am Haar zerbricht

          Amerikanische Forscher wollten wissen, warum Rasierklingen sich abnutzen. Sie fanden heraus: Die Dinger werden überhaupt nicht stumpf. Das Problem liegt anderswo. Und langlebigere Klingen sind eventuell gar nicht erwünscht.
          Cornelia Koppetsch im Oktober 2019 auf der Frankfurter Buchmesse

          Plagiate bei Soziologin : Disziplinarverfahren gegen Cornelia Koppetsch

          Sie habe „rücksichtslos“ gehandelt, die gute wissenschaftliche Praxis sei gravierend missachtet worden: Eine interne Untersuchungskommission der TU Darmstadt findet deutliche Worte zu den Plagiaten ihrer Soziologin Cornelia Koppetsch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.