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Alleskönner-Handys : Unscharfe Bilder und viel Fummelei mit Wireless-Lan

Nachrichten mit dem RSS-Reader lesen, kann man mit dem M600i von Sony Ericsson Bild: Hersteller

Musik, Bilder, E-Mail, Internet, Telefon: Handys haben sich zu wahren Alleskönnern entwickelt. Doch je mehr die kleinen Kommunikationszentren können, desto größer sind die Tücken. Und: Längst nicht jede Funktion ist auch sinnvoll.

          7 Min.

          Nokia hat unlängst in elf Ländern untersucht, wie das Handy der Zukunft aussehen könnte, wenn es um die Gewohnheiten und Erwartungen der künftigen Nutzer geht. Nun kann man über die Zukunft trefflich spekulieren. Schon ein Blick auf die aktuelle Generation der alleskönnenden Mobiltelefone wirft indes so viele Fragen auf, daß man besser den Blick auf die Gegenwart richtet. Wer heute ein Oberklasse-Gerät zu Preisen zwischen 500 und 1000 Euro erwirbt, erkennt schnell, daß er kein Telefon kauft, sondern einen Minicomputer mit zahlreichen Möglichkeiten. Vieles funktioniert anständig, anderes ist Schnickschnack und mehr eine Demonstration des Machbaren als brauchbare Technik. Wir haben uns die aktuellen Topmodelle angesehen und vor allem nach dem praktischen Nutzen im Alltag gefragt. Was ist sinnvoll, was nicht?

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Um zunächst mit der Nokia-Studie zu beginnen: Zwei Drittel aller Fotos werden mit der Handy-Kamera geschossen, zumindest in Indien. In der Tat liegt der Gedanke nahe, das Immer-dabei-Gerät für schnelle Schnappschüsse unterwegs zu benutzen, und wer sich Bilder bei Flickr.com oder in Weblogs ansieht, erkennt den besonderen Charme der spontanen Aufnahme unterwegs. Mit drei und mehr Megapixeln protzen etliche Handys, aber die Tücke liegt im Detail. An der teuren Optik wird gespart, dafür ist jede Menge an Software-Gimmicks an Bord, wie man beispielsweise beim Nokia N80 sieht: Selbst ein Autofokus fehlt, aber es gibt eine vollkommen überflüssige Bildbearbeitung. Bei den meisten Kamera-Handys gelingen gute Fotos nur draußen. Statt eines ordentlichen Blitzlichts gibt es schummrige Fotoleuchten, und man kann nur an die Hersteller appellieren, für eine bessere Bildqualität zu sorgen. Wer ordentlich fotografieren will, wird derzeit nur mit dem K800i von Sony Ericsson glücklich.

          Tage der MP3-Player sind gezählt

          Der Speicherplatz für Aufnahmen ist in der Regel kein Problem. Zwischen 50 und 100 Megabyte bieten die meisten Handys intern, und nachgerüstet wird mit Mini-Speicherkarten. Mit einem Fassungsvermögen von bis zu 2 Gigabyte taugt das Handy auch als MP3-Spieler. Hier geht man bei den neueren Geräten in Sachen Klang und Bedienung keine Kompromisse ein. Wenn in den nächsten Monaten Mini-Speicherkarten mit 4 Gigabyte und mehr in den Handel kommen, sind die Tage von iPod & Co. gezählt. Tausende von Musikstücken passen darauf. Nur bei den Details - etwa der bequemen Titel-Synchronisation in einer Docking-Station oder der Qualität der zugehörigen PC-Software - hapert es. Auch sollte man darauf achten, daß sich mit einem 3,5-Millimeter-Klinkenstecker ordentliche Kopfhörer anschließen lassen. Und auf die A2DP-Kompatibilität: Dieses Bluetooth-Profil macht den Musikgenuß im Auto einfach wie nie, werden doch die Stücke in HiFi-Qualität drahtlos an die Anlage im Fahrzeug übertragen. Erste Radios gibt es von Sony und demnächst von Peiker.

          Mit dem Nokia E61 per W-Lan Emails checken von zu Hause, im Büro oder in der Flughafenlounge

          Neben Fotografie und Musik steht die mobile E-Mail im Vordergrund. Die Blackberrys für den Manager schreiben eine Erfolgsgeschichte: Geräte im Format eines Taschencomputers mit Minitastatur, denen neue Post automatisch zugestellt wird. Nun muß es nicht immer der Blackberry mit monatlichen Zusatzkosten von rund 18 Euro sein. Selbst ein "normales" Modell im Taschenformat wie das K800i von Sony Ericsson oder ein simples Einsteigergerät haben einen E-Mail-Client, sind also in der Lage, elektronische Post zu transportieren. Hier gibt es jedoch große Unterschiede, was Komfort und Tempo betrifft. Wer nur ein halbes Dutzend Nachrichten abholen will, ist mit nahezu jedem Gerät gut beraten. Ist höheres Mail-Aufkommen zu bewältigen, sollte man auf die Bildschirmauflösung und die Geschwindigkeit achten. Je mehr Pixel, desto mehr Nachrichtentext sieht man auf einen Blick. In den GSM-Netzen sind alle Geräte eher langsam, mit UMTS oder Wireless-Lan kommt mehr Tempo ins Spiel, und mit Produkten wie den Communicatoren von Nokia, den aktuellen Nokias aus der E-Serie, der P-Reihe von Sony Ericsson sowie den Pocket-PCs mit Windows-Betriebssystem (MDA von T-Mobile oder VPA von Vodafone) läßt sich durchaus professionell arbeiten.

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