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Der heimliche Chef im Haus : Das müssen Sie über Router wissen

Der heimliche Chef im Haus: der Router Bild: Bildagentur-online/Tetra

Der Router ist die Schaltzentrale für nahezu sämtliche Elektronik in der Wohnung oder im Haus. Im Smart Home wird er wichtiger denn je. Was die Alleskönner alles können.

          6 Min.

          Früher kappte der böse Bube, der sich in einem fremden Haus zu schaffen machte, als Erstes die Telefonleitung. Heute müsste er sich auf den Router stürzen, denn das ist die Kommunikationszentrale im Haus. Nicht nur, dass eine eventuell vorhandene Überwachungskamera am Router angeschlossen ist. Auch telefoniert wird immer öfter allein übers Netz. Der Router spielt stets die Hauptrolle, ohne ihn gibt es keinen Netzwerkverkehr. Er ist der Chef für die Netzanbindung und die Schaltstelle, an der Datenpakete auflaufen. Er regelt den Datenverkehr zwischen verschiedenen Netzwerken, er kennt die Straßen und Adressen. Router leiten Datenpakete weiter oder blockieren sie, vom englischen Begriff „Routing“ ist ihr Name abgeleitet.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die derzeitigen Modelle vereinen diverse Geräte unter einem Dach: Sie sind Netzwerkweichen, sie haben ein DSL-Modem eingebaut, und sie übernehmen die W-Lan-Funkversorgung im Haus. Zu der ohnehin vorhandenen Netzwerkfunktionalität gesellen sich weitere Extras. Etwa das eingebaute Dect-Modul, das die Basisstation des Schnurlostelefons überflüssig macht. Ein Anrufbeantworter ist häufig ebenfalls dabei, und viele Modelle ersetzen sogar ein Faxgerät, das für dringenden Schriftverkehr mit Ämtern, Anwälten oder Banken noch immer seine Berechtigung hat.

          Geht es um die Königsklasse der Router, um die Alleskönner für gehobene Ansprüche, fällt sofort ein Name: Es muss eine Fritzbox des deutschen Herstellers AVM sein. Sie gilt vielen als Referenz, an der sich andere messen - und gemessen werden. Das wiederum sei eine schöne Legende, widersprechen manche Fachleute: Ein Router von der Telekom, von Huawei, D-Link oder Netgear sei fast ebenso gut und reiche für die meisten Anforderungen und den typischen Haushalt bestens aus. Etliche Internetanbieter schreiben sogar den vom Kunden zu verwendenden Router vor. Für andere Geräte werden die Zugangsdaten nicht herausgerückt. Diese nur in Deutschland anzutreffende Einschränkung will das Bundeswirtschaftsministerium nun unterbinden und die Wahl des Endgeräts gesetzlich verankern.

          Welche Finessen die frei erhältlichen Topgeräte bieten, hat unlängst die Fachzeitschrift „c’t“ illustriert, ebenfalls am Beispiel der Fritzbox. Auf sage und schreibe 20 Magazinseiten wird dargestellt (Ausgabe 6/2015), „was sich aus dem Router rauskitzeln lässt“. Bis in die letzten Details muss man nicht gehen. Eine Tour durch die Hauptabteilungen zeigt den Stand der Routertechnik. Wer vergleichend einzelne Funktionen prüft und den Blick in die Tiefe wagt, sieht dann doch und immer wieder die Vorzüge der Fritzbox.

          Im Bereich der Telefonie zum Beispiel ist das eingebaute Dect-Modul keine Weltsensation. Auch einen Speedport-Router der Telekom kann man wie die Fritzbox zur kleinen Telefonanlage aufrüsten. Herkömmliche analoge Geräte lassen sich ebenso wie ISDN-Telefone anschließen. Wer mit All IP oder ISDN mehrere Rufnummern hat, programmiert eine Familien-Telefonzentrale mit vielen individuellen Einstellungen. Aber schon beim Anrufbeantworter zeigen sich die Unterschiede. Bis zu fünf verschiedene lassen sich nur mit der Fritzbox einrichten, und fürs Kinderzimmer benötigt der Fritzboxer nicht unbedingt ein eigenes Schnurlos-Telefon: Mit den passenden Apps lassen sich Smartphones und Tablet PC auch per W-Lan wie ein herkömmliches Gerät anbinden. Es klingelt also bei eingehenden Telefonaten auf dem iPhone, und abgehend lässt sich aus der App heraus ebenfalls zu Festnetzbedingungen telefonieren.

          Störenfriede ins digitale Nirwana schicken

          Mit Rufumleitungen reicht man ankommende Telefonate zeitverzögert aufs Handy weiter, vorausgesetzt, der Hausanschluss hat mehr als eine Rufnummer. Denn die zweite wird für die Weiterleitung benötigt. Ein Feintuning fürs Familienmanagement mag darin bestehen, dass nur die Anrufe ausgewählter Personen zum Mobiltelefon geschickt werden. Und Teilnehmer, die unhöflicherweise ihre Rufnummer unterdrücken, leitet man ohne Fisimatenten schnurstracks an den Anrufbeantworter weiter. Störenfriede aus dem Bereich der Marktforschung lassen sich mit wenigen Handgriffen permanent ins digitale Nirwana schicken: Dazu dient die Funktion „Ruf sperren“, mit der sich übrigens auch teure Sonderrufnummern (0900, 0137) blockieren lassen. Das alles sind Funktionen der Fritzbox, die ein Speedport dann leider nicht beherrscht.

          Zum Reduzieren von Gebühren eignet sich wiederum die Callthrough genannte Funktion: Man ruft von außen, etwa unterwegs mit dem Handy, zu Hause an, legitimiert sich mit einer Pin - und erhält dann eine freie Leitung für Telefonate, die vom Festnetz aus günstiger sind als aus den mobilen Netzen. Oder man telefoniert gleich mit der Fritzbox zu Mobilfunkpreisen: Dazu benötigt man einen UMTS-Stick sowie eine Mobilfunk-Sim-Karte und kann dann mit Hilfe von programmierbaren Wahlregeln das jeweils günstigste Angebot aus beiden Netzen wählen. Der nächste Schachzug stammt von der Telekom in Zusammenarbeit mit Huawei: Ein ganz neuer Hybrid-Router soll den DSL-Internetzugang beschleunigen, indem der schnelle LTE-Mobilfunk wie ein Booster zugeschaltet wird.

          Als Medienzentrale im heimischen Netz

          Im Heimnetz genannten Menübereich können Router mit angeschlossenen Speichermedien wie USB-Stick oder Festplatte als zentrale Anlaufstelle für Musik oder Fotos dienen. Auf den externen Speicher greifen alle im Haus zu, nicht nur mit dem PC, auch mit dem Smartphone. Dank eingebautem Mediaserver spielt man Audiodateien im heimischen Netzwerk als Stream ab, quasi ein Privatradio, das sich von jedem Computer im eigenen Netz empfangen lässt.

          Ein eigenständiges NAS-Speichersystem für anspruchsvolle Anforderungen lässt sich mit gängigen Routern jedoch nicht ersetzen, dazu wäre noch mehr Tempo gefragt. Reicht hingegen der Speicherplatz nicht aus, lässt er sich mit Online-Speichern ergänzen, unterstützt werden von der Fritzbox alle gängigen Web-Dav-Angebote wie etwa das Mediencenter von T-Online. Es fehlen allerdings gängige Cloud-Speicher wie die Dropbox oder Onedrive von Microsoft. Anders herum geht es jedoch: Daten, die in der Fritzbox-Umgebung beherbergt werden, lassen sich von außen fast so wie im Cloud-Speicher abrufen. Das Schlüsselwort für die private Fritzbox-Cloud ist ein Myfritz-Konto, das den Fernzugriff auf USB-Stick und Netzwerkfestplatte erlaubt, gegebenenfalls auch selektiv oder im Gastzugang.

          Diesen Gastzugang kann man auch für sein W-Lan einrichten, damit Besucher im Netz surfen und ihre E-Mail abfragen können. Auf diese beiden Tätigkeiten kann man die Gastfreundschaft vorsichtshalber beschränken. Ein Tuning rund um das W-Lan lohnt vor allem in der Großstadt, wenn ein Router neben dem anderen in knappen Frequenzbereichen funkt. Gute nachbarschaftliche Beziehungen setzen Abstand voraus, und das gilt auch fürs W-Lan: Die Fritzbox zeigt, wer sich auf den Funknetzen in der Umgebung tummelt, wo das Gedränge besonders groß ist - und welcher Kanal mit den geringsten Störquellen die größte Reichweite verspricht.

          Repeater schafft mehr Reichweite

          Alle Router mit gehobener Ausstattung funken auf dem 2,4- und dem 5-Gigahertz-Band gleichzeitig. Letzteres hat zwar die geringere Reichweite. Aber das 5-Gigahertz-W-Lan kann in Städten besser funktionieren, weil das 2,4-Gigahertz-Band schlichtweg überlaufen ist. Nötigenfalls schafft ein Repeater mehr Reichweite. Er nimmt das Signal des Routers auf und reicht es verstärkt weiter.

          Wer schon jetzt den Kabelverhau rund um den Router beklagt, sollte wissen: Das Beste kommt erst noch. Kaum ein Produkt des vernetzten Heims, das jetzt oder in Zukunft nicht an den Router angeschlossen werden müsste, drahtlos oder kabelgebunden. Vernetzte Multimedia- oder Haussteuerungssysteme sind das nächste große Thema - und ein Milliardenmarkt. Zwar ist noch nicht erkennbar, mit welchen Kommunikationsstandards die einzelnen Komponenten des Smart Home untereinander vernetzt werden. Zur Diskussion stehen Funksysteme wie Dect (auch in einer Niedrigenergieversion ULE), Zigbee, Homematic oder Z-Wave. Aber, das ist klar, sie alle werden eine Brücke schlagen und sich mit dem Router verbinden, der schon in naher Zukunft also auch für die komfortable Steuerung von Licht, Klima, Rollläden, Türen und Toren zuständig ist. Ob man die Einstellungen auf einem Smartphone vornimmt, wie sich das Apple mit seinem Homekit oder Google mit den Nest-Thermostaten vorstellt, sei dahingestellt. Am Ende landen alle Daten des Hauses im Router, der fortan weiß, dass der Geschirrspüler seine Arbeit beendet hat, die Waschmaschine noch auf den günstigen Stromtarif in der Nacht wartet und die Überwachungskamera nichts Auffälliges im Außenbereich entdeckt hat.

          Nach neuer Firmware suchen

          Der Router spielt demnach im smarten Heim eine wichtigere Rolle denn je. Anlass genug, einen Blick auf die Sicherheit der unscheinbaren Datentransporteure zu werfen. Sie sind ein verlockendes Angriffsziel, könnte doch ein Einbrecher sämtlichen Datenverkehr des gesamten Netzwerks unter Kontrolle bringen. Während sich moderne Betriebssysteme weitgehend selbständig um Sicherheit und Updates kümmern, sind an erster Stelle ältere Router von weniger prominenten Herstellern verwundbar. Die Gefahren sind durchaus real. Im vergangenen Jahr wurde eine Sicherheitslücke der Fritzbox entdeckt, und schnell spürten Fachleute auch bei nahezu allen anderen Fabrikaten ebenfalls Schwachstellen auf, die ein Einfallstor für Hacker sein könnten.

          Der Besitzer eines Geräts kann sich nur begrenzt um mehr Sicherheit kümmern: Nach neuer Firmware suchen und diese aufspielen, regelmäßig kontrollieren, welche Geräte eingebucht sind - und vor allem für das W-Lan und den Webzugang des Browsers sichere Kennworte wählen, die zudem regelmäßig gewechselt werden. Das W-Lan muss mit WPA oder WPA2 verschlüsselt sein, das ältere WEP-Protokoll ist unsicher. Ein kritischer Blick auf die Portfreigaben ist regelmäßig angesagt. Tipps wie das Ausschalten der Funknetznamen-Übertragung bringen nicht viel, denn mit geeigneter Software wird das versteckte Netz sofort sichtbar. Auch für die bösen Buben.

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